Neuigkeiten von Sportdeutschland

„Sport ist quasi ein Allheilmittel”

DOSB: Herr Professor Reuter, wie geläufig ist Ihnen das Format Trikottag? 

Ulrich Reuter: Ich habe schon vom Trikottag gehört, aber intensiv damit beschäftigt habe ich mich bisher nicht. 

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband ist im Sport sehr involviert, nicht zuletzt auch in der Wirtschaftsinitiative für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Warum ist dieses Engagement für den Sport Ihrem Unternehmen so wichtig? 

Sport ist Emotion, Sport ist Leidenschaft, Sport ist identitätsstiftend. Sport hat eine Kraft, die eine einzigartige Wirkung auf Menschen ausübt. Insofern ist Sport ein starker gesellschaftlicher Kitt. Er bringt ganz unterschiedliche Menschen zusammen und vereint sie. Zentrale Werte des Sports sind Fairness, Toleranz und Respekt. Nicht nur geopolitisch betrachtet sind diese Werte heute wichtiger denn je. Auch für die Sparkassen, die ja dem Gemeinwohl verpflichtet sind, haben sie einen sehr hohen Stellenwert. Denn Sparkassen sind für alle Kundengruppen ein verlässlicher Partner. Sie sind dort, wo sie gebraucht werden, bei ihren Kundinnen und Kunden vor Ort. 

Warum bringen Sie sich gleichermaßen im Leistungs- wie auch im Breitensport ein? 

Ganz einfach, weil der Breitensport die Menschen ebenso verbindet wie der Leistungssport. Athletinnen und Athleten beispielsweise vom Team Deutschland sind starke Vorbilder. Sie stehen für die genannten Prinzipien und vermitteln gesellschaftliche Werte. Wer sich einmal intensiv mit einer paralympischen Athletin ausgetauscht hat, weiß, was es heißt, Herausforderungen anzunehmen und in positive Energie zu wandeln. Und im Breitensport kommen Menschen vor Ort mit unterschiedlichen Begabungen und ganz unterschiedlichen Alters zusammen und verfolgen ihre Ziele. Gestützt durchs Ehrenamt im Verein. Beides ist für unsere Gesellschaft wichtig. 

Sport und Wirtschaft haben einiges gemeinsam, können aber auch einiges voneinander lernen. Worin sehen Sie diese gegenseitigen Lerneffekte? 

Wir reden heutzutage viel über Work-Life-Balance und wie wir uns individuell am besten entfalten können. Der Leistungssport zeigt aber noch mal ganz andere Möglichkeiten auf. Nämlich, wie es auch Spaß machen kann, sich durchzubeißen, um gemeinsam als Team großartiges zu erreichen. Ein anderes Beispiel ist der Umgang mit einzelnen Athletinnen und Athleten. Trainerinnen und Trainer müssen oftmals mit sehr unterschiedlichen Sportlertypen arbeiten und jeweils eine individuelle Ansprache finden, um diese zu Höchstleistungen zu motivieren. Diese Erfahrungen und Kenntnisse können auch für Führungskräfte in der Wirtschaft sinnvoll sein. Leistungsbereitschaft, Motivation und die richtige Ansprache sind auch in Wirtschaftsunternehmen wichtig. Auch hier geht es um gemeinschaftlichen Erfolg; um Ziele, die erreicht werden müssen. Daneben sind Wirtschaftsunternehmen wichtige Unterstützer des Sports. Sportstätten, Ausrüstung, Organisation: Alles muss auch im Sport immer wieder angepasst oder erneuert werden. Schon deswegen ist der gegenseitige Austausch wichtig. 

Worin sehen Sie die wichtigsten Aspekte, die Sport zum Funktionieren unserer Gesellschaft beitragen kann? 

Es ist vor allem das Gemeinschaftsgefühl, unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Status. Zudem leistet der Sport auch Gesundheitsarbeit, sowohl im Sinne von Prävention und Fitness als auch in der Rehabilitation, körperlich wie psychisch. Er ist also quasi ein Allheilmittel.

„Wartet nicht, bis ihr glaubt, alles perfekt zu können“

Am 20. Mai feiert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sein 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass blicken wir seit Jahresbeginn in einer wöchentlichen Serie auf Themen aus dem DOSB-Kosmos, die seit der Fusion von Nationalem Olympischem Komitee und Deutschem Sportbund zum gemeinsamen Dachverband des deutschen Sports von besonderer Bedeutung waren. Eines davon ist der Bereich „Frauen in Führungspositionen im Sport“. Veronika Rücker, heute als Sportdirektorin des Deutschen Tennis-Bundes aktiv, war zwischen Januar 2018 und November 2021 die bislang einzige weibliche Vorstandsvorsitzende des DOSB. Im Präsidium, das laut Satzung zu mindestens 30 Prozent weiblich besetzt sein muss, herrscht Geschlechterparität. Im aktuellen, fünf Personen umfassenden Vorstand ist Michaela Röhrbein, zuständig für den Geschäftsbereich Sportentwicklung, die einzige Frau.

Die 51-Jährige, die seit April 2022 DOSB-Vorständin Sportentwicklung ist, spricht im Interview für diese Serie mit Laura Ludwig über Erfahrungen aus der Führungsarbeit, stereotype Verhaltensweisen, den weiblichen Einfluss auf gemischte Führungsgruppen und Ansätze dafür, noch mehr Frauen für Spitzenpositionen im Sport zu begeistern. Ludwig, 2016 in Rio de Janeiro gemeinsam mit Kira Walkenhorst Olympiasiegerin im Beachvolleyball, ist seit einem Jahr Vizepräsidentin im Multisportverein HSV e.V. in ihrer Heimat Hamburg. Die 40-Jährige ist außerdem Mutter zweier Söhne – und bringt dadurch eine weitere spannende Perspektive ein.

DOSB: Laura, du warst bereits als Sportlerin viel für dich selbst verantwortlich. Was hast du aus deiner aktiven Karriere für das Berufsleben danach mitnehmen können?

Laura Ludwig: Ich glaube, der wichtigste Lerneffekt war, dass ich es gewohnt bin, ins kalte Wasser zu springen und neue Herausforderungen schnell anzunehmen. Besonders der Wechsel vom Hallenvolleyball, wo einem im Team vieles abgenommen wird, in den Beachvolleyball, wo man für sehr vieles selbst verantwortlich ist, hat mir geholfen zu akzeptieren, dass es keine Schwäche ist, wenn man einiges nicht sofort kann. Nicht in Panik zu verfallen, sondern zu verstehen, dass ein neu eingeschlagener Weg Zeit braucht, um zum Ziel zu führen, war ein wichtiger Schritt für mein gesamtes Leben. Diese Eigenverantwortung zu übernehmen und zu tragen, ist etwas, das mir nun in meiner Rolle beim HSV e.V. sehr weiterhilft.

Du hast deine aktive Karriere sehr intensiv ausgekostet, bist erst 2024 mit 38 Jahren zurückgetreten. Wann hast du dir erstmals Gedanken darüber gemacht, was nach dem Beachvolleyball kommen soll?

Laura: So richtig intensiv eigentlich erst nach dem Karriereende. Ich wusste zwar schon sehr früh, dass ich im Sport bleiben und viel mit Menschen arbeiten wollte. Aber wegen meiner zwei Söhne und der sportlichen Verpflichtungen fehlte es mir schlicht an Kapazitäten, mich darum zu kümmern, was danach kommen sollte. Ich habe ein Studium des Medien- und Kommunikationsmanagements angefangen, mich auch auf dem Gebiet der Ernährungswissenschaft weiterzubilden versucht, aber es nicht geschafft, etwas abzuschließen. Als es dann vorbei war mit dem aktiven Sport, wusste ich zwar, dass ich eine tolle Familie habe, auf die ich mich verlassen kann. Aber in der großen, weiten Welt anzukommen, das hat mich in den ersten Monaten erschlagen und emotional ziemlich mitgenommen.

Michaela, was hat dich dazu bewogen, eine Führungsposition im organisierten Sport zu übernehmen?

Michaela: Es war nicht so, dass ich einen fertigen Karriereplan im Sport hatte. Ich bin damals angesprochen worden und dann nach und nach in diesen Bereich hineingewachsen. In meiner ersten Führungsaufgabe am Zentrum für Hochschulsport an der Universität Hannover war ich die Jüngste. Mein damaliger Chef lag im Sterben, es war eine durchaus dramatische Situation. Er hat mir damals dazu geraten, mich auf seine Position zu bewerben. Ich wusste nicht, was auf mich zukommen würde, habe Pro und Contra abgewogen, die Chance dann aber bewusst ergriffen, weil ich gespürt habe, dass ich Spaß daran hatte, Dinge mitgestalten zu können. Ich habe mich auch ehrenamtlich engagiert, und ich merkte, auch durch die Unterstützung meines damaligen Chefs, dass als Frau im Sport viel möglich ist – wenn Leistung, Unterstützung und passende Strukturen zusammenkommen. Es ging mir darum, Gestaltungskraft zu entfalten und gute Ideen gemeinsam mit einem Team wirksam umzusetzen. Genau das treibt mich bis heute an. Und so bin ich nach und nach in dieses Berufsfeld hineingewachsen.

Laura: Ich bin tatsächlich auch angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könnte, die Position der Vizepräsidentin zu übernehmen. Ehrlich gesagt habe ich es anfangs nicht für möglich gehalten, dass ich eine solche Rolle ausfüllen könnte, ohne Erfahrung oder entsprechende Vorbildung. Ich kam aus einem Sport mit einem relativ klar umrissenen Vierjahreszyklus, in dem ich mich sicher fühlte. Deshalb habe ich mich gefragt: Wo soll ich denn bitte beim HSV anfangen? Aber in den Gesprächen mit dem Verein und meinem Team habe ich gespürt, dass es darum gehen sollte, Veränderung mitzugestalten und strategischen Weitblick einzubringen.

Warum war es eine Position im Präsidium eines großen Mehrspartenvereins, die dich besonders gereizt hat?

Laura: Weil mir nach den Gesprächen schnell klar war, dass meine Ideen und Erfahrungen für den Verein von Nutzen sein können. Das gesamte Team hat es mir sehr leicht gemacht, mich einzufinden. Ich gebe gern zu, dass ich anfangs total überfordert war von der Größe des Vereins und der Fülle der Aufgaben. Alles war Neuland für mich, auch die Geschwindigkeit, in der Entscheidungen notwendig sind, war gewöhnungsbedürftig. Aber mittlerweile fühle ich mich extrem wohl und habe das deutliche Gefühl, dass wir als Team sehr gut harmonieren und viel voneinander lernen. Jede Perspektive ist wichtig, alle werden ernst genommen und wertgeschätzt. Das gefällt mir!

Welche Schwierigkeiten hattet ihr beide für euren Einstieg als Frau in eine Führungsposition im Sport erwartet, und welche davon sind tatsächlich eingetreten?

Laura: Ich habe mir viele Gedanken gemacht, ob ich allen Herausforderungen gewachsen wäre, die auf mich warteten. Aber die großartige Zusammenarbeit im Team hat mir alle Sorgen schnell genommen. Ich habe gespürt: Es ist vollkommen okay und darf so sein, dass es Zeit braucht, in seine neuen Aufgaben hineinzuwachsen. Dazu bedarf es sicherlich einer Unternehmenskultur, die das toleriert, und die ist beim HSV zum Glück gegeben.

Michaela: Bei mir war der wichtigste Faktor, dass sich schnell herausgestellt hat, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Zu erleben, dass man nicht überall zu 100 Prozent im Thema sein kann, dass man nicht überall Fachfrau sein muss, hat mir beim Ankommen sehr geholfen. Führung heißt ja nicht, alles selbst zu wissen. Führung heißt, gute Fragen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen und die richtigen Menschen zusammenzubringen. Mein damaliger Chef und ich waren total unterschiedlich. Er war extrem strukturiert und diszipliniert, ich hatte großen Respekt vor dieser Aufgabe. Er aber hat mich bestärkt, indem er mir versichert hat, dass meine Stärken mich tragen würden.

Das Ziel für die Heim-EM: Taekwondo in Deutschland ins beste Licht rücken

Ob es die erfolgreichste Europameisterschaft der bisherigen Taekwondo-Geschichte werden wird, bleibt abzuwarten. Dass es die bislang größten kontinentalen Titelkämpfe in der aus Korea stammenden Kampfsportart werden, steht indes bereits fest. Teilnehmende aus 47 Nationen haben ihre Zusage gegeben, vom 11. bis 14. Mai im Münchner BMW-Park auf die Matte zu gehen. „Unser Sport wächst immer weiter, das ist sehr positiv. Und natürlich ist es für uns als Deutsche Taekwondo Union eine große Ehre, wieder ein solches Turnier in der Heimat ausrichten zu dürfen. Das wollen wir nutzen, um uns auf dieser Bühne zu präsentieren“, sagt Aziz Acharki. Die bislang letzte Heim-EM gab es vor 20 Jahren in Bonn, in München wurde zuletzt 1978 um Europas Krone gekämpft. 2003 war Garmisch-Partenkirchen letzter deutscher Ausrichter einer WM.

Aziz Acharki ist im deutschen Taekwondo eine Legende. Der Deutsch-Marokkaner, der in Bonn aufwuchs, holte sowohl als Sportler (1995) als auch als Trainer (2013) WM-Titel und vertrat die DTU ebenfalls in beiden Funktionen bei Olympischen Spielen; 2000 bei der Olympiapremiere seines Sports in Sydney (Australien), 2016 in Rio de Janeiro als Bundestrainer. Anschließend wechselte der 54-Jährige nach Dänemark, um dort die Taekwondo-Strukturen weiterzuentwickeln, ehe er im Oktober 2024 als Sportlicher Leiter Zweikampf zum deutschen Verband zurückkehrte. „Die DTU wollte ihre Strukturen erneuern und sich modern aufstellen, diese Herausforderung hat mich sehr gereizt“, sagt er.

Nachdem sich für die Olympischen Spiele 2024 in Paris lediglich Schwergewichtlerin Lorena Brandl (28) vom Verein Tiger and Dragon Altmannstein/Mindelstetten qualifizieren konnte, die letztlich im Kampf um Bronze der Koreanerin Lee Dabin unterlag, sah sich die DTU gezwungen, neue Wege zu gehen. „Wir haben neue Qualifikationskriterien aufgestellt und im Trainerbereich einige Änderungen vollzogen“, sagt Aziz Acharki, „besonders im Nachwuchs müssen wir die Förderung verbessern und individualisieren, um es unseren Athletinnen und Athleten leichter zu machen, sich voll auf ihren Sport konzentrieren zu können. Wir haben starken Nachwuchs, von dem wir einiges erwarten, aber es braucht auch Zeit und die dafür notwendige Geduld.“

Franziska Koch ist „Sportlerin des Monats“ April

Mit ihrem Triumph beim Radsport-Klassiker Paris-Roubaix hat Franziska Koch ein Stück Sportgeschichte geschrieben: In einem packenden Herzschlagfinale setzte sie sich gegen die internationale Konkurrenz durch und kürte sich als erste deutsche Frau zur Siegerin des Rennens. Für diese herausragende Leistung wählten die Sporthilfe-geförderten Athletinnen und Athleten die Radsportlerin mit 53,3 Prozent zur „Sportlerin des Monats“ April.

Hinter Franziska Koch sichert sich bei der Sporthilfe-Wahl zur Sportlerin bzw. Sportler des Monats Gewichtheberin Lisa Marie Schweizer (35,3%) Rang zwei. Die 28-Jährige überzeugte bei den Europameisterschaften in Georgien mit starken Leistungen: Mit persönlicher Bestleistung im Reißen sicherte sie sich den Titel und gewann zudem im Zweikampf die Bronzemedaille. Den dritten Platz bei der Wahl belegen die Trampolinturner Fabian Vogel und Matthias Schuldt (11,4%). Die beiden deutschen Synchron-Spezialisten feierten bei den Europameisterschaften im portugiesischen Portimão einen gelungenen Einstand als Duo und gewannen auf Anhieb die Silbermedaille.

Anders als bei Medien- oder Publikumswahlen entscheiden bei der Wahl zur Sportlerin bzw. zum Sportler des Monats ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathletinnen und -athleten. Dadurch erhält die Auszeichnung ihre besondere sportliche Wertigkeit. Zu Beginn eines jeden Monats stellt die Sporthilfe den rund 4.000 geförderten Athletinnen und Athleten Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl, die sich im Vormonat durch herausragende Leistungen empfohlen haben. Die Stimmabgabe erfolgt per Online-Voting. 

Für ihre herausragenden Leistungen waren die Athletinnen und Athleten von der Athletenkommission im DOSB, von SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert worden.

Deutsche Sporthilfe

Zwischen Konsole und Nationaltrikot: Wie der DFB den E-Sport vorantreibt

E-Sport ist längst mehr als nur ein Trend. Millionen Menschen in Deutschland spielen regelmäßig, verfolgen Turniere oder messen sich selbst online. Auch der Deutsche Fußball-Bund hat diese Entwicklung früh aufgegriffen und baut seit einigen Jahren gezielt Strukturen im digitalen Wettbewerb auf. Dabei geht es nicht nur um Titel und Turniere, sondern auch um die Frage, wie Gaming und Fußball zusammen gedacht werden können – von der Basis bis zur eNationalmannschaft.

Wie das konkret aussieht, wird im Gespräch mit zweien deutlich, die den DFB E-Sport aus nächster Nähe erleben: Leo Dietz (33), Teamlead eSports & Gaming, verantwortet die strategische Entwicklung des Bereichs und arbeitet daran, E-Sport und Gaming langfristig im Verband und den Vereinen zu verankern. David „Rezears“ Wünsch (22) steht selbst auf dem virtuellen Spielfeld. Als professioneller Rocket League Spieler vertritt er den DFB international und gehört zu den besten Spielern Deutschlands.

Im Interview sprechen beide darüber, wie der Alltag als Leistungssportler aussieht und welche Rolle der DFB in einem Umfeld spielt, das sich ständig weiterentwickelt. Und es geht auch um größere Zusammenhänge: die Bedeutung von Gaming für junge Zielgruppen, den Aufbau von Strukturen im E-Sport und die Frage, wohin sich das Ganze in den nächsten Jahren entwickeln könnte.

FAQ zur Gemeinnützigkeit des E-Sports

Durch die Anerkennung von E-Sport als gemeinnützigen Zweck können Vereine seit dem 1. Januar 2026 entsprechende steuerliche Vorteile nutzen und haben zudem bessere Chancen auf öffentliche Fördergelder. Ziel der Änderung ist es, klare rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, junge Menschen zu unterstützen und ehrenamtliches Engagement zu stärken.

Was ist E-Sport?

Unter E-Sport versteht man den organisierten Wettkampf mit Video- oder Computerspielen. Dieser findet auf einer digitalen Plattform, auf verschiedenen Geräten und unter festgelegten Regeln statt. Im Mittelpunkt steht dabei der Wettkampf mit anderen Spieler*innen. Dabei kommt es nicht nur auf Präzision und strategisches Denken an, sondern auch auf Teamfähigkeit und Disziplin.

Was bedeutet die Änderung für Vereine? Welche steuerlichen und organisatorischen Vorteile ergeben sich konkret durch die neue Regelung?

Durch die neue Regelung profitieren Vereine vor allem dadurch, dass sie Spendenbescheinigungen ausstellen, Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen auszahlen und so ihre Steuerlast reduzieren können. Außerdem ermöglicht die Anerkennung der Gemeinnützigkeit einen besseren Zugang zu Fördermitteln. Gleichzeitig entsteht Rechtssicherheit, da E-Sport-Angebote die Gemeinnützigkeit von Vereinen nicht mehr gefährden.

Welche Voraussetzungen müssen Vereine erfüllen, um E-Sport korrekt in ihre gemeinnützigen Zwecke zu integrieren?

Um ein E-Sport-Angebot im Verein anbieten zu können, muss zuerst sichergestellt werden, dass die Satzung den Zweck „Förderung des Sports“ beinhaltet und das zuständige Finanzamt E-Sport unter diesem Zweck einordnet. Sollte dies nicht der Fall sein, bedarf es einer Satzungsanpassung, zum Beispiel in die Zwecke „Förderung des Sports und des E-Sports“ oder „Förderung des Sports, einschließlich des E-Sports“.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Spieltitel, die im Verein als E-Sport angeboten werden, folgenden Kriterien entsprechen: Einhaltung des Jugendschutzes, USK‑Kennzeichnung sowie der Ausschluss von Glücksspiel und gewaltverherrlichenden Inhalten.

Sportartenprogramm für World Games 2029 in Karlsruhe steht fast komplett

Die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele fasziniert die Menschen in Deutschland, das zeigen bundesweite Umfragewerte genauso wie die Zustimmungszahlen, die die Bewerberregionen Kiel, KölnRheinRuhr und München bei ihren Bürgerbefragungen erzielen konnten. Auf den Genuss eines Multisportevents von Weltrang müssen die deutschen Sportfans allerdings nicht bis 2036, 2040 oder gar 2044 warten. Vom 19. bis 29. Juli 2029 werden in Karlsruhe rund 4000 Athlet*innen zu den World Games erwartet. Die Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten, die ebenfalls im Vierjahresrhythmus ausgetragen werden, sind nach 1989 (ebenfalls Karlsruhe) und 2005 (Duisburg) zum dritten Mal in Deutschland zu Gast. Und was es dort zu erleben geben wird, das hat am vergangenen Samstag erste Konturen erhalten. Auf seiner Generalversammlung in Lausanne (Schweiz) beschloss der World-Games-Dachverband IWGA das Sportartenprogramm für die 13. Ausgabe seiner Weltspiele.

Große Überraschungen blieben dabei aus. Unter den 31 bislang festgelegten Sportarten, zu denen in der zweiten Jahreshälfte noch drei bis fünf Einladungssportarten kommen werden, die der Gastgeber vorschlagen darf, finden sich fast alle wieder, die auch im August vergangenen Jahres in Chengdu auf dem Programm standen. Dort hatte das Team D hinter Gastgeber China Rang zwei in der Medaillenwertung belegt. Lediglich Powerboating ist komplett gestrichen. Die aus Russland stammende Kampfsportart Sambo steht wegen aktenkundiger Dopingvergehen in China auf einer Longlist mit Sportarten, die noch in Erwägung gezogen werden, dazu zählen auch Baseball/Softball, Bowling und Racquetball. Wieder dabei ist die japanische Traditionssportart Sumo, die in China aus dem Programm gestrichen worden war. Auch Squash, Lacrosse und Flag Football, allesamt 2028 in Los Angeles auf dem olympischen Programm zu finden, sind weiterhin dabei. Die komplette Liste ist hier einsehbar.

„Die Diskussion um E-Sport und Sport hat sich mit unserer Generation erledigt“

E-Sport und Gaming haben sich innerhalb weniger Jahrzehnte von einfachen Bildschirmspielen wie „Pong“ und „Space Invaders“ zu einem prägenden Bestandteil von Kultur, Wirtschaft und gesellschaftlichem Alltag entwickelt. Was mit frühen Erfahrungen an Konsolen und Heimcomputern begann, ist heute ein globales Phänomen mit Millionen von Spielerinnen und Spielern, eigenen Wettbewerbsstrukturen und wachsender politischer Aufmerksamkeit. Lange Zeit wurde dieser Bereich unterschätzt und kritisch begutachtet , geprägt von Vorurteilen, kulturellen Abgrenzungen und Debatten über Wirkung und Einfluss digitaler Spiele.

Inzwischen hat sich die Perspektive deutlich verschoben. Gaming gilt als bedeutender Kultursektor, E-Sport etabliert sich zunehmend im organisierten Wettbewerb und auch Institutionen aus Politik, Kultur und Sport setzen sich intensiver mit dem Thema auseinander. Vor diesem Hintergrund sprechen der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke und der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats Olaf Zimmermann über ihre persönlichen Zugänge zu E-Sport, die gesellschaftliche Entwicklung von Gaming sowie über Chancen, Konfliktlinien und zukünftige Aufgaben für Kultur, Sport und Politik.

Raphael Kandra kämpft für die Realisierung seines Kindheitstraums

Er hat die olympische Bühne noch nie bespielen dürfen. Aber die Kraft, die von den fünf Ringen ausgeht, die spürt Raphael Kandra an jedem Arbeitstag. Seit im Herbst 2023 seine Sportart Squash ins Programm der Sommerspiele 2028 in Los Angeles aufgenommen wurde, dreht sich in dem Mitte des 19. Jahrhunderts in England entstandenen Rückschlagsport auf Hochleistungsebene fast alles darum, die Qualifikation für die Olympiapremiere zu schaffen. „Es ist unübersehbar, wie krass der Fokus weltweit auf Los Angeles liegt“, sagt der 35-Jährige, der sich dem Reiz der ersten Teilnahme auch nicht entziehen kann. „Vor drei Jahren hatte ich das Ende meiner Karriere früher kommen sehen. Mit der Möglichkeit, doch noch Olympische Spiele als Athlet erleben zu können, hatte ich niemals gerechnet. Aber mit der Aussicht auf ein Ticket für Los Angeles gebe ich natürlich noch einmal alles, um das zu erleben“, sagt er.

Und das ist gut so, denn zum Aufhören ist der gebürtige Fürther noch viel zu gut. Auf Rang 39 ist Raphael, der 2019 als erster Deutscher den EM-Titel gewinnen konnte, der einzige Team-D-Athlet in den Top 100 der Weltrangliste. Bei der Team-EM, die von diesem Mittwoch bis Samstag in Amsterdam (Niederlande) ansteht, führt er die deutschen Männer an. Eine Woche darauf reist er als einziger deutscher Starter zur Einzel-WM nach Gizeh (Ägypten), für das 64er-Feld hat er einen der 48 direkten Startplätze dank seiner Weltranglistenposition sicher. Ihn als Aushängeschild des Deutschen Squash-Verbands (DSQV) zu bezeichnen, wäre fast schon untertrieben.

Und dennoch ist der Weg nach Kalifornien ein extrem steiniger. Für die Einzelwettkämpfe sind pro Geschlecht nur 16 Teilnehmende zugelassen, eine Doppelkonkurrenz gibt es nicht. „Uns bricht es das Herz, wenigstens 32 hätten wir uns schon gewünscht, damit möglichst viele Athletinnen und Athleten diese Premiere erleben könnten“, sagt er. Da pro Nation nur maximal zwei Starter*innen pro Geschlecht gestattet sind, stehen die Chancen zwar deutlich besser, als wenn aus führenden Ländern wie Ägypten unbegrenzt Teilnehmende erlaubt wären. Der komplizierte Qualifikationsmodus allerdings erschwert die Lage dahingehend, dass lediglich die Top acht der Weltrangliste zum Stand im Mai 2028 direkt qualifiziert sind. Dazu kommen eine Wildcard für Gastgeber USA, die Sieger von fünf kontinentalen Meisterschaften, die in Europa 2027 im Rahmen der European Games in Istanbul (Türkei) ausgespielt wird und für die maximal zwei Aktive pro Nation und Geschlecht zugelassen sind, sowie die Sieger eines letzten Qualifikationsturniers und jeweils eine Person aus einer „kleinen Nation“, sofern diese zum Bewertungszeitpunkt unter den besten 50 der Welt stehen.

Als 16-Jährigem war ihm klar, dass er in die Bundesliga wollte

„Mir ist schon klar, dass es für mich in der Weltrangliste noch ein paar Positionen nach oben gehen sollte, damit der DOSB mich auch nominiert. Ich weiß, dass auf meine Ergebnisse sehr geachtet wird“, sagt Raphael. Zusätzlichen Druck will er sich davon jedoch nicht machen lassen. „Ich glaube, dass es machbar ist, aber es muss alles zusammenpassen. Wenn es am Ende nicht reicht, muss ich das hinnehmen, solange ich alles gegeben habe. Aber meine Motivation ist riesig!“ Was auch darin begründet liegt, dass der 16-fache Weltranglisten-Turniersieger weiterhin extrem viel Freude an seinem Sport hat, der schon im Kleinkindalter zu seinem Leben gehörte. „Meine Eltern hatten in Forchheim eine Squashanlage gepachtet, ich war sehr oft mit ihnen dort und musste mich selbst beschäftigen. Nach ein paar Jahren habe ich gemerkt, dass ich auf einem guten Niveau spielte, und habe dann festgestellt, wie viel Spaß es macht, im Sport erfolgreich zu sein“, erinnert er sich.

Wer erfolgreich sein will, braucht Zielstrebigkeit. Raphael Kandra entschied sich als Jugendlicher gegen eine Laufbahn im Fußball und für Squash, als 16-Jähriger war ihm klar: „Ich will in die Bundesliga und in die Sportfördergruppe der Bundeswehr!“ Zunächst jedoch stand, weil in einem Randsport wie dem Squash kein finanzielles Polster lockt, die berufliche Ausbildung im Vordergrund. Nach dem Realschulabschluss absolvierte der 1,82 Meter große Athlet eine Ausbildung zum Werkstoffprüfer in der Fachrichtung Metalltechnik, die direkt nach dem Schulende startete. Ebenfalls nur einen Tag nach der bestandenen Ausbildung startete er seinen Grundwehrdienst, an dessen Ende die Aufnahme in die Sportfördergruppe stand. „Und dort bin ich seitdem, und ich bin extrem dankbar dafür, dass mir die Bundeswehr die Sicherheit gibt, mich voll auf den Sport konzentrieren zu können“, sagt er.

„Ein Trikot schafft Aufmerksamkeit und ist sofort Gesprächsthema“

Das Schöne an Teams-Calls ist, dass man bisweilen Einblicke bekommt, die bei einem Meeting im Büro oder Konferenzraum verborgen bleiben würden. Jürgen Rank ist im Homeoffice, als das Gespräch mit dem DOSB ansteht, aber man würde eher vermuten, dass er in einem Sportmuseum sitzt. Hinter dem Bayreuther, der seit 2004 für den Branchenführer adidas Fußballtrikots entwirft und mittlerweile das internationale Team als Senior Design Director leitet, hängen gerahmte Fotos von Sportartikeln ebenso wie eine Auswahl an Trikots, die er im Lauf der Jahre mitentwickelt hat. „Ich fühle mich in diesem Raum sehr wohl und vergesse manchmal, dass ich im Homeoffice bin“, sagt der 55-Jährige, ehe er sich den Fragen stellt.

DOSB: Jürgen, du beschäftigst dich schon einen Großteil deines Lebens und seit 22 Jahren auch hauptberuflich mit Trikots. Wie geläufig ist dir das Format Trikottag?

Jürgen Rank: Da muss ich ehrlich sein: Bevor ich für dieses Interview angefragt wurde, war mir der Trikottag nicht bekannt. Jetzt weiß ich, worum es geht, und finde es eine richtig gute Aktion, weil es wichtig ist, die Arbeit zu würdigen, die in den vielen Sportvereinen geleistet wird.

Trikots sind ein wichtiger Faktor, um visuell ein Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl auszudrücken, ob man Fan ist oder Vereinsmitglied. Welche Bedeutung aber hat ein Trikot für jemanden wie dich, der beruflich damit zu tun hat?

Keine grundlegend andere. Die Identifikation mit einer Gruppe spielt die Hauptrolle. Indem ich ein Trikot bewusst anziehe, will ich damit auch eine Botschaft senden: Dass ich dazugehöre, mich mit dem Verein oder dem Verband identifiziere, dessen Farben ich trage. Wer zum Beispiel im Ausland das Trikot der DFB-Nationalteams trägt, macht damit deutlich: Ich unterstütze den deutschen Fußball. Das Schöne ist, dass man in der Öffentlichkeit viel häufiger angesprochen wird, wenn man ein Trikot trägt, als wenn es ein Shirt oder ein Hoodie ist. Ein Trikot schafft Aufmerksamkeit. Wo auch immer man auf der Welt unterwegs ist, gibt es sofort ein Gesprächsthema. Da bin ich immer wieder überrascht, welche Kraft so ein Stück Stoff haben kann.

Ist Trikotdesigner*in ein Lehrberuf, oder wie wird man das überhaupt?

Da gibt es viele verschiedene Wege. Meiner zum Beispiel war sehr kurvenreich. Ich habe nach dem Hauptschulabschluss zunächst eine Lehre als Dienstleistungsfachkraft im Postbetrieb gemacht. Da war ich 15 Jahre alt und merkte zum Glück schnell, dass das nicht das war, was ich wirklich wollte. Ich habe schon immer gern gezeichnet und habe gespürt, dass ich meine kreative Ader ausleben wollte. Also habe ich die Mittlere Reife nachgeholt, Zivildienst gemacht und in der Zeit viel gezeichnet und zum Beispiel Tattoos entworfen. Mit der Mappe, die über die Jahre entstanden ist, habe ich mich beworben, um in London Kunst und Design zu studieren. Nach der Rückkehr nach Deutschland habe ich in einer Skate-Company gearbeitet. Ich war seit der Kindheit Fußballfan, habe immer Trikots getragen und mir deshalb in den Kopf gesetzt, unbedingt als Designer zu adidas zu wollen. 2004 habe ich mich beworben, es hat zum Glück funktioniert, seitdem mache ich meinen Traumjob. Man kann natürlich auch einfach Modedesign studieren und sich auf Trikots spezialisieren. Aber ich achte bei Neueinstellungen für unser Team nicht in erster Linie darauf, wo oder was jemand studiert hat. Für mich zählt, dass die Menschen Leidenschaft für Fußball und Design mitbringen, denn das ist der entscheidende Faktor dafür, ob etwas gut oder exzellent wird.

In einem Gespräch mit „11 Freunde“ hast du mal gesagt, dass man ein gutes Trikot auch auf einer Hochzeit tragen könne. Was macht heute ein gutes Trikot aus? Das Material, das Design, die Passform?

Oh, darauf könnte ich stundenlang antworten! Aber ich versuche es mal kurz und prägnant: Ein gutes Design, das bei Fans ankommt, sorgt für Aufmerksamkeit und funktioniert auf den ersten Blick, trotzdem sieht es anders aus als das, was man gewohnt ist. Mein Antrieb ist, Neues zu schaffen und gleichzeitig die DNA des jeweiligen Vereins oder Verbands zu bewahren. Ich finde es sehr wichtig, dass ein Trikot eine Geschichte erzählt, über die es eine Tiefe bekommt und Impulse setzt. Dass Material und Passform den höchsten Ansprüchen der Kundschaft genügen, ist selbstverständlich Voraussetzung.

Welchen Stellenwert hat das Design heute gegenüber der Funktionalität, und wie hat sich dieser über die vergangenen Jahre oder Jahrzehnte verändert?

Von unserem Firmengründer Adi Dassler haben wir in die Wiege gelegt bekommen, dass Funktionalität einen extrem hohen Stellenwert haben muss. Er war ein Pionier auf diesem Gebiet, hat sich sehr viel mit den Bedürfnissen der Athleten beschäftigt und die Produkte danach weiterentwickelt. 1973 hat adidas, damals in Kooperation mit erima, mit der Entwicklung eigener Trikots begonnen. Zur WM 1986 kam erstmals die Climalite-Technologie zum Einsatz, außerdem haben wir damals die Farben unserer Landesflagge in das Nationaltrikot aufgenommen, nachdem es bis dahin nur schwarz und weiß beinhaltet hatte. In meinen Augen war das der Startpunkt dafür, dass Funktionalität und Design wichtige Rollen einnahmen. Über die Zeit kamen immer wieder neue Materialien auf den Markt, die neue Drucke und Grafiken ermöglichten. 2010 haben wir erstmals mit eng anliegender Oberbekleidung experimentiert, was durch Spieler wie Lukas Podolski oder Arjen Robben große Außenwirkung erzielte. Ich glaube, die Kombination aus Funktionalität und Design ist die entscheidende Komponente, die dem Trikot zum Durchbruch als Massenprodukt verholfen hat.

Insbesondere Fußballtrikots werden von Fans in hohen Stückzahlen gekauft. Inwieweit beeinflusst es deine Arbeit, dass diese Trikots einer breiten Masse gefallen müssen?

Kaum. Wir haben seit vielen Jahren Research-Teams, die ganz genau die Trends untersuchen. Unser Anspruch als Marktführer ist, dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus zu sein, um mit unseren neuen Kreationen einen Nerv zu treffen. Natürlich wollen wir mit unseren Produkten auch dem Sport und den Athletinnen und Athleten helfen, damit sie sich weiterentwickeln können. Und wenn diese Punkte erfüllt sind, kommt der kommerzielle Erfolg als Begleiteffekt.

Du bist speziell für Fußballtrikots zuständig. Worin unterscheiden sich Trikots in den verschiedenen Sportarten?

Vor allem in der Funktionalität. Zu Beginn meiner adidas-Zeit war ich auch für Rugby zuständig. Da braucht es Trikots, die einer viel höheren Belastung in Zweikämpfen widerstehen, die also deutlich reißfester sein müssen. Aber wir haben auch im Fußball schon teils deutliche Unterschiede, zum Beispiel im Vergleich zwischen Torwarttrikots und denen der Feldspieler. Die Torhüter haben einen ganz anderen Bewegungsablauf, sie springen oft und heben die Arme über den Kopf. Das heißt, sie brauchen längere Trikots, die flexibler sind. Dafür haben sie zum Beispiel elastische Einsätze unter den Armen. Auch im Design kann es zwischen den Sportarten natürlich Unterschiede geben, aber Neuentwicklungen wie zum Beispiel 2006 mit dem legendären „Teamgeist“-Muster übertragen sich auf viele Sportarten gleichermaßen. Und das, was alle Produkte eint, sind die drei Streifen, die es aber in verschiedensten Ausprägungen gibt.

Und worin unterscheiden sich Trikots für Männer und Frauen?

In erster Linie ebenfalls in der Funktionalität. Frauen- und Männerkörper haben unterschiedliche Bedürfnisse, auf die wir uns beim Schnitt und beim Material einstellen. Die Produkte werden selbstverständlich auch separat getestet. Beim Design ist es unterschiedlich. Manche Frauenteams möchten bewusst das Design, das die Männer haben, andere wiederum bestehen eher darauf, sich mit etwas Eigenem abzuheben. Wir versuchen, jedem Anspruch gerecht zu werden.

Erfolgreiche Integration braucht verlässliche Förderung

Der Austausch begann mit einer klaren Botschaft: Wenn Sport seine integrative Kraft entfalten soll, braucht es mehr als Engagement – es braucht verlässliche Förderung. Darüber diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung und Praxis beim parlamentarischen Frühstück des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ (IdS) im Berliner Paul-Löbe-Haus.

Rund 30 Teilnehmende, darunter Abgeordnete des Bundestags und ihre Mitarbeiter*innen sowie Vertreter*innen des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), folgten der Einladung von DOSB und Schirmherrin Aydan Özoğuz, MdB (SPD).

Integration braucht verlässliche Förderung

Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, wie die erfolgreiche Integrationsarbeit im Bundesprogramm langfristig gesichert werden kann – insbesondere mit Blick auf die kommende Förderperiode ab 2027. IdS-geförderte Vereine leisten einen zentralen Beitrag, stoßen jedoch ohne verlässliche Unterstützung an ihre Grenzen. Die Stärke des Bundesprogramms liegt in der Verbindung aus bundesweitem Rahmen und regionaler Verankerung über die Landessportbünde. So entsteht ein tragfähiges System, das Vereine in der Breite erreicht und unterstützt. Eine Kürzung der Mittel würde besonders dort spürbar werden, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird – etwa in sozial belasteten Quartieren und strukturschwachen Regionen. 

Mit Leidenschaft und Herz für die Sportgemeinschaft engagiert

Alexander Otto ist ein Mensch, der gern Großes bewegt. Als CEO der ECE Group, die als Traditionsunternehmen seit mehr als 60 Jahren gewerbliche Großimmobilien entwickelt und rund 200 Einkaufszentren betreibt, hat der 58 Jahre alte Hamburger in dieser Branche Maßstäbe gesetzt. Im Sport hat er mit der Gründung der Alexander Otto Sportstiftung, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, eine Institution geschaffen, die seit 2006 mehr als 500 Projekte mit einem Fördervolumen von knapp 40 Millionen Euro unterstützt hat. Und weil es ihm viel bedeutet, seine Expertise dort einzubringen, wo sie am meisten benötigt wird, ist Alexander Otto seit fast vier Jahren auch als Persönliches Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) engagiert.

Auf die Frage, was ihn antreibt, im Sport an so vielen Stellschrauben zu drehen, verweist er auf seine persönlichen Erfahrungen. „Ich habe seit der Jugend sehr intensiv Sport betrieben. Ich habe Tennis und Fußball gespielt, bin leidenschaftlich Skirennen gefahren und spiele aktuell für die Seniorenmannschaft des Klipper THC Tennis. Sport führt Menschen zusammen, kann wahnsinnig viel bewegen, viele Hürden überwinden und ist für viele Probleme der heutigen Zeit die Lösung“, sagt er. Deshalb habe er auch nicht lange überlegen müssen, als die Anfrage des DOSB kam, ob er sich ein Engagement im Beratungsgremium der Persönlichen Mitglieder vorstellen könne. „Ich hatte mit dem DOSB und auch der DSM seit Jahren einen engen Draht, nachdem ich mich 2015 sehr intensiv für die Hamburger Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele engagiert hatte. Ich kannte also die Institution DOSB und hatte eine Vorstellung davon, worum es gehen würde“, sagt er.

Alexander Otto liebt Begegnungen mit Ehrenamtlichen

Mit seiner Stiftung setzt sich der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende des Hamburger SV in erster Linie dafür ein, Leistungs- und Breitensport miteinander zu verbinden. „Das Prinzip, dass es ohne Breite keine Spitze, aber ohne Spitze auch keine Breite geben kann, habe ich verinnerlicht. Ich bin ein Befürworter des Leistungsprinzips, schätze aber am Sport auch, dass man lernt, mit Niederlagen umzugehen. Ich fühle die Begeisterung für beide Bereiche gleichermaßen und finde es sehr spannend zu sehen, wie sie einander befruchten“, sagt er. Eins der ersten und signifikantesten Projekte der Stiftung war der Bau und der Betrieb einer Sporthalle, die 2008 neben der Mehrzweckarena im Hamburger Volkspark eröffnet wurde. Zunächst diente sie den Profiteams der Hamburg Freezers (Eishockey) und des HSV Hamburg (Handball) als Trainingsstätte, 2024 wurde sie an den gemeinnützigen HSV e.V. übertragen, der sie nun für seine vielfältigen Breitensportabteilungen nutzt – unter anderem für das inklusive Basketballteam der BG Baskets.

Ein tragfähiges Netzwerk zu knüpfen, das in alle Bereiche des Sports ausstrahlt – darin sieht Alexander Otto eine seiner wichtigsten Fähigkeiten. Er selbst bleibt dabei gern im Hintergrund; öffentliche Auftritte wie im Rahmen des Umbaus des Tennisstadions am Hamburger Rothenbaum während der Corona-Pandemie, den er privat und mit seiner Stiftung mit rund acht Millionen Euro unterstützte, sind für ihn nachrangig. Was er dagegen liebt, sind die vielen Begegnungen mit Ehrenamtlichen, die ihm immer wieder Ideenfutter liefern. „Sie sind die Basis für den organisierten Sport in Deutschland und ein gesellschaftlicher Schatz, den wir niemals geringschätzen dürfen“, sagt er. Über den nach seinem Vater benannten Werner-Otto-Preis, der jährlich an verschiedene Projekte im Inklusionssport vergeben wird, ist er ebenso engagiert wie bei den Zukunftsthemen Digitalisierung und Female Empowerment, für die die Stiftung ebenfalls vermehrt Fördermittel bereitstellt.