Neuigkeiten von Sportdeutschland
„Hilfe zur Selbsthilfe ist der nachhaltigste Weg zur Problemlösung“
DOSB: Christian, du bist seit 20 Jahren in der Sportpsychologie tätig. Täuscht der Eindruck, dass sich zwar sehr viel entwickelt hat, aber das Thema mentale Gesundheit in manchen Teilen des Leistungssports noch immer sehr reserviert behandelt wird?
Christian Heiss: Grundsätzlich hat sich die Sportpsychologie positiv entwickelt, und zwar auf mehreren Ebenen. Zum einen ist die Grundkompetenz der Trainerinnen und Trainer durch verbesserte Ausbildung deutlich höher, das Know-how auf dem Gebiet hat sich vergrößert. Zum anderen gibt es in der Gesellschaft einen Trend zur Psychologisierung. Jugendliche und Erwachsene verwenden Fachvokabular wie Trigger, Trauma oder Narzissmus. Diese Begriffe werden immer häufiger verwendet, es wird generell deutlich mehr über mentale Gesundheit gesprochen. Dadurch ist das Thema auch im Sport weniger stigmatisiert als vor zehn Jahren. Darüber hinaus gibt heute keinen Bereich des Leistungssports mehr, in dem Sportpsychologie keine Rolle spielt. Der Eindruck, dass es dennoch in einigen Teilen des Leistungssports noch immer Vorbehalte gibt, täuscht allerdings nicht.
Wird mentale Gesundheit noch zu oft mit psychischer Erkrankung gleichgesetzt?
Es ist wichtig, dass wir die Begriffe voneinander abgrenzen. Mentale Gesundheit und krankheitswertige psychische Zustände sind unterschiedliche Bereiche. Die mentale Gesundheit kann beeinträchtigt sein, ohne dass eine psychische Erkrankung vorliegt. Menschen können auf den Punkt ihre Leistung abliefern und dennoch mental belastet sein. Unser Ansatz ist, dass wir die Gesundheit der Athletinnen und Athleten stärken wollen, weil daraus die nachhaltigste Leistung entsteht. Dabei ist die Stärkung des mentalen Bereichs durch mentales Training ein Teilbereich.
Du bist als Teampsychologe in Chengdu für die gesamte deutsche World-Games-Delegation zuständig. Worin siehst du deine wichtigste Aufgabe?
Meine Aufgaben beziehen sich auf verschiedene Bereiche. Im IOC gibt es seit Paris 2024 die klare Vorgabe, dass jedes NOK Welfare Officer benennen muss, die die mentale Gesundheit und den Schutz vor sexueller oder psychischer Gewalt prioritär behandeln. Diese Vorgabe gibt es bei World Games nicht, deshalb ist meine Rolle auch nicht so eindeutig definiert. Wichtig ist zu unterstreichen, dass ich mit meinen Kollegen aus dem Gesundheitsmanagement interdisziplinär zusammenarbeite, wir sind im Austausch miteinander und überlegen, wie wir als Unterstützungsteam Athleten und Trainer bestmöglich unterstützen können. Dazu bringe ich meine psychologische Kompetenz und Erfahrung mit ein. Dies betrifft zum Beispiel den Umgang mit emotional aufgeladenen Situationen im medizinischen oder physiotherapeutischen Arbeitsalltag. Ich finde es sehr gut, dass der DOSB dieses Angebot unterbreitet, denn nur wenige Fachverbände haben ihre eigenen Sportpsychologen dabei.
Wie unterscheidet sich deine Arbeit in China von der in deiner Praxis in Plochingen? Die meisten Athletinnen und Athleten, die hier zu dir kommen, kennst du kaum oder gar nicht. Erschwert das die Gespräche?
Meine Rolle hier ist definitiv eine andere als in Deutschland. Hier betreue ich Menschen, die mit einem akuten Anliegen zu mir kommen und auf eine schnelle Lösung hoffen. Das ist klassisches Notfallmanagement. Ich muss mich innerhalb kürzester Zeit auf neue Begebenheiten einstellen und Kurzzeit-Intervention beherrschen. Das ist eine besondere Herausforderung. Ganz wichtig: Ich mache hier keine Therapie, sondern erkenne und benenne Dinge, die kurzfristig veränderbar sind.
Du trägst ein Bändchen um dein Handgelenk, auf dem „What’s important now?“ steht. Ist das eine Art Motto für deine Arbeit?
Ganz genau. Es geht darum, dass wir herausarbeiten, was für diejenige Person, die sich mir anvertraut, gerade wichtig ist. Worum geht es im Wesentlichen? Wer zu mir kommt, hat sich meist im Dschungel seiner Psyche verlaufen. Meine Aufgabe ist es, mit der Person gemeinsam wieder auf einen sicheren, guten Pfad zu kommen und nicht, neues Dickicht zu pflanzen, indem ich zum Beispiel die Person, die Hilfe sucht, mit Input überlade. Ich muss nicht alles über den persönlichen Hintergrund wissen, es bedarf auch keiner vollumfänglichen Öffnung mir gegenüber. Für mich ist Zurückhaltung genauso okay wie Offenheit. Und selbstverständlich ist die Schweigepflicht mein höchstes Gut.
Team D bei den World Games 2025: Alle Zahlen auf einen Blick
Anzahl der Athlet*innen im Team Deutschland
Für Deutschland treten 211 Athlet*innen in 25 der 34 Sportarten an. Austragungsort ist Chengdu, Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan im Westen des Landes.
Vier nominierte Sportler*innen mussten ihre Teilnahme verletzungs- bzw. krankheitsbedingt absagen:
- Reem Khamis (Karate)
- Diana Lust & Daniel Blintsov (Sportakrobatik)
- Yannik Omlor (Sqash)
Geschlechterverteilung
Mit 107 Frauen und 104 Männern ist das Team nahezu ausgeglichen besetzt.
Einzel- und Mannschaftssportarten
Team Deutschland ist in 17 Einzelsportarten und 8 Mannschaftssportarten vertreten.
- 101 Athlet*innen starten in Einzeldisziplinen
- 110 Athlet*innen treten in Mannschaftswettbewerben an
Größte und kleinste Teilmannschaften
Die größte Teilmannschaft stellt der Tauziehsport mit 28 Athlet*innen. Die kleinsten deutschen Teams bestehen jeweils aus zwei Athlet*innen in folgenden Disziplinen:
- Drohnenfliegen
- Disc Golf
- Kraftdreikampf
- Kickboxen
- Kanu-Marathon
- Motosurf
- Racquetball
Jüngste und älteste deutsche Athlet*innen
- Die jüngste Athletin: Tara Engler (Sportakrobatik), 14 Jahre (Jg. 2010)
- Der älteste Athlet: Michael Meyer (Bogenschießen), 56 Jahre (Jg. 1969)
Erfolgreiche Athlet*innen im aktuellen Aufgebot
Einige Mitglieder des Teams Deutschland haben bereits bei früheren World Games große Erfolge gefeiert:
- Danny Wieck (Rettungsschwimmen): 9 Medaillen (6× Gold, 1× Silber, 2× Bronze)
- Max Poschart (Flossenschwimmen): 7 Medaillen (3× Gold, 2× Silber, 2× Bronze)
- Nina Holt (Rettungsschwimmen): 5 Medaillen (4× Gold, 1× Bronze), qualifiziert für Paris 2024
- Julia Paszkiewicz (Ju-Jutsu & Para Ju-Jutsu): 3 Medaillen (1× Gold, 2× Silber)
Doppelter Medaillenerfolg: Olympia & World Games
Florian Unruh (Bogenschießen) ist der einzige Athlet im Team Deutschland, der sowohl bei den World Games als auch bei den Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen konnte:
- Olympia 2024 in Paris: Silber im Mixed mit Michelle Kroppen (Recurve)
- World Games 2022 in Birmingham: Gold im Feldbogenschießen
Betreuerteam & Gesamtdelegation
Das Team hinter dem Team ist ebenfalls beachtlich:
- 58 Trainer*innen
- 23 Team-Manager*innen
- 18 Physiotherapeut*innen
- 4 Ärzt*innen
- 1 Psychologe
- 2 Technical Staff-Mitglieder
Zusätzlich sind 20 Mitarbeitende aus dem DOSB-Support-Team in Chengdu vor Ort. Insgesamt besteht die deutsche Delegation damit aus 342 Personen.
Verdiente Auszeichnung für zwei deutsche World-Games-Stars
Als Max Poschart am Dienstagmorgen sein Mobiltelefon einschaltete, hatte er schlagartig beste Laune. Per WhatsApp-Nachricht des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) aus Chengdu erfuhr der 30 Jahre alte Flossenschwimmer vor dem Abflug aus Frankfurt am Main nach China, dass er bei der Eröffnungsfeier der World Games an diesem Donnerstag für den Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) gemeinsam mit Rettungsschwimmerin Nina Holt für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) die deutsche Fahne tragen wird. „Ich hätte nicht damit gerechnet. Wir sind ein kleiner Sport, da ist es toll, das Vertrauen der anderen Athletinnen und Athleten zu bekommen“, sagte er. Was genau ihn erwartet, weiß er noch nicht, „da bekomme ich bestimmt noch eine Einweisung. Nina kenne ich noch nicht persönlich, aber ich freue mich sehr darauf, den Job mit ihr gemeinsam zu übernehmen.“
Das Tragen der Fahne ist für den Vater eines zwei Jahre alten Sohnes „das i-Tüpfelchen meiner Karriere“. Diese Karriere hatte er zur Geburt seines Sohnes schon einmal beendet, um sich nach dem Ausscheiden aus der Sportfördergruppe seinem Beruf als Landesstützpunkttrainer in Leipzig zu widmen, wo er die Eliteschüler*innen im Flossenschwimmen anleitet. „Bei der WM 2024 hat es dann aber sehr gekribbelt, als ich meine Athletinnen und Athleten auf dem Startblock gesehen habe“, sagte er. Weil er die bei der WM geschwommenen Zeiten gut einordnen konnte „und ich mich körperlich fit genug fühlte“, wagte er im Oktober beim Weltcup den Angriff auf die World-Games-Qualifikation - und hatte Erfolg. „Jetzt freue ich mich sehr darauf, meine letzten World Games richtig zu genießen. Sportlich habe ich keinen Druck mehr“, sagte er.
„Die Dimension der World Games ist vielen gar nicht bewusst“
DOSB: Birte, du führst zum ersten Mal ein Team D als Chefin de Mission in ein Sportgroßevent. Wie hast du dich auf diese Aufgabe vorbereitet, und was löst sie in dir aus?
Birte Steven-Vitense: Ich habe mich sehr gefreut, dass mir diese Rolle zugetraut und zugesprochen wurde. Auf der einen Seite war es eine logische Folge daraus, dass ich einige Jahre Erfahrung als Leitung für das Games Management gesammelt habe und mich deshalb auch gut vorbereitet fühle. Auf der anderen Seite ist es eine Führungsaufgabe, die mich sehr gereizt hat. Entsprechend groß ist die Vorfreude, aber auch die positive Anspannung.
Was umfasst der Posten der Chefin de Mission an Aufgaben, und wie unterscheidet er sich von dem bei Olympischen Spielen?
Bei Olympia ist die Lage etwas anders, weil der Posten dort beim Vorstand Leistungssport angedockt ist und mehr Schnittstellen ins Repräsentative sowie mehr kommunikative Aufgaben hat. Bei den World Games geht es mehr um die organisatorische Gesamtleitung. Meine wichtigste Aufgabe ist die Optimierung der gesamten Funktions- und Managementprozesse. Die World Games haben die Besonderheit, dass nicht wir als übergeordnete nationale Dachorganisation die Teilnehmenden aus sportfachlicher Sicht nominieren, sondern die jeweiligen Weltverbände im direkten Zusammenspiel mit den Spitzenfachverbänden. Wir entsenden aber das Team D und wollen unseren Athletinnen, Athleten und dem gesamten Funktionsteam das Gefühl geben, einheitlich auftreten und sich als Teil einer deutschen Mannschaft identifizieren zu können sowie bestmögliche Unterstützung zu erfahren.
Wenn die Vorbereitung abgeschlossen ist, wie kann man sich dann während der „Games Time“ deine Aufgabe vorstellen? Bist du viel an den Wettkampfstätten unterwegs oder eher im Organisationsbüro zu finden?
Jede Chefin de Mission ist nur so gut wie ihr Team, und da ich ein fantastisches Team um mich habe, das mir den Rücken freihält und super zusammenarbeitet, werde ich versuchen, viel unterwegs zu sein. Ich habe mir fest vorgenommen, möglichst alle 25 Sportarten mit deutscher Beteiligung mindestens einmal live zu sehen. Dies wird angesichts der Entfernungen in Chengdu kein leichtes Vorhaben. Gleichzeitig sind aber natürlich auch rund um das Athlet*innendorf viele Aufgaben zu erledigen, ich bin als Schnittstelle zur International World Games Association gefragt und intensiv auch mit den Kolleg*innen aus anderen Delegationen in Kontakt. Ich packe schon überall mit an, wo Abstimmung und Umsetzung notwendig ist.
Die World Games gibt es seit mehr als 40 Jahren, dennoch gibt es noch immer viele Sportinteressierte in Deutschland, die mit der Marke nichts anzufangen wissen. Was kann der DOSB im Allgemeinen und was kannst du als Chefin de Mission im Besonderen tun, um das zu verändern?
Zunächst einmal kann ich sagen, dass ich einen großen Spaß und viel Energie verspüre, dabei mitzuhelfen, dieses Format weiter zu professionalisieren und sichtbarer zu machen. Meine vielfältigen Erfahrungen dafür einzubringen, dass uns das gelingt, soll mein Beitrag sein. Als DOSB haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel dafür getan, um die Bedeutung der nicht-olympischen Sportarten weiter zu stärken. Ich glaube, dass wir als Dachverband dafür eine Schlüsselrolle einnehmen. Wir wollen die herausragenden sportlichen Leistungen hervorheben und machen für uns keinen Unterschied mehr zu den Olympischen Spielen, was die grundlegenden Prozesse zur Vorbereitung und Betreuung vor Ort angeht. Natürlich ist Olympia, was Sichtbarkeit, Reichweite und Vermarktung angeht, in einer anderen Dimension unterwegs, und das wird sich auch nicht ändern. Aber wir setzen mit dem Grad an Organisation, Unterstützung und Kommunikation, den wir in Chengdu für unser Team D anbieten, einen neuen Maßstab.
Der letzte internationale Tanz des Mats Grambusch
Niemand, der dabei war, hat diese Bilder vergessen. Wie Mats Grambusch, die Hände über die Augen gelegt, von seinem Teamkollegen getröstet werden muss. Wie sich der Kapitän der deutschen Hockeyherren nach seinem Fehlschuss im Halbfinale der Heim-EM 2023 im Mönchengladbacher Hockeypark in der ihm eigenen eloquenten, ehrlichen Art den Medien stellt und dabei bemerkenswerte Sätze sagt: „Es ist eine Katastrophe. Dass ich es nicht geschafft habe, mein Team ins Finale zu bringen, zerreißt mir das Herz. Ich fühle mich schuldig, und das tut wahnsinnig weh.“ Und wie anschließend das Publikum versucht, ihn mit viel Applaus aufzubauen, was nach einem so tragischen Spielausgang, den Grambusch als einziger Fehlschütze des Penaltyschießens gegen England aus seiner Sicht verantwortete, naturgemäß nur misslingen kann.
Zwei Jahre danach lässt der Mittelfeldregisseur im Gespräch keinen Zweifel daran zu, dass er das Erlebnis rückstandslos verarbeitet hat. „Es ist lange her, die Erinnerung daran kann ich komplett ausblenden, auch weil ich in Penalty-Shoot-outs ausreichend positive Erfahrungen gemacht habe. Wenn es dazu käme, dass ich im Halbfinale erneut als letzter Schütze antreten muss, nachdem alle anderen getroffen haben, dann wäre es sicherlich menschlich, würde ich einen Augenblick daran denken. Aber es belastet mich keineswegs“, sagt der 32-Jährige, der in dieser Woche mit dem deutschen Team vor der kuriosen Gelegenheit steht, das vor zwei Jahren Erlebte an Ort und Stelle vergessen machen zu können. Weil der Europaverband Probleme hatte, für die kontinentalen Titelkämpfe einen Ausrichter zu finden, fragte er nach den sehr positiven Eindrücken aus 2023 erneut beim Deutschen Hockey-Bund (DHB) an. Dieser sagte zu, und so messen sich vom 8. bis 17. August nun erneut die acht besten europäischen Auswahlteams bei Damen und Herren in Mönchengladbach.
Einziger Europameister von 2013 im aktuellen Kader: Mats Grambusch
Für Mats Grambusch hat dieses Turnier aus mehreren Gründen einen noch höheren Stellenwert als jenes vor zwei Jahren. Dass er in Mönchengladbach geboren ist, dort lebt und mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Tom ein Immobilienunternehmen in der Stadt führt, war auch damals schon so. Nun jedoch spielt er seit seinem nach den Olympischen Spielen von Paris vollzogenen Wechsel von Rot-Weiß Köln zum Gladbacher HTC nicht nur für seinen Heimatverein. Die EM ist auch sein letztes Turnier im Nationaltrikot. „Das ist beschlossen und auch kommuniziert. Ich hoffe also, dass ich mich angemessen von der internationalen Bühne verabschieden kann“, sagt der Vater einer zwei Jahre alten Tochter.
Angemessen wäre für den amtierenden Weltmeister und Olympia-Silbergewinner der Titel, doch auf EM-Gold warten die erfolgsverwöhnten deutschen Herren seit mittlerweile zwölf Jahren. Einziger Spieler im aktuellen Kader, der 2013 in Boom (Belgien) triumphierte: Mats Grambusch. „Keine Frage, wir warten schon lange und es wird wirklich Zeit. Natürlich wäre es eine tolle Story, wenn ich bei meinem ersten und meinem letzten EM-Turnier den Titel holen könnte. Aber allein die Tatsache, dass wir so lange nicht ganz oben standen, zeigt, wie eng die Spitze in Europa beisammen ist“, sagt er. Favorit auf den Titel seien aus seiner Sicht die Niederlande, im Kader des Olympiasiegers hat es nach Paris die geringste Fluktuation gegeben. „Danach kommen Belgien und wir, aber auch mit Spanien und den Engländern muss man immer rechnen.“
Florian Lipowitz ist Sportler des Monats Juli
Tour de France-Senkrechtstarter Florian Lipowitz ist nach seinem dritten Platz bei der Tour de France von den Sporthilfe-geförderten Athlet*innen mit 45,6 Prozent der Stimmen zum Sportler des Monats Juli gewählt worden. Der 24-jährige Radprofi vom Team „Red Bull - BORA - hansgrohe“ hatte zusätzlich zu seinem Podestplatz in Paris das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers gewonnen. Diese historischen Erfolge - zuletzt hatte es diese für einen deutschen Fahrer vor 19 Jahren gegeben - würdigten Deutschlands beste Sportler*innen bei der Wahl mit Platz eins.
Bei der von der Sporthilfe durchgeführten Wahl „Sportler/Sportlerin des Monats“ stimmen anders als etwa bei Medien- oder Publikumswahlen ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- sowie Spitzenathlet*innen ab und geben der Auszeichnung damit ihre ganz besondere Note. Zudem ist mit der Wahl eine Einladung zum Ball des Sports der Sporthilfe verbunden, der im kommenden Jahr am 21. Februar 2026 in der Festhalle Frankfurt stattfindet.
Florian Lipowitz setzte sich bei der Wahl gegen die Schwimm-Stars Florian Wellbrock (28,8 %) und Anna Elendt (25,6 %) durch. Wellbrock hatte bei der WM in Singapur gleich vier Goldmedaillen - über fünf und zehn Kilometer, in der neuen Disziplin Knockout-Sprints und mit der 4x1,5-km-Staffel - gewonnen. Damit ist Wellbrock der erste Schwimmer, der bei einer Weltmeisterschaft mehr als zwei Freiwasser-Titel erringen konnte. Anna Elendt krönte sich im Becken zur Weltmeisterin über 50 Meter Brust. Nachdem sie es als Siebte nur knapp in den Endlauf geschafft hatte, schwamm die 23-Jährige im Finale mit neuer deutscher Rekordzeit zu Gold.
Für ihre herausragenden Leistungen waren die Athleten und die Athletin von der Athletenkommission im DOSB, von SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert worden.
Mit bis zu 200 km/h durch den Pandakopf
Bloß keinen Crash bauen! Das ist die wichtigste Regel, an die sich Arvin Schröder und Felix Strohmeier zwingend halten sollten, wenn sie am Abschlusswochenende der World Games ein Wörtchen um die Vergabe der Medaillen mitreden wollen. Die Kumpels sind die beiden deutschen Starter im Drone Racing bei den Weltspielen der nicht-olympischen Sportarten, das am 14. August mit der Qualifikation im Dong'an Lake Sports Park der Gastgeberstadt Chengdu startet. Und wenn man weiß, dass so eine Renndrohne nicht einmal zwei Sekunden benötigt, um von null auf 200 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen, dann hat man eine Vorstellung davon, wie schwierig es sein kann, diese Regel auch wirklich zu befolgen.
Um bestmöglich mit dieser Herausforderung umzugehen, sind die beiden Bayern - Arvin lebt in Augsburg, Felix in Bamberg - schon seit ihrem zehnten Lebensjahr in der Drohnensport-Szene unterwegs. Wobei man einschränkend sagen muss, dass sie trotzdem nicht über jahrzehntelange Erfahrung verfügen. Felix ist 17 Jahre alt und geht in die elfte Klasse, Arvin sogar zwei Jahre jünger, Neuntklässler und damit das zweitjüngste Mitglied des 212 Athlet*innen umfassenden Team D. Nur Sportakrobatin Tara Engler, die im Dezember 15 wird, ist noch jünger. „Aber auf das Alter kommt es in unserem Sport nicht an, die besten Piloten der Welt sind zwischen 14 und 20“, sagt Arvin, der im Gespräch den Eindruck eines sehr reflektierten, ambitionierten und neugierigen Teenagers hinterlässt.
DOSB-Präsidium fordert zusätzliche, jährliche Milliarde für den Sport
„Mit der im Koalitionsvertrag verankerten Bundesmilliarde für den Sport und durch die Mobilisierung der Mittel aus dem Investitions-Sondervermögen des Bundes mit Verteilung über die Länder und Kommunen muss es gelingen, in den nächsten Jahren zusätzlich und jährlich eine Milliarde für die Sportinfrastruktur in Deutschland zu investieren“, erklärte DOSB-Präsident Thomas Weikert.
„Nur so kann es uns gemeinsam gelingen, die Bedingungen für Sport und Bewegung in unserem Land zukunftsfähig aufzustellen. Mit über 28 Millionen Mitgliedschaften in den 86.000 Sportvereinen sind wir die größte Bürgerbewegung in Deutschland, und unsere Mitglieder wollen sehen, dass sich in ihrem Leben und damit vor Ort etwas verbessert“, sagte Weikert. Damit knüpft das DOSB-Präsidium auch an die Wahlforderung der Mitgliederversammlung 2024 an.
Der deutsche Sport trauert um Laura Dahlmeier
Die Hoffnung war nach den erschütternden Nachrichten der vorangegangenen Tage nicht mehr groß gewesen. Doch als am Mittwochnachmittag gegen 14.20 Uhr Gewissheit darüber herrschte, dass Laura Dahlmeier im Alter von 31 Jahren bei einem Unfall am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge ums Leben gekommen ist, war der Schock trotzdem groß und die Sportwelt stand in tiefer Trauer und Bestürzung still.
„Der DOSB und der gesamte deutsche Sport trauern um Laura Dahlmeier. Wir sind zutiefst erschüttert über den plötzlichen und viel zu frühen Tod dieses wunderbaren Menschen. Wir sind in Gedanken bei ihrer Familie und ihren Freunden und werden unsere Unterstützung anbieten, wo wir nur können“, sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert in einer ersten Stellungnahme, in der er die ehemalige Weltspitzen-Biathletin als ein Vorbild für viele im Sport und außerhalb des Sports bezeichnete.
„Sie hatte immer klare Ziele vor Augen und hat ihre Träume verfolgt. Laura hinterlässt ein Vermächtnis, das weit über Medaillen hinausgeht: Ihr Einsatz für den Sport, ihre Leidenschaft für die Natur und ihr Engagement für die Gesellschaft machten sie zu einer inspirierenden Persönlichkeit. Ihre Geschichte bleibt, als Tochter, Schwester, Freundin, Olympionikin und Biathlon-Legende. Laura wird für immer ein fester Teil von Team Deutschland bleiben. Sie wird uns fehlen“, so Weikert weiter.
„Der Impact von Olympia im eigenen Land ist durch nichts zu ersetzen.“
Mit drei Jahren drückte ihm sein Vater erstmals einen Hockeyschläger in die Hand. Was folgte, ist ein Stück deutsche Sportgeschichte. Seit seiner Kindheit spielte Fürste, den alle nur „Mo“ nennen, für den Uhlenhorster HC in Hamburg. Bis zu seinem Durchbruch dauerte es jedoch eine Weile. „Ich war immer talentiert, aber nie ein Überflieger. Ich würde sagen, ich bin ein Spätstarter“, beschreibt er sich selbst. Mit 19 Jahren gab er schließlich sein Debüt in der Bundesliga, mit 21 folgte das erste Länderspiel für die deutsche Nationalmannschaft.
„Die Finals“: Als Marke und Format nicht mehr wegzudenken
Geht es um Multisportveranstaltungen in Deutschland, dann kommt die Rede meist schnell auf Olympische und Paralympische Spiele. Die geplante deutsche Bewerbung um die Ausrichtung des größten Sportevents der Welt überstrahlt vieles, bestehende Veranstaltungen werden daraufhin abgeklopft, ob sie als Testlauf oder Blaupause für Größeres gelten können. Wenn an diesem Wochenende von Donnerstag bis Sonntag (31. Juli bis 3. August) in Dresden 20 Sportarten zusammenkommen, um ihre nationalen Titelkämpfe auszurichten, ist das anders, und das hat einen Grund. „Die Finals“, wie das 2019 erstmals ausgetragene Format heißt, haben sich als eigenständige Veranstaltung etabliert und ihren ganz eigenen Charakter entwickelt.
Der Kopf hinter der Idee freut sich darüber sehr, schließlich hat Hagen Boßdorf, der das Format als Koordinator führt, genau das im Sinn gehabt, als er es entwickelte. „Unser Markenkern sind die Deutschen Meisterschaften, diesen wollten wir mehr Sichtbarkeit und Relevanz geben, und die Resonanz, die wir in diesem Jahr erfahren, unterstreicht, dass wir als Marke gewachsen sind“, sagt der 60-Jährige. Dazu trägt maßgeblich die Verpflichtung von ARD und ZDF bei, das Event großflächig zu übertragen. „Dadurch sind wir sehr attraktiv, insbesondere für die vielen Sportarten, die normalerweise noch nicht einmal mit ihren Weltmeisterschaften Beachtung finden.“
Mischung aus Traditionellem und Modernem ist wichtig
Ihren sportlichen Akzent setzen „Die Finals“ damit, dass sie traditionelle Sportarten wie Leichtathletik, Triathlon, Rudern oder Gerätturnen mit solchen mischen, die eine junge Zielgruppe erreichen und sich gerade auf den Weg Richtung Establishment machen, oder die als Teil der World Games, der Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten, ein Nischendasein fristen. So wird es in Dresden Wettkämpfe im Flag Football, Küstenrudern und Lacrosse geben - allesamt 2028 in Los Angeles auch Premierengäste auf der olympischen Landkarte. Im Faustball und in der Sportakrobatik sind derweil Athlet*innen zu sehen, die vom 7. bis 17. August bei den World Games in Chengdu (China) bereits den nächsten Saisonhöhepunkt haben. „Das ist zwar ein straffes Programm, aber wir wollten uns die Chance, bei den Finals im Fernsehen übertragen zu werden, nicht entgehen lassen“, sagt Svenja Schröder, Kapitänin der deutschen Faustball-Nationalmannschaft.
Das Konzept, mit dem Dresden überzeugen will, lautet „Nähe und Schönheit“. Maximal drei Kilometer Entfernung liegen zwischen einer Sportstätte und der nächsten, zudem werden die Sehenswürdigkeiten der Stadt - Semperoper, Frauenkirche, Elbufer - als historische Kulissen für Spitzensport eingebunden. Dies folgt dem Vorbild von Paris, das bei den Olympischen und Paralympischen Spielen im vergangenen Jahr wirkmächtige Bilder seiner Schönheit erzeugte. „Städte können solche Veranstaltungen nutzen, um zu zeigen, was sie können und was sie haben. Die Verbindung von Tradition und Moderne funktioniert in Dresden wunderbar“, sagt Hagen Boßdorf.
Sein Abschiedswunsch an den deutschen Sport: Bleibt beisammen!
Das Wort Vermächtnis hört er nicht gern, zumindest nicht im Zusammenhang mit seinem Wirken. „Als Notar weiß ich, dass ein Vermächtnis bedeutet, einem Menschen oder einer Gruppe etwas zu hinterlassen, das eine Pflicht zum Handeln voraussetzt, und das möchte ich dem DOSB nicht zumuten“, sagt Volker Bouffier. Wenn der 73-Jährige Ende Juli nach sieben Monaten als Vorstand mit besonderen Aufgaben aus dem Dachverband des deutschen Sports ausscheidet, möchte er anderen überlassen, ein Urteil über sein Intermezzo zu fällen. „Für meinen Teil kann ich sagen, dass es sehr interessante Monate waren, in denen ich einiges gelernt und mitgenommen habe.“
Thomas Weikert kann das uneingeschränkt zurückgeben. „Ich glaube, dass viele im DOSB einiges von Volker Bouffier gelernt haben. Er hat uns in einer Zeit unterstützt, in der wir seine Hilfe sehr gut gebrauchen konnten. Vor allem mit seinem großen Netzwerk in der Politik hat er dem deutschen Sport in den vergangenen sieben Monaten große Dienste geleistet. Dafür gebührt ihm unser herzlicher Dank“, sagt der DOSB-Präsident. Ihm habe vor allem imponiert, mit welcher Verve sich Bouffier in die neue Aufgabe eingebracht hat.
Als im Dezember, nachdem sich der DOSB und sein damaliger Vorstandsvorsitzender Torsten Burmester wegen dessen Ambitionen auf das Amt des Oberbürgermeisters von Köln getrennt hatten, die Anfrage kam, ob er für eine Übergangsphase helfen könne, war es sein Pflichtgefühl, das den langjährigen Ministerpräsidenten Hessens kaum zögern ließ. „Der DOSB war in einer sehr schwierigen Lage, und da ich dem Sport schon immer sehr zugeneigt war, wollte ich gern helfen. Nicht, weil ich unbedingt einen weiteren Orden bekommen wollte, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass der Sport ein faszinierendes Element für den Zusammenhalt der gesamten Gesellschaft darstellt“, sagt er.
Von der Vielfalt des DOSB war Volker Bouffier überrascht
Erwartungen habe er keine gehabt, wohl aber eine Außensicht auf die größte Bürgerbewegung des Landes mit ihren mehr als 28 Millionen Mitgliedschaften in rund 86.000 Vereinen. Nun, nach sieben Monaten Innenansicht, könne er beurteilen, wie facettenreich die Aufgabenpalette im organisierten Sport ist. „Mich hat ehrlich überrascht und beeindruckt, welche Vielfalt der DOSB aufweist, wie viele Expertinnen und Experten es für die unterschiedlichen Fachbereiche gibt. Ich hatte zwar einen allgemeinen Überblick, aber in dieser Tiefe war mir nicht bewusst, was für ein extremer Kessel Buntes der deutsche Sport ist“, sagt er. Und lässt einen Satz folgen, der in seiner Analysetiefe typisch ist für die Art, mit der Volker Bouffier komplexe Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen versteht. „Der DOSB ist ein Riese, der bei näherer Betrachtung zum Scheinriesen wird.“
Wie er das meint? „Der DOSB hat 102 Mitgliedsorganisationen und ist Dachverband für mehr als 28 Millionen Mitgliedschaften. Aber anders als in einem großen Unternehmen hat er nicht die Möglichkeit durchzuregieren, weil es die Autonomie der Verbände nicht erlaubt, Entscheidungen zu treffen, die für alle gültig sind. Das macht die Arbeit manchmal schwer, und umso wichtiger ist es, Gemeinsamkeit zu schaffen und eine große Idee zu skizzieren.“ Mit einer Stimme zu sprechen, um gehört zu werden - das ist ein Satz, den Volker Bouffier dem DOSB ins Stammbuch geschrieben hat. Im Wissen, welch hehres Ziel das angesichts der Diversität der Mitgliedsorganisationen ist. In der Zentrale in Frankfurt sei das, auch wenn er gelegentliche Spannungen zwischen den Entscheidungsgremien wahrgenommen habe, „zum großen Teil der Fall, ich habe das Gefühl, dass hier alle in die gleiche Richtung marschieren.“
Um seinen Beitrag dazu zu leisten, war Volker Bouffier von Beginn seiner Amtszeit an bemüht, klare Prioritäten zu setzen. „Es ging mir nicht darum, Strukturen zu verändern, denn das schafft man in so kurzer Zeit nicht. Mir war wichtig, mich auf die Dinge zu fokussieren, die in der ersten Jahreshälfte entscheidend waren. Die Kunst besteht darin, den Kern klar zu halten“, sagt er. Aus seiner Erfahrung heraus, dass Kernbotschaften nur dann verfangen, wenn sie klar und komprimiert vorgetragen werden, straffte er als erste Amtshandlung die zehn auf der Mitgliederversammlung im Dezember verabschiedeten Kernforderungen des DOSB an die Politik auf drei Hauptziele: Bewerbung um Olympische Spiele, die Sportmilliarde für die Modernisierung der Infrastruktur und die Implementierung einer Staatsministerin oder eines Staatsministers für Sport im Kanzleramt.
