Neuigkeiten von Sportdeutschland
München stimmt für Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele
Die Bürger*innen der Landeshauptstadt Bayern haben entschieden: Mit 66,4 % hat sich die Mehrheit beim Bürgerentscheid für eine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele ausgesprochen. Das entspricht 305.201 Ja-Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 42 Prozent - so hoch wie bei keinem anderen Referendum in München zuvor. Das ist zum einen Ausdruck eines hohen demokratischen Verständnisses der Wähler*innen und zum anderen von einem gestiegenen Interesse der Menschen an den Spielen.
Ein starkes Signal für Sportdeutschland und die olympische Bewegung in Deutschland
Im Verbund mit dem Bayerischen Landessportverband (BLSV) und der Landeshauptstadt München ist es in den vergangenen Wochen vor dem Referendum gelungen, die Befürworter*innen zur Stimmabgabe per Briefwahl und an der Urne zu bewegen. „Im Namen von Sportdeutschland gratuliere ich der Stadt München, dem Freistaat Bayern sowie dem Bayerischen Landes-Sportverband und seinem Präsidenten Jörg Ammon zu diesem Wahlerfolg. Es war beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement und welcher Überzeugungskraft alle Beteiligten in den vergangenen Monaten daran gearbeitet haben, die Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt vom gesamtgesellschaftlichen Mehrwert der Olympischen und Paralympischen Spiele zu überzeugen“, sagt DOSB-Präsident Thomas Weikert.
Es ist das erste positive Referendum für Olympische Spiele im Sommer in Deutschland, das ein starkes Zeichen für die gestiegene gesellschaftliche Bedeutung und Anerkennung des Sports sowie die olympische Bewegung in Deutschland setzt. Weikert betont, dass die Münchner*innen in herausfordernden Zeiten erkannt haben, „dass Olympische und Paralympische Spiele ein Katalysator für viele längst geplante Projekte in ihrer Stadt sein können“. Das Ergebnis sei ein Ansporn, die Bewerbung auf Bundesebene weiter entschlossen voranzutreiben.
Der harte Kampf um den großen Traum
Die Frage nach dem Warum hat sie sich gar nicht erst gestellt. „Ich bin ein positiv denkender Mensch und würde mich als mental starke Person einschätzen. Natürlich ist es grundsätzlich blöd, dass es passiert ist, aber ich habe es akzeptiert und die Herausforderung angenommen. Es ist eine Planänderung, die nehmen wir jetzt eben mit“, sagt Ramona Hofmeister, und wie sie es sagt, klingt es weder besonders trotzig noch betont lässig, als müsse sie sich selbst erst davon überzeugen. Es klingt genauso, wie es gemeint ist: Als Beschreibung einer Situation, die sie sich nicht ausgesucht hat, aber unter Kontrolle behalten kann. Und das ist bemerkenswert, schließlich droht gerade der Verlust des Ziels, auf das sie in den vergangenen Jahren hingearbeitet hat.
Es war Freitag, der 19. September, als Deutschlands beste Race-Snowboarderin im Training in Zermatt (Schweiz) stürzte. Ein Sturz sei das gewesen, wie er jedem Snowboarder hunderte Male passiere, analysierte Bundestrainer Paul Marks hinterher. Ramona Hofmeister erinnert sich daran, dass sie weggerutscht ist. „Das Board hat sich gelöst, dann habe ich von unten einen Schlag bekommen, der mir den gesamten rechten Knöchel zusammengestaucht hat.“ Auf der Abfahrt in der Gondel untersuchte eine Physiotherapeutin den Fuß, „da hatten wir noch Hoffnung, dass es nur eine Bänderverletzung ist.“ Noch am selben Tag wurde die 29-Jährige in ihre Heimat Bad Reichenhall transportiert, das Warten am Wochenende war eine Qual, dann gab am Montag die MRT-Untersuchung Aufschluss: Fraktur des Sprunggelenks, nicht konservativ zu behandeln, eine Operation war notwendig.
Seit Anfang Oktober ist sie in der Reha bei Marcus Hirschbiel
„Natürlich war das im ersten Moment ein Schock für das gesamte Team“, sagt Andreas Scheid, Sportdirektor beim Dachverband Snowboard Germany, „die Ramona ist sicherlich eine unserer größten Medaillenhoffnungen.“ Nun allerdings ist völlig unklar, ob die Titelkandidatin vom WSV Bischofswiesen in circa 100 Tagen, wenn am 6. Februar 2026 die Olympischen Spiele in Italien eröffnet werden, im Teamhotel in Livigno dabei sein kann. Andreas Scheid nutzt allerdings vollkommen bewusst die Gegenwartsform - und ist damit im Einklang mit seinem Präsidenten. „Wenn es eine schafft, von so einer Verletzung rechtzeitig zurückzukommen, dann ist es die Ramona“, sagt er.
Ramona Hofmeister freut sich über derlei Wertschätzung. Dass sie kämpfen kann, hat sie schon oft bewiesen. Die vielen Genesungswünsche aus dem Team, die regelmäßigen Krankenbesuche, die Unterstützung aus dem Verband beim schnellen Rücktransport und in der Rehabilitation, die sie in Schönau am Königssee bei ihrem Athletiktrainer Marcus Hirschbiel Anfang Oktober gestartet hat: All das unterstreicht den Wert, den die Athlet*innensprecherin für die gesamte Snowboard-Germany-Mannschaft besitzt. Auch die liebevolle Umsorgung durch ihren Freund, ihre Eltern und Geschwister, die zum Beispiel den Fahrdienst übernehmen, weil sie nicht Autofahren darf, weiß sie zutiefst zu schätzen. Unangenehm ist ihr das alles dennoch. „Ich mag es gar nicht, anderen zur Last zu fallen. Ich gebe lieber, als dass ich nehme“, sagt sie.
Das Bewusstsein dafür, nun jedoch mal nicht alles geben zu können, sondern Hilfe annehmen zu müssen, hat die Polizeibeamtin, die 2018 ihre Ausbildung zur Polizeimeisterin abgeschlossen hatte und seit Februar dieses Jahres Hauptmeisterin ist, mittlerweile aber entwickelt. „Ich habe mir bewusst keine Prognose von den Ärzten geben lassen. Ich bin ein ungeduldiger Mensch und möchte mich nicht unnötig stressen, wenn die Heilung länger dauern sollte als angenommen“, sagt sie. Den Fuß werde sie länger brauchen als nur bis zum Ende ihrer aktiven Karriere, „also werde ich alles dafür tun, dass er wieder vollständig gesund wird, bevor ich ein unkalkulierbares Risiko eingehe. Ich höre in mich hinein, wie er auf Belastungen reagiert, und dann werden wir sehen, ob es reicht.“
Vereint für die Olympiabewerbung
Eine Woche vor dem Bürgerentscheid am 26. Oktober in der bayerischen Landeshauptstadt haben Münchens Sportvereine von der Breite bis in die Spitze ihre Unterstützung signalisiert und gezeigt, dass der organisierte Sport hinter der Olympiabewerbung steht.
Beim gemeinsamen Aktionswochenende, initiiert vom Bayerischen Landessportverband (BLSV) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und unterstützt durch die Landeshauptstadt München, war in vielen Vereinen die Botschaft „Vereint für München“ sichtbar.
Sowohl Breitensport-, also auch Amateur- und Profivereine beteiligen sich bis einschließlich Dienstag (21. Oktober) am Aktionsspieltag und zeigen bei ihren Spielen, Turnieren und Wettkämpfen ihre Unterstützung für die Bewerbung. Die Bandbreite reicht vom Handball, über Fußball, Judo, Turnen, Volleyball, Basketball bis hin zu Wintersportarten wie Eishockey und Biathlon.
„Hinfallen und wieder aufstehen, das gehört zum Leistungssport wie zum Leben“
Wuppertal ist der Ort, dem die besondere Ehre zuteilwird, den letzten Kampf von Anna-Maria Wagner zu erleben. Mit der TSG Backnang tritt die 29-Jährige, die in der Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm 2021 in Budapest und 2024 in Abu Dhabi Judo-Weltmeisterin war, am 26. Oktober in der Unihalle Wuppertal zum Final-Four-Turnier um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft an. „Im Idealfall sind es noch vier Kämpfe, die ich natürlich alle gewinnen möchte“, sagt die zweifache Bronzemedaillengewinnerin (Einzel und Mixed-Team) der Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Im Halbfinale wartet TSV Hertha Walheim, das zweite Semifinale bestreiten JC 66 Bottrop und JSV Speyer. Das Finale findet am selben Tag statt. Wie sie sich auf ihren Abschied vorbereitet hat und wie sie die Höhen und Tiefen ihrer eindrucksvollen Karriere einordnet, darüber spricht die in Weingarten geborene Spitzenathletin im DOSB-Abschiedsinterview.
DOSB: Anna-Maria, du hast dein Karriereende bereits im Frühjahr bekannt gegeben. War das im Rückblick die richtige Entscheidung, weil du dich so besser vorbereiten konntest, oder hat es dich angestrengt, so viel über das Thema reden zu müssen?
Anna-Maria Wagner: Für mich kann ich als Fazit ziehen, dass es gut war, dass ich ausreichend Zeit hatte, mich zu verabschieden, und dass nicht alles auf einen Schlag geballt kommt. Es gab für mich allerdings auch keine Alternative zu der Entscheidung, denn ich kann solche persönlich sehr einschneidenden Dinge nicht für mich behalten. In dem Moment, in dem ich gespürt habe, dass das Thema Abschied immer größer für mich wurde, wollte ich mit offenen Karten spielen und es kommunizieren.
Wie hast du denn die vergangenen Monate erlebt? Verändert sich etwas am Mindset als Athletin, wenn man weiß, dass es die letzten Karrieremonate sind?
Spätestens seit der Militär-WM Ende Juni in Warendorf, wo ich in meinem letzten internationalen Wettkampf noch einmal Gold gewinnen konnte, genieße ich es sehr, dass es nun dem Ende zugeht. Ganz besonders spüre ich das im Training. Jahrelang hatte ich das Privileg, dass mir als Kaderathletin Trainingspartnerinnen zur Verfügung standen, um mich perfekt vorbereiten zu können. Jetzt hat es einen Rollentausch gegeben, ich übernehme immer häufiger die Rolle der Partnerin, und ich empfinde das als eine sehr gute Gelegenheit, schon jetzt ein wenig von dem zurückgeben zu können, was ich bekommen habe.
Noch ist es sportlich allerdings nicht ganz vorbei, du hast am kommenden Sonntag noch das DM-Finale mit deinem Verein vor dir. Hast du schon Bilder im Kopf, wie du dir diesen letzten Kampftag vorstellst?
Natürlich wünsche ich mir, dass ich all meine Kämpfe gewinne und maximal zum Teamerfolg beitragen kann. Ich hoffe aber vor allem, dass ich den letzten Kampftag genießen kann. Ich habe mich mit anderen Sportlerinnen und Sportlern ausgetauscht, die ihre Karrieren beendet haben, und die haben mir dazu geraten, das Ganze bestmöglich zu genießen. Deshalb versuche ich mit einer gewissen Lockerheit daranzugehen. Ansonsten habe ich aber nichts geplant. Ich gehe davon aus, dass ich vom Verband verabschiedet werde, und ich werde mich auch darauf vorbereiten, ein paar Worte zu sagen. Alles Weitere lasse ich auf mich zukommen.
Für viele Athlet*innen, die ihre Karriere beenden, ist die größte Hürde der Fakt, dass plötzlich der Lebensinhalt fehlt, über den man sich am stärksten definiert hat. Diesen Prozess hast du nach den Olympischen Spielen 2021, als du im Zuge deiner post-olympischen Depression viel über dieses Thema nachgedacht hast, schon einmal durchlaufen. Hast du dadurch jetzt weniger Sorge vor dem berüchtigten schwarzen Loch?
Tatsächlich habe ich davor gar keine Angst, und das hängt bestimmt auch damit zusammen, dass ich diese Themen vor ein paar Jahren schon ausführlich in meinen Gedanken bewegt habe. Ich weiß, dass ich nicht nur die Anna-Maria bin, die eine gute Leistungssportlerin ist, sondern auch abseits der Matte ein wertvoller Mensch sein kann. Mein Karriereende wird kein extremer Cut sein, ich habe mich Stück für Stück daran gewöhnen können, dass sich das Kapitel Leistungssport dem Ende zuneigt. Das war eine gute Vorbereitung und hilft mir extrem, gut damit umzugehen.
Glaubst du, dass es im Kampfsport noch einmal schwieriger ist, den Sport aufzugeben, weil es kaum möglich ist, das Element des Kampfes Frau gegen Frau durch etwas anderes zu ersetzen? Wettkampf ist auch auf anderer Ebene möglich, aber ein Kampf im Wortsinn nicht.
Das stimmt, dennoch glaube ich nicht, dass ich das Kämpfen vermissen werde. Ich habe mein gesamtes Leben dem Judo gewidmet, ich habe es geliebt und würde es immer wieder so machen. Aber jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich merke, dass es reicht und andere Dinge für mich wichtiger werden. Die Wettkämpferin in mir werde ich allerdings nicht hinter mir lassen. Diesen Ehrgeiz, in allem, was ich tue, sehr gut und möglichst die Beste sein zu wollen, bekommt man nicht mehr aus mir heraus. Und ich glaube auch, dass es mir guttut, Ziele zu haben und dafür zu kämpfen. Ich schließe auch nicht aus, dass ich wieder in einen Verein gehe und vielleicht eine andere Sportart ausprobiere. Aber zunächst geht meine gesamte Energie künftig in mein Studium und den Sprung ins Berufsleben. Ich studiere BWL und Hotelmanagement und möchte in dieser Richtung auch künftig hauptberuflich tätig sein. Mein nächster Kampf ist also gewissermaßen ich gegen die Uni…
Woran hast du gemerkt, dass es Zeit ist, die Karriere zu beenden?
Daran, dass ich nicht mehr bereit bin, dauerhaft über die Komfortzone hinaus zu trainieren, jeden Tag 150 Prozent zu geben und alles auf diesen Sport zu setzen. Das Feuer brennt nicht mehr so. Außerdem ist es ein Privileg, komplett selbstbestimmt diese Entscheidung treffen zu können. Ich bekomme von mir selbst gespiegelt, dass es die richtige Entscheidung ist, denn es fühlt sich einfach gut an.
DOSB fordert Nachbesserungen bei Sportstättenförderprogramm
Die Sportinfrastruktur in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen. Nach jüngsten Erhebungen des Deutschen Instituts für Urbanistik (im Auftrag der KfW) sehen rund 60 Prozent der Kommunen einen gravierenden oder nennenswerten Investitionsrückstand bei Sporthallen; im Bereich der energetischen Sanierung von Sportstätten sprechen sogar über 90 Prozent von dringendem Handlungsbedarf. Der organisierte Sport verfügt über eine einzigartige gesellschaftliche Gestaltungskraft - er erreicht Menschen in allen Lebenslagen, fördert Zusammenhalt und Gesundheit und schafft Räume, in denen Teilhabe und Integration täglich gelebt werden.
Sanieren, modernisieren, durchstarten: Jetzt Fördermittel für Sportstätten sichern
Sportvereine aufgepasst: Ein neues Förderprogramm des Bundes steht bereit, um eure Kommunen bei der Sanierung von maroden Sportstätten finanziell zu unterstützen.
Am Donnerstag, 16. Oktober, hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) den Projektaufruf für das neue Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ vorgestellt.
Für den Projektaufruf 2025/2026 sind Mittel in Höhe von 333 Millionen Euro veranschlagt.
Und ihr habt die Möglichkeit, über eure Kommunen Projekte einzureichen.
Wenn euer Verein also eine Sportstätte nutzt oder besitzt, die dringend saniert werden sollte, dann meldet euch so bald wie möglich bei eurer Kommune, um den Projektantrag auf den Weg zu bringen.
Wir erklären euch, wie das geht.
5 Ringe - 5 Fragen: München entscheidet über Olympiabewerbung
Noch bis Sonntag, den 26. Oktober, sind die Münchner*innen dazu aufgerufen, über die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele abzustimmen. Alle Wahlberechtigten dürfen per Briefwahl oder im Wahllokal ihre Stimme abgeben.
Wir erklären, was München plant und worum es genau geht.
Wirtschaftsinitiative unterstützt Olympiabewerbung
Ein deutliches Zeichen für den Aufbruch: Zahlreiche deutsche Unternehmen haben sich zur „Wirtschaftsinitiative Spiele in Deutschland“ zusammengeschlossen, um eine mögliche Bewerbung Deutschlands um Olympische und Paralympische Spiele zu unterstützen.
Olympiastützpunkte - das Rückgrat der deutschen Leistungssportförderung
Was sind Olympiastützpunkte (OSP)?
Olympiastützpunkte sind zentrale Einrichtungen des sportartübergreifenden Partnernetzwerks auf Bundesebene der Leistungssportförderung in Deutschland. Sie unterstützen Athlet*innen aus olympischen, paralympischen und deaflympischen Sportarten mit einem umfassenden Betreuungsangebot. Ihre Aufgabe ist die ganzheitliche Förderung und Unterstützung der ihnen zugeordneten Bundeskaderathlet*innen im regelmäßigen Training vor Ort sowie in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Spitzenverbänden bei zentralen Maßnahmen (nationale und internationale Wettkämpfe). Darüber hinaus werden Nachwuchskader 2 (NK2) und ausgewählte Landeskader (LK) bestmöglich betreut.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Olympiastützpunkte in der Komplexität und interdisziplinären Ausrichtung ihrer Serviceleistungen für die Athlet*innen ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb des Wissenschaftlichen Verbundsystems Leistungssport und als Partner im Stützpunktnetzwerk darstellen.
Wie viele Olympiastützpunkte gibt es?
In Deutschland gibt es 13 Olympiastützpunkte mit 17 Standorten und 26 Außen-/Nebenstellen, die über das ganze Bundesgebiet verteilt sind. An den Außen-/Nebenstellen sind mindestens zwei Bundesstützpunkte verortet. Nebenstellen halten zusätzlich OSP-Personal für Service- und Betreuungsleistungen vor. Sie bilden gemeinsam das Rückgrat der täglichen Trainings- und Betreuungsarbeit im Spitzensport.
Warum sind Olympiastützpunkte so wichtig?
OSP sichern die Qualität und Nachhaltigkeit des Leistungssports in Deutschland.
Hier trainieren Kaderathlet*innen unter optimalen Bedingungen begleitet von Expert*innen, die ihre Leistungsentwicklung, Gesundheit und mentale Stärke fördern. Gleichzeitig unterstützen die Stützpunkte dabei, Sport und Ausbildung, Studium oder Beruf zu vereinbaren.
Welche Leistungen bieten die OSP konkret?
Athlet*innen erhalten an ihrem OSP:
- Sportmedizinische und physiotherapeutische Betreuung (ärztliche Betreuung, MTA, Physiotherapie)
- Trainings- und bewegungswissenschaftliche Begleitung (Trainingswissenschaft und Athletiktraining)
- Psychologische Unterstützung
- Sporternährung
- Duale Karriereberatung
Ziel ist es, Leistung langfristig zu sichern und Gesundheit zu erhalten. Im Training, im Wettkampf und bei der Rückkehr nach Verletzungen.
Wie werden die Olympiastützpunkte finanziert?
Die Finanzierung erfolgt über ein einheitliches, vom DOSB beschlossenes Modell.
Die Finanzierung für Personal, Infrastruktur und Ausstattung erfolgt als subsidiäre Mischfinanzierung sowohl aus Bundes- und Landesmitteln als auch über die regionale Ebene der Kommunen und Gemeinden, an denen sie angesiedelt sind.
Was unterscheidet einen Olympiastützpunkt von anderen Leistungszentren?
Neben den Olympiastützpunkten gibt es weitere Einrichtungen im deutschen Leistungssportsystem:
- Bundesstützpunkte (BSP): Trainingsorte einzelner Sportarten, an denen die tägliche Arbeit mit Bundeskaderathlet*innen stattfindet.
- Landesstützpunkte: Regionale Zentren zur Talentförderung und zum Übergang in den Bundeskader.
- Kienbaum - Olympisches und Paralympisches Trainingszentrum: Das einzige Zentrum dieser Art in Deutschland. Es dient Nationalmannschaften als Lehrgangs- und Vorbereitungsort auf internationale Wettkämpfe - insbesondere Olympische und Paralympische Spiele.
- Eliteschulen des Sports (EdS): Die 43 EdS sind über ganz Deutschland verteilt und fördern sportliche Talente in einem Verbundsystem aus Schule, Wohnen und Leistungssport mit Bezug zu den Olympiastützpunkten. Sie koordinieren Schule und Training so, dass keiner der beiden Bereiche vernachlässigt werden muss und künftige Spitzenathlet*innen ihre Zeit bestmöglich nutzen können.
Wie arbeiten die OSP im System zusammen?
Die Olympiastützpunkte kooperieren eng mit Spitzenverbänden, Landesfachverbänden, Landessportbünden, Vereinen und weiteren Partnern im Wissenschaftlichen Verbundsystem Leistungssport (WVL). Ziel ist eine vernetzte, sportartenübergreifende Leistungssportentwicklung und die bestmögliche Betreuung aller Kaderathlet*innen - stets unter Einhaltung der Anti-Doping-Bestimmungen von WADA und NADA.
„Kienbaum ist ein sehr wichtiger Baustein des Stützpunkt-Netzwerks“
DOSB: Olaf, dem „Kienbaum Olympisches und Paralympisches Trainingszentrum“ wird im deutschen Sport eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Warum?
Olaf Tabor: Es ist das einzige Trainingszentrum dieser Art, das wir in Deutschland haben. Seine Bedeutung ist aus der Historie herzuleiten. Kienbaum war ein wichtiges Trainingszentrum der damaligen DDR, dessen großer Vorteil war, an einem ablenkungsfreien Ort ein hoch spezialisiertes Training für eine große Bandbreite an Sommer- und Wintersportarten anbieten zu können. Das hat man nach der Wende sinnvollerweise erhalten und ausgebaut.
Weil es oft durcheinandergerät: Erläutere bitte einmal den Unterschied zwischen einem Trainingszentrum wie Kienbaum und einem Olympiastützpunkt.
Das KOPT ist eine Agglomeration, also ein Zentrum zahlreicher Spezialtrainingsstätten mit großen Unterkunfts- und Versorgungskapazitäten, die ausschließlich dem Spitzensport gewidmet ist. Dort finden vorwiegend Lehrgänge der Nationalmannschaften aus unterschiedlichen Sportarten statt, häufig in Vorbereitung auf internationale Zielwettkämpfe. Das KOPT verfügt allerdings nicht selbst über Fachpersonal für trainingswissenschaftliche, medizinische, physiotherapeutische oder psychologische Versorgung, wie es zum Beispiel an OSP vorgehalten wird. Um es vereinfacht zu sagen: Olympiastützpunkte und Bundesstützpunkte sind Orte für das tägliche Training, das KOPT ist ein Ort für gezielte Lehrgangsmaßnahmen. Alle Elemente des Stützpunktsystems - Olympiastützpunkte, Bundes- und Landesstützpunkte sowie das Trainingszentrum in Kienbaum - haben spezifische Funktionen und Aufgaben mit ihren jeweiligen Mehrwerten für die Leistungsentwicklung der Athletinnen und Athleten.
Was macht den Standort Kienbaum einzigartig?
Es gibt wohl kaum einen zweiten Standort in Deutschland, der quer durch eine breite Sportartpalette über solch ausgezeichnete Trainingsmöglichkeiten verfügt. Ein großer Vorteil ist neben den Trainingsstätten insbesondere die Abgeschiedenheit, zumindest aus trainingstechnischer Sicht. In Kienbaum gibt es keine Ablenkung. Berlin ist weit genug weg und die ÖPNV-Anbindung zu dünn, um spontan dorthin zu fahren. In Kienbaum liegt der Fokus komplett auf dem Training. Insbesondere für Sportarten, die hochgradig trainingsintensiv sind, ist das Zentrum perfekt geeignet und deshalb als Lehrgangsstandort und gerade in der Vorbereitung auf Schlüsselevents wie Olympische Spiele unverzichtbar. Dazu kommt, dass Kienbaum auch ein Dienstort der Bundespolizei ist. Das heißt, dass Kaderathletinnen und -athleten, die bei der Bundespolizei angestellt sind, eine zusätzliche Möglichkeit haben, die dortigen Trainingsmöglichkeiten zu nutzen.
Was Kienbaum für den deutschen Sport so unverzichtbar macht
„Du hast jeden Tag die Möglichkeit, besser zu werden!“, so steht es auf dem Poster geschrieben, das die Wand eines der Doppelzimmer ziert, in denen die besten Athlet*innen Deutschlands Erholung und Ruhe vom harten Training finden sollen. Und während man noch überlegt, ob das als freundlicher Hinweis gemeint ist oder doch eher als deutliche Aufforderung, hat Lisa Vogel die Antwort schon parat. „Wir tun hier alles dafür, dass das Team D auf allen Wettkämpfen die bestmögliche Leistung bringen kann“, sagt sie. Damit ist klar: Die Möglichkeit, besser zu werden, ist das Motto, nach dem im „Olympischen und Paralympischen Trainingszentrum für Deutschland“ in Kienbaum das gesamte Handeln ausgerichtet ist.
Lisa Vogel leitet für das nationale Zentrum, das in dieser Form republikweit einzigartig ist, die Kommunikationsabteilung. Dass sie noch viele andere Aufgaben übernimmt, weil die 65 Mitarbeitenden das allesamt so machen, wird im Verlauf des Rundgangs über das 60 Hektar große Gelände schnell deutlich. Aber an diesem sonnig-frischen Herbsttag in der Brandenburger Abgeschiedenheit rund 40 Kilometer östlich des Stadtkerns von Berlin ist die 30-Jährige voll in ihrem Element: Sie führt den Besuch aus dem DOSB über die Anlage und hat zu jeder Einrichtung Informationen und kleine oder große Geschichten parat. Und weil so viele es wert sind, erzählt zu werden, bricht sich nach vier kurzweiligen Stunden die Erkenntnis Bahn, dass ein Kurzaufenthalt in Kienbaum eigentlich keinen Sinn ergibt.
Manche kommen für ein paar Wochen, andere für mehrere Monate
Wie gut also, dass der Betrieb auf Langfristigkeit ausgelegt ist. Fachverbände, die ihre Sportler*innen nach Kienbaum schicken - und das tun sehr viele in den olympischen Sommer- und Wintersportarten -, bauen auf mehrwöchige, manchmal sogar über mehrere Monate andauernde Wettkampfvorbereitung. „Nur hier gibt es perfekte Bedingungen, die es braucht, um sich vor internationalen Sportgroßevents den letzten Feinschliff zu holen“, sagt Martin Rieprecht. Der 39-Jährige ist seit gut einem Jahr Geschäftsführer des Trägervereins von Kienbaum, und er ist überzeugt davon, dass die Kaderschmiede höchsten Ansprüchen gerecht wird. „Wir haben die beste Infrastruktur, alle Trainingsstätten sind auf Weltklasseniveau, wir bieten eine tolle Küche und ansprechende Unterkünfte“, sagt er.
Wer sich davon überzeugen will, beginnt den Rundgang mit Lisa Vogel im Unterkunftsgebäude von Kienbaum II - das so heißt, weil es einen zehnminütigen Fußmarsch vom Verwaltungsgebäude mit der Rezeption entfernt liegt, den die Bewohner*innen auch mit 200 vom Ernährungspartner Edeka gesponserten Fahrrädern zurücklegen können. 200 Betten stehen dort in Einzel-, Doppel- und Dreibettzimmern zur Verfügung, und während die oberen drei Geschosse in den vergangenen drei Jahren modernisiert wurden und in hellen, warmen Farben Gemütlichkeit ausstrahlen, atmet das Parterre noch den Charme der Vorwendezeit, als Kienbaum das wichtigste Trainingszentrum der DDR war. „Hier wollen wir im kommenden Jahr renovieren“, sagt Lisa Vogel, verweist aber darauf, dass wegen der lange geltenden vorläufigen Haushaltsplanung des Bundes die notwendigen finanziellen Mittel noch nicht bewilligt sind.
Das Gelände östlich von Berlin wurde 1951 dem Sport gewidmet
Dass das Gelände, das vor dem Zweiten Weltkrieg zunächst Mühle und dann Munitionsfabrik war und 1951 dem Sport gewidmet wurde, nach der Wende in seiner Funktion gehalten und kontinuierlich ausgebaut wurde, darf angesichts der heutigen Bedeutung für den deutschen Hochleistungssport als goldrichtige Entscheidung gelten. Die Finanzierung erfolgt komplett aus Bundesmitteln, der DOSB ist entgegen der landläufigen Wahrnehmung nicht an der Finanzierung beteiligt, stellt aber in Leistungssport-Vorstand Olaf Tabor den Vorsitzenden des Trägervereins. Das Gelände ist in Bundesbesitz, allerdings hat sich der Trägerverein zur Übernahme aller Rechte, aber auch aller Pflichten bereiterklärt. Das bedeutet: Alle Aufgaben, die anfallen, werden von den 65 Mitarbeitenden übernommen - ausgenommen sind lediglich Modernisierungsarbeiten, die von Fachfirmen ausgeführt werden müssen, und die Reinigung der Bettwäsche, die an ein externes Unternehmen ausgelagert ist.
„Besonders arbeitsintensiv ist die Pflege der Grünanlagen, vor allem im Herbst, wenn Laub und Eicheln fallen“, sagt Lisa Vogel. Aber genau diese Grünanlagen sind es, die den besonderen Charme Kienbaums ausmachen. Der Wald um den Liebenberger See, der inmitten des Geländes dem Deutschen Kanu-Verband als wichtigste Trainingsstätte dient, verleiht dem Gesamtensemble die Atmosphäre eines Kurzentrums. Wären die Athlet*innen nicht zum Arbeiten hier, wäre das Bundesleistungszentrum der perfekte Ort für klassischen Erholungsurlaub. Ablenkung gibt es nicht, hier ist der Mensch eins mit der Natur. Was viele Jahre als unbestreitbarer Vorteil galt, bereitet Martin Rieprecht heute allerdings manches Mal Kopfzerbrechen. „Nicht alle kommen mit so viel Ruhe klar, manche wünschen sich mehr Action“, sagt er. Ausflüge nach Berlin sind zwar möglich, aber mühsam und zeitintensiv. Deshalb - und weil das WLAN bisweilen hakt - bieten sie vermehrt Gemeinschaftsabende an und wollen zeitnah die in die Jahre gekommene Kegelbahn in einen Freizeitsportbereich umrüsten.
„Ich möchte später sagen können: Was hatte ich für geile Jahre!“
Für Karina Schönmaier beginnt am Montagabend mit dem Flug nach Jakarta eine ganz besondere Reise. Zum einen war die Turn-Europameisterin am Sprung noch nie so weit von zu Hause entfernt und hatte deshalb „ein wenig Angst davor, 15 Stunden am Stück zu fliegen“. Zum anderen ist die 20-Jährige vom TuS Chemnitz-Altendorf im Aufgebot für die Weltmeisterschaften, die vom 19. bis 25. Oktober in Indonesiens Hauptstadt ausgetragen werden, nach den Rücktritten von Elisabeth Seitz und Sarah Voss sowie den verletzungsbedingten Ausfällen von Pauline Schäfer-Betz und Helen Kevric die älteste und erfahrenste Athletin. Silja Stöhr (17/SG Heddesheim) und Schönmaiers Vereinskameradin Jesenia Schäfer (15) erleben in der Elf-Millionen-Einwohner-Megacity ihre WM-Premiere. Wie sie mit ihrer Rolle umgeht und warum Turnen für sie ein „sicherer Ort“ ist, erläutert die gebürtige Bremerin, die bei den Olympischen Spielen in Paris als Ersatzturnerin zum Team Deutschland zählte, im Interview.
DOSB: Karina, wie fühlt es sich an, mit gerade einmal 20 Jahren die erfahrenste und älteste Athletin im deutschen Aufgebot zu sein?
Karina Schönmaier: Es ist schon etwas komisch, dass die vielen Erfahrenen nicht mehr da sind. Die Aufregung steigt von Tag zu Tag. In den Qualifikationen bin ich gut durchgekommen, das hat mir viel Sicherheit gegeben. Dennoch ist eine Anspannung da, die ich in der Form noch nicht kannte. Bei den Weltmeisterschaften 2022 in Liverpool und 2023 in Antwerpen war ich einfach nur froh, dass ich dabei war. Nun bin ich die erfahrenste Turnerin im Aufgebot.
Wie gehst du mit dieser veränderten Rolle um?
So viel hat sich gar nicht verändert. Ich fühle mich überhaupt nicht als Anführerin, die irgendwelche Ansagen macht. Wir sind alle komplett auf Augenhöhe, jede hat Mitspracherecht. Ich habe keine Sonderstellung, muss auch auf niemanden aufpassen. Wir sind ein sehr junges Team, kommen aber bestens miteinander aus. Das macht es mir leicht, mich wohlzufühlen.
Nach dem EM-Titel am Sprung und dem Sieg bei den deutschen Meisterschaften im Mehrkampf und am Boden wirst du als Hoffnungsträgerin des deutschen Teams bezeichnet. Ist das zusätzlicher Ansporn oder nur mehr Druck?
Von beidem etwas. Meine persönliche Ausgangslage hat sich natürlich verändert. Ich bin sehr froh, dass ich in diesem Jahr schon einige starke Wettkämpfe zeigen konnte, denn das gibt mir Sicherheit und gleichzeitig das Gefühl, noch mehr erreichen zu können und vor allem zu wollen. Andererseits ist der Druck schon höher, vor allem aber der, den ich mir selber mache. Früher habe ich einfach gemacht und gehofft, dass etwas Gutes dabei herauskommt. Diese Herangehensweise funktioniert nicht mehr, da hat sich in meiner Gedankenwelt etwas verändert. Jetzt denke ich öfter: Ich muss perfekt sein, darf keine Fehler machen. Das ist schon manchmal stressig. Trotzdem gelingt es mir zum Glück meistens, diesen Stress gut auszubalancieren und mit der notwendigen Leichtigkeit an die Übungen zu gehen.
Wie gelingt es dir, diese Stressbalance im Griff zu behalten?
Das ist eine Mischung aus mehreren Faktoren. Zum einen hilft mir meine Erfahrung, ich war schon bei mehreren Welt- und Europameisterschaften dabei, und jeder große internationale Wettkampf bringt mich ein Stück weiter in meiner Entwicklung. Zum anderen ist für mich Kommunikation extrem wichtig. Beim Weltcup in Paris zum Beispiel habe ich kurz vorm Wettkampf Angst bekommen, dass ich nicht ordentlich performen würde. Diese Ängste habe ich mit dem Trainerteam besprochen, und das hat mir sehr geholfen. Im Training stresse ich mich manchmal auch zu sehr, dann muss ich von außen beruhigt werden. Das gelingt aber immer sehr gut. Deshalb bin ich meinen Trainern, allen voran Tati und Anatol (Tatjana Bachmayer und Anatol Ashurkov vom Chemnitzer Stützpunkt, d. Red.), sehr dankbar für ihre Unterstützung. Wir sind als Team sehr gut zusammengewachsen und haben über die Jahre tiefes Vertrauen aufgebaut. Ich kann die beiden auch nachts anrufen und mit ihnen über alles sprechen.
Gibt es außerhalb des Trainerteams weitere wichtige Bezugspersonen für dich?
In erster Linie meine Mutter, mit ihr telefoniere ich oft und erzähle ihr alles, was mich bewegt. Aber da sie nicht in Chemnitz vor Ort ist, spreche ich auch viel mit Freundinnen und Teamkolleginnen. Anna-Lena König und Lea Quaas sind wichtige Menschen in meinem Leben, wir kochen oft zusammen und sprechen über das Turnen. Aber auch zu Eli und Sarah habe ich regelmäßig Kontakt. Dass sie für mich da sind, ist mir wichtig.
