Neuigkeiten von Sportdeutschland
Denise de Vries gewinnt den Publikumspreis der „Sterne des Sports“
Zum elften Mal haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rahmen des Wettbewerbs „Sterne des Sports“ in Zusammenarbeit mit der ARD den Publikumspreis verliehen. Zur Abstimmung durch das Publikum des ARD-Morgenmagazins und die breite Öffentlichkeit standen drei Personen, die durch ihr besonderes persönliches Engagement für ihren Sportverein herausragten.
So kannst du die „Sterne des Sports“ live verfolgen
Das Bundesfinale der „Sterne des Sports“ wird live im Stream auf www.sportschau.de übertragen. Ab 10.25 Uhr können alle Interessierten die feierliche Verleihung der „Sterne des Sports“ in Gold direkt verfolgen.
Gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und den Volksbanken Raiffeisenbanken ehrt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim 22. Bundesfinale Sportvereine aus ganz Deutschland für ihr herausragendes gesellschaftliches Engagement. Insgesamt 17 Finalisten stehen im Mittelpunkt, die mit innovativen Ideen, besonderen Projekten und nachhaltiger Vereinsarbeit überzeugen konnten.
Die wichtigste Auszeichnung des Engagements im deutschen Sport überreichen Bundespräsident Steinmeier gemeinsam mit Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes, sowie Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).
Die Preisverleihung findet in der DZ BANK am Pariser Platz in Berlin statt und ist bundesweit live über die ARD im Stream zu sehen.
ARD-Livestream
Sportstättenförderung überzeichnet - Bedarf übersteigt Mittel um Vielfaches
Das Antragsportal für das neue Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ ist seit dem 16. Januar 2026 geschlossen. Drei Monate hatten Kommunen aus ganz Deutschland Zeit, um ihre Anträge für Projekte einzureichen.
Nun hat das zuständige Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) bekannt gegeben: Es gab über 3.600 Projektskizzen auf Förderung mit einer beantragten Gesamtfördersumme von mehr als 7,5 Milliarden Euro. Dem stehen aktuell 333 Millionen Euro an verfügbaren Bundesmitteln gegenüber. Damit ist das Programm in seiner ersten Phase rund 21-fach überzeichnet.
Diese Zahlen verdeutlichen eindrücklich den massiven Sanierungs- und Modernisierungsbedarf an Sportstätten in Deutschland - und den hohen Unterstützungsbedarf von Kommunen und Sportvereinen, um den bestehenden Sanierungsstau abzubauen.
Das Team D Mailand Cortina 2026 - Zahlen, Daten, Fakten
Team D Gesamtgröße
Das Team Deutschland für die Olympischen Winterspiele 2026 Mailand Cortina umfasst insgesamt 185 Athletinnen und Athleten. Ergänzt wird der Kader durch vier Ersatzathlet*innen. Somit ist es das größte Team Deutschland zu Olympischen Winterspielen, das es bisher gegeben hat. Der vorherige Rekord stammt von den Winterspielen Turin 2006 mit einer Mannschaftsgröße von 161 Athlet*innen.
Ein geschlechtergerechtes Team D Mailand Cortina 2026
Die Zusammensetzung des Teams ist nahezu geschlechtergerecht: 86 Athletinnen, entsprechend 46 Prozent, sowie 99 Athleten mit einem Anteil von 54 Prozent wurden nominiert. Zusätzlich stehen zwei Ersatzathletinnen und zwei Ersatzathleten zur Verfügung.
Erfahrung im Team D
Im Team D treffen zahlreiche Newcomer und olympische Erfahrung aufeinander. Insgesamt 73 Athlet*innen (39 Prozent), haben bereits an Olympischen Spielen teilgenommen. Demgegenüber stehen 112 Athlet*innen (61 Prozent), die in Mailand Cortina 2026 erstmals olympische Luft schnuppern.
Medaillen im Gepäck des Team D
Zum Team Deutschland gehören 37 Medaillengewinner*innen, die in ihrer bisherigen Karriere gemeinsam 67 olympische Medaillen errungen haben. Mit 36 Gold-, 24 Silber- und sieben Bronzemedaillen im Gepäck reist das Team D nach Italien.
Die verschiedenen Sportarten des Team D
Team Deutschland ist bei den Olympischen Winterspielen 2026 in insgesamt 15 Sportarten vertreten. Das zahlenmäßig größte Aufgebot stellt das Eishockey mit 48 Athlet*innen. Es folgen die Snowboarder*innen mit 19 sowie der Bobsport mit 18 Athlet*innen. Die wenigsten Athlet*innen gehen mit jeweils drei in der Nordischen Kombination sowie im Skibergsteigen für Deutschland an den Start.
Team D Athlet*innen nach Bundesländern
Die Athlet*innen des Team Deutschland stammen aus Sportvereinen aus verschiedensten Bundesländern sowie aus dem internationalen Umfeld. Den größten Anteil stellt Bayern mit 82 Athlet*innen, gefolgt von Baden-Württemberg mit 24 und Thüringen mit 18. Aus den weiteren Bundesländern kommen insgesamt 43 Athlet*innen, darunter Sachsen mit 15, Berlin mit 11 und Nordrhein-Westfalen mit 7 Athlet*innen. Darüber hinaus sind 18 Athlet*innen aus dem Eishockey internationalen Sportvereinen zugeordnet in Kanada, Schweden, der Schweiz und den USA.
Erfolgreichste Team D Athlet*innen bei Olympischen Spielen
Zu den erfolgreichsten Athlet*innen im Team Deutschland Mailand Cortina 2026 zählen Tobias Arlt und Tobias Wendl, die im Rennrodeln gemeinsam sechs olympische Goldmedaillen gewonnen haben. Ebenfalls zu den herausragenden Medaillensammlern gehören Bobpilot Francesco Friedrich und Anschieber Thorsten Margis mit jeweils vier Goldmedaillen. Felix Loch, ebenfalls im Rennrodeln aktiv, bringt drei Goldmedaillen mit, während Skispringer Andreas Wellinger in seiner bisherigen olympischen Karriere zwei Gold- und zwei Silbermedaillen errungen hat.
Olympia-Rekordteilnehmer*innen des Team D
Gleich mehrere Athlet*innen des Team Deutschland blicken auf eine lange olympische Laufbahn zurück:
- Felix Loch im Rennrodeln, Johannes Rydzek in der Nordischen Kombination sowie Patrick Beckert im Eisschnelllauf nehmen in Mailand Cortina 2026 bereits zum fünften Mal an Olympischen Spielen teil.
- Ihre vierte olympische Teilnahme absolvieren in Italien insgesamt 9 Athlet*innen, darunter Francesco Friedrich und Thorsten Margis im Bobsport, Toni Eggert im Rennrodeln und Franziska Preuß im Biathlon.
- Ihre dritten Olympischen Spiele bestreiten insgesamt 15 Athlet*innen, darunter Andreas Wellinger und Juliane Seyfarth im Skispringen, Vinzenz Geiger in der Nordischen Kombination, Lena Dürr im Ski Alpin und Ramona Hofmeister im Snowboard.
Die ältesten / jüngsten Team D Athlet*innen
Die Altersstruktur des Team Deutschlands reicht von jugendlichen Nachwuchstalenten bis zu sehr erfahrenen Routiniers. Jüngste Athletin ist die Eishockeyspielerin Mathilda Heine, die zum Start der Olympischen Spiele 16 Jahre alt ist. Der jüngste Athlet ist der Eisschnellläufer Finn Sonnekalb, der zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt ist. Als älteste Athletin geht die Skispringerin Juliane Seyfarth an den Start, die während der Spiele ihren 36. Geburtstag feiern darf. Der älteste Athlet im Team ist Eishockeyspieler Moritz Müller, mit 39 Jahren.
Stabil in Knie und Kopf: Muriel Mohr ist bereit für ihre Olympiapremiere
Als am Montagnachmittag in der Mixed Zone, in der die Medien die Athletinnen und Athleten des Team D zur Einkleidung und ihren Zielen für die Olympischen Winterspiele in Norditalien befragen, ein Dutzend Kameras und Mikrofone auf sie gerichtet sind, sagt Muriel Mohr einen Satz, der nachhallt. „Ich kann jetzt wieder alles, was ich können möchte.“ Eine Aussage ist das, die wohl jeder Mensch gern über sich treffen würde. Die 19-Jährige hat sie zwar darauf bezogen, dass sie nach ihrem bei der WM 2025 erlittenen Kreuzbandriss im linken Knie wieder vollkommen genesen ist. Aber die Art und Weise, wie Deutschlands Medaillenhoffnung im Ski Freestyle in der MTC World of Fashion in München das gesamte Frage-Antwort-Spiel meistert, lässt zumindest darauf schließen, dass es ihr an Selbstvertrauen nicht mangelt vor ihrer Olympiapremiere.
Dass sie diese als aktive Athletin erleben würde, war lange Zeit unsicher. Ein Kreuzbandschaden ist immer eine kapitale Verletzung; in einem Sport wie ihrem, in dem sie im Slopestyle durch einen Hindernisparcours manövriert, im Big Air komplexe Einzelsprünge absolviert und dabei stets festen Halt auf den Brettern suchen muss, ist das Knie aber extrem belastet. Dennoch war der Glaube daran, es nach Livigno, wo die Wettkämpfe im Ski Freestyle ausgetragen werden, schaffen zu können, immer da. „Olympia war immer das Ziel, der Ausblick darauf hat mir geholfen, stabil und motiviert zu bleiben. Außerdem hatte ich das beste Team, das mich immer wieder aufgebaut hat“, sagt die Studentin der Gesundheitswissenschaften, die sich im Sommer, als an Sport noch nicht zu denken war, kurioserweise für die Uni viel damit beschäftigte, wie Kreuzbänder zusammengeflickt werden.
Sportpsychologe half bei der Verarbeitung der Verletzung
Geholfen habe ihr zudem die Arbeit mit ihrem Sportpsychologen, der ihr mit dem Aufbau von Routinen, Visualisierungen und Anleitung zu positivem Denken wichtige Unterstützung leistete. „Mit ihm habe ich auch vor der nationalen Qualifikation telefoniert, er hat mir Mut zugesprochen und Vertrauen gegeben“, sagt die Athletin vom Kirchheimer SC, die am vergangenen Wochenende beim Weltcup in Laax (Schweiz) das Ticket für die Winterspiele perfekt machte. „Das war natürlich eine Erleichterung“, sagt Muriel, die auch mental keinerlei Überbleibsel der schweren Verletzung spürt. „Respekt ist immer da, das ist in einer Risikosportart wie unserer auch wichtig. Aber Angst, dass das Knie nicht hält, habe ich keine. Wir leben mit einem gewissen Verletzungsrisiko, aber ich habe die Challenge gut gemeistert und fühle mich bereit“, sagt sie.
Bereit, sich Herausforderungen zu stellen, ist Muriel Mohr tatsächlich schon seit Kindertagen. Schon als Zweijährige fuhr sie mit ihrem Vater im Tiefschnee Ski, „da bin ich über jeden Kicker hinter ihm hergefahren“, erinnert sie sich. Ihre aktive Sportkarriere startete die aus dem Münchner Osten stammende Allrounderin, die im Sommer gern Rennrad und Mountainbike fährt und kiten geht, allerdings im Ballett - einem Sport, der in puncto Körperbeherrschung und Ausdrucksstärke durchaus eine wichtige Grundlage für Freestyler*innen legt. Mit neun Jahren kam sie auf einer Jugendreise mit dem Freestyle in Kontakt, ein Jahr später entdeckte sie der heutige Bundestrainer Jiri Volak und formte sie zu einer der weltbesten Juniorinnen.
Zwei Schwestern, ein Ziel: Gemeinsam das Olympiafinale rocken
Bevor sie ihre Weltkarriere im Profiboxen starteten, mussten die ukrainischen Schwergewichts-Brüder Vitali und Wladimir Klitschko ihrer Mutter ein Versprechen geben: Niemals sollten sie gegeneinander in einem Wettbewerb antreten; das Mutterherz hätte es nicht verkraftet, die Söhne gegeneinander um Titel kämpfen zu sehen. Nun sind professioneller Faustkampf und hochleistungsorientiertes Snowboarden per se zwei durchaus unterschiedliche Sportarten. Aber als Kona und Leilani Ettel am Dienstagmittag zum Gespräch im Rahmen der Einkleidung für die Olympischen Winterspiele in ihrer Geburtsstadt München vor der Team D Alm sitzen, verfliegt auch der letzte Zweifel daran, ob es möglich sein kann, dass Geschwister miteinander in Harmonie um Gold, Silber, Bronze wetteifern können.
Am 11. Februar steht im Livigno Snow Park die Qualifikation für den Halfpipe-Wettkampf an, einen Tag später geht es um die Medaillen. Wenn alles so läuft, wie es sich der Dachverband Snowboard Germany und die Familie Ettel erhoffen, dann stehen sowohl die 18 Jahre alte Kona als auch ihre sechs Jahre ältere Schwester Leilani am 12. Februar im olympischen Finale. Und es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass dadurch der Familienfrieden gestört werden könnte. „Natürlich sind wir beide professionelle Athletinnen und wollen im Wettkampf ganz oben stehen, aber wenn Kona gewinnt, gewinnt auch ein Teil von mir“, sagt Leilani. Das klingt nach Liebe – und ist auch genauso gemeint. Wer die beiden Athletinnen vom SV Pullach im Gespräch dabei beobachtet, wie sie sich nach jeder Frage durch Blickkontakt vergewissern, wer zuerst sprechen soll, und wer hört, wie sie einander in jeder Antwort ergänzen und bestärken, der kann sich vorstellen, wie emotional dieser erste gemeinsame Olympiastart für die Familie werden wird.
Bundesfinale „Sterne des Sports“: Das solltet ihr wissen!
Die „Sterne des Sports“ sind die bedeutendste Auszeichnung im deutschen Vereinssport für gesellschaftliches Engagement. Gemeinsam vergeben der Deutsche Olympische Sportbund und die Volksbanken Raiffeisenbanken den Wettbewerb auf Bronze-, Silber- und Gold-Ebene. Beim Bundesfinale in Berlin werden die besten Vereins-Engagements Deutschlands ausgezeichnet und der „Große Stern des Sports“ in Gold verliehen.
Was ist das Bundesfinale der „Sterne des Sports“?
Das Bundesfinale bildet den Höhepunkt des Wettbewerbs „Sterne des Sports“. Hier werden die 17 Finalisten für ihr besonderes gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet und der „Große Stern des Sports“ in Gold vergeben.
Wer richtet das Bundesfinale aus?
Ausrichter sind der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Volksbanken Raiffeisenbanken, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, die den Wettbewerb seit vielen Jahren gemeinsam tragen.
Wann und wo findet die Preisverleihung statt?
Das Bundesfinale findet am Montag, 26. Januar (10:30 Uhr), in Berlin statt. Die feierliche Preisverleihung wird aus der DZ BANK am Pariser Platz übertragen.
Wie kann ich das Bundesfinale live verfolgen?
Die Veranstaltung wird live im Stream auf sportschau.de ab 10.30 Uhr übertragen. Der Stream startet am Montagvormittag und ist für alle frei zugänglich. Moderiert wird die Veranstaltung von der deutschen Fernsehmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein und Denise Schindler.
Wer zeichnet die Gewinnerinnen und Gewinner aus?
Die Auszeichnungen überreichen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit seiner Gattin Elke Büdenbender, Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sowie Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).
Das Team Deutschland für die Olympischen Winterspiele 2026
Der DOSB hat insgesamt 189 Athlet*innen offiziell für das Team D nominiert.
DOSB-Präsident Thomas Weikert: „Wir freuen uns über ein großes und starkes Team Deutschland. Die Olympischen Winterspiele in Norditalien vor unserer Haustür versprechen ein echtes Wintersportfest zu werden. Die Gastgeber sind bereit, die besten Athlet*innen der Welt bei sich zu empfangen. Und unser Team D ist bereit, die deutschen Fans zu begeistern und für unvergessliche Momente zu sorgen. Ich wünsche allen Athlet*innen viel Erfolg und dass ihr olympischer Traum genau so in Erfüllung geht, wie sie sich das wünschen. Als DOSB werden wir alles dafür tun, um sie dabei zu unterstützen.“
Die stillen Helden der Einkleidung
Am 19. Januar 2006 liegt eine frische, sportliche Brise über dem Fliegerhorst der Bundeswehr in Erding. Der Militärflughafen im Raum München empfängt die deutsche Delegation für deren Einkleidung für die olympischen Spiele in Turin. Ludwig Zistl, Feldwebel am Standort Erding ist mittendrin. „Die Einkleidung war damals viel simpler, keine Medien, keine Werbepartner. Die Athlet*innen haben ihre Bekleidung bekommen und sind dann wieder gefahren“, erzählt der 69-Jährige. Zwanzig Jahre später, wieder sind es Olympische und Paralympische Winterspiele in Italien, wieder findet die Einkleidung in München statt und wieder ist Ludwig mit dabei. Diesmal mit seiner Frau Bärbel.
„Der organisierte Sport kann als Motor für eine nachhaltige Entwicklung dienen“
DOSB: Herr Palm, der DOSB hat erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt. Welche Bedeutung hat dieser Schritt für den organisierten Sport insgesamt?
Christof Palm: Der erste Nachhaltigkeitsbericht des DOSB ist ein historischer und zugleich strategischer Meilenstein, der Nachhaltigkeit fest in den Werten des organisierten Sports verankert. Er schafft Transparenz über den Ist-Zustand, kann als Orientierungsinstrument für den gesamten organisierten Sport dienen und positioniert diesen mit seinen rund 86.000 Vereinen und Tausenden Verbänden als Motor für eine nachhaltige Entwicklung in der Zukunft. Er soll die Nachhaltigkeitsbemühungen über reine Umweltfragen hinaus auf soziale und ökonomische Dimensionen ausdehnen und signalisiert damit, dass Nachhaltigkeit keine optionale Kür, sondern eine Kernaufgabe mit gesellschaftspolitischer Verantwortung ist.
Welche Signalwirkung geht von dem Bericht für Landesverbände und Vereine aus, die sich bereits mit Nachhaltigkeit beschäftigen – aber auch für jene, die noch am Anfang stehen?
Der DOSB nimmt mit dem Bericht eine Vorreiterrolle ein und setzt ein klares Zeichen, dass das Thema Nachhaltigkeit auf höchster Ebene des deutschen Sports nicht nur angekommen, sondern von höchster Bedeutung ist. Dies motiviert einerseits, übt vielleicht auch ein wenig Druck auf LSBs, Landes- und Spitzenverbände sowie Sportvereine aus, eigene Maßnahmen zu ergreifen. Der Bericht liefert fortgeschrittenen Organisationen Best-Practice-Beispiele und ermöglicht einen transparenten Vergleich und Wissensaustausch, etwa über den Hinweis auf das Webportal "Nachhaltige Sportveranstaltungen“. Für jene, die noch am Anfang stehen, bietet der Bericht eine klare Struktur und einen "roten Faden". Er demonstriert, dass Nachhaltigkeit bereits ganz nebenbei im Vereinsalltag geschieht, zum Beispiel im sozialen Bereich, bietet niedrigschwellige Einstiegspunkte und zeigt konkrete Handlungsfelder in den Bereichen Mobilität, Veranstaltungen oder Infrastruktur auf.
„Der Irrglaube, dass sich ein später Einstieg in Sport nicht lohnt, ist längst widerlegt“
Wenn am 6. Februar die Olympischen Winterspiele in Norditalien eröffnet werden, startet Bernd Wolfarth bereits in seine zwölften Spiele als Sportmediziner bei Olympia; zunächst zweimal für den Biathlon-Verband, 2008 in Peking als stellvertretender Chief Medical Officer und seit 2010 in Vancouver als Chefmediziner des Team D. Der 60-Jährige, der im Hauptberuf die Abteilung Sportmedizin der Charité in Berlin leitet, ist auf seinem Feld einer der anerkanntesten Experten. Für unsere Serie „20 Jahre DOSB“ spricht der gebürtige Freiburger über die Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre im Bereich Gesunderhaltung durch Sport und gibt Tipps für den Einstieg ins Sporttreiben.
DOSB: Bernd, du erlebst in Italien deine zwölften Olympischen Spiele, die neunten als Chief Medical Officer des DOSB. Verspürst du immer noch Vorfreude oder Aufregung, oder ist Olympia für dich Business as usual geworden?
Bernd Wolfarth: Auf keinen Fall, die Vorfreude ist immer noch groß, die Aufregung dagegen ein wenig geringer. Wenn man so oft in dieser Funktion verantwortlich war, kennt man die administrativen Abläufe und weiß, was einen erwartet. Das macht mich ein Stück weit gelassener. Die Vorfreude ist aber ungetrübt.
Was sind deine wichtigsten Aufgaben als leitender Olympiaarzt?
In erster Linie fungieren mein Team und ich als Ansprechpartner für das medizinische Personal der Fachverbände, die vor Ort sind. Meine Kollegin Katharina Blume und ich teilen uns die Zuständigkeiten für die sechs Cluster untereinander auf. Wenn es an einem Standort ein medizinisches Thema gibt, zum Beispiel, wenn Medikamente fehlen oder es einer Zweitmeinung zu einem medizinischen Problem bedarf, stehen wir zur Verfügung. Ich persönlich habe zudem einige medizinisch-administrative Aufgaben. Als Beispiele kann ich hier das Thema medizinische Ausnahmegenehmigungen oder den Austausch von Athletinnen und Athleten auf der Basis von medizinischen Gründen anführen. Hierfür ist die Kommunikation mit dem IOC oder den internationalen Fachverbänden beziehungsweise deren ärztlichen Kommissionen notwendig.
Unser Thema sollen heute nicht die Olympischen Spiele sein, sondern die Bedeutung von Sport in der Spitze und vor allem in der Breite für die Gesunderhaltung. Wie haben sich über die vergangenen 20 Jahre, die der DOSB existiert, die Bedarfe von Leistungssportler*innen in der Umsetzung von Gesundheitsthemen verändert?
Das ist ein sehr individueller Bereich, eine allgemeingültige Antwort kann ich hier nicht geben, da die Athletinnen und Athleten ganz unterschiedliche Zugänge zum Thema Gesundheit haben. Das ist von der jeweiligen Sportart ebenso abhängig wie von der persönlichen Geschichte. Was sich definitiv verändert hat, sind die Rahmenbedingungen, also die grundsätzliche Wahrnehmung des Themas Gesundheit und der Umgang damit. Dadurch dass sich jeder Mensch im Internet aus nahezu unerschöpflichen Quellen informieren kann, ist das Wissen in diesem Bereich deutlich gewachsen, aber auch die Unsicherheiten, weil viele nicht wissen, was sie mit all den Informationen anfangen sollen. Das ist eine Herausforderung für die Medizin, die viel Aufklärungsbedarf mit sich bringt.
Schauen wir auf den Breitensport. Wie unterscheidet sich die Herangehensweise an das Thema Gesunderhaltung im organisierten vom individuellen Freizeitsport?
Auch hier gibt es große individuelle Unterschiede. Es gibt Vereine, die sind in diesem Bereich so gut wie gar nicht aufgestellt. Aber in der Regel spielt der medizinische Aspekt von Sport im organisierten Bereich doch eine wichtige Rolle. Vereine und Verbände, die dem Leistungssport eine hohe Bedeutung zumessen, ermöglichen ihren Sportlerinnen und Sportlern oft umfangreichen Zugriff auf medizinische Versorgung. Im Breitensport spielt das Thema naturgemäß eine untergeordnete Rolle, da müssen sich Athletinnen und Athleten eher selbst um ihre Versorgung kümmern. Was wir zweifelsohne wahrnehmen, ist der Trend der Vereine, mehr Gesundheitsangebote zu machen, zum Beispiel Rehasport oder besondere Angebote für Kinder oder alte Menschen. Das sind Trends, die die Mitgliedergewinnung positiv beeinflussen. Zusammengefasst kann ich sagen, dass Gesunderhaltung und Therapie Felder sind, die eine höhere Bedeutung als früher haben, bei denen aber die intrinsische Motivation, sich darum zu bemühen, weiterhin eine wichtige Rolle spielt.
In welcher Form hat sich der Umgang mit dem Thema Gesunderhaltung durch Sport in der Gesellschaft in den vergangenen 20 Jahren verändert? Geht der Trend zum Körperkult einher mit einer erhöhten Bereitschaft, leistungsfördernde, aber gesundheitsgefährdende Substanzen zu konsumieren?
Für den Kraftsport lässt sich das anhand der wissenschaftlichen Datenlage schon konstatieren, da haben wir ein leistungsorientiertes Klientel, das sich nicht den im organisierten Sport vorhandenen Regelwerken unterwirft und eine deutlich niedrigere Hemmschwelle hat, sich solcher, in den Anti-Doping-Regeln des organisierten Sports verbotenen Substanzen zu bedienen. Im Allgemeinen sehe ich aber keine signifikante Zunahme auf diesem Gebiet. Was wir beobachten: Die Schere zwischen denen, die sich kaum oder gar nicht bewegen, und denen, die sehr umfänglich oder leistungsorientiert Sport treiben und dabei zu Extremen neigen, geht immer weiter auseinander. Das ist eine Herausforderung, der wir uns auch aus Sicht der Medizin stellen müssen.
Der perfekte Ort für den Abschied von Olympia
Der 16. Februar ist bei den Olympischen Winterspielen in Norditalien ein wettkampffreier Tag für die Langläuferinnen, für Katharina Hennig Dotzler aber wird es trotzdem ein besonderer Tag sein. An jenem Datum gewann die 29-Jährige vor vier Jahren in Peking die Goldmedaille im klassischen Teamsprint. Wohl jeder Wintersportfan erinnert sich an den Kommentar von SWR-Reporter Jens-Jörg Rieck, dem in dem Moment, in dem Schlussläuferin Victoria Carl als Erste die Ziellinie überquerte, die Stimme überschlug: „Ja, hast du denn die Pfanne heiß“, dieser Ausruf ist zum Klassiker geworden und bringt auch Katharina immer noch zum Schmunzeln. Seit jenem Triumph haben Victoria Carl und sie an jedem Jahrestag die Erinnerungen gemeinsam aufleben lassen. In diesem Jahr allerdings wird das anders sein.
Wegen eines Dopingvergehens ist die 30-Jährige vom SCM Zella-Mehlis suspendiert. Das endgültige Urteil steht aus, die Winterspiele verpasst sie aber auf jeden Fall, und um nicht noch tiefer in der sowieso schon klaffenden Wunde zu bohren, wird Katharina während ihres Aufenthalts in Val di Fiemme keinen Kontakt mit ihrer Goldpartnerin aufnehmen. „Es ist für sie eine sehr harte Zeit, ich wünsche ihr viel Kraft und die richtigen Leute um sich herum. Besonders am 16. Februar werde ich sehr an sie denken“, sagt die Athletin vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal am Donnerstagmittag bei der Team D Einkleidung in der MTC World of Fashion in München. Trotz der Atemschutzmaske, die sie trägt, um drei Wochen vor dem Olympiastart keine Erkrankung mehr zu riskieren, ist ihr die Betroffenheit aus dem Gesicht zu lesen.
2022 hat sie gelernt, was ein freier Kopf bedeutet
Die Erinnerungen an den Tag ihres größten sportlichen Erfolgs vermag die Tragik um ihre Teamkollegin indes nicht zu trüben. Wobei die Goldmedaille in der Rückschau nicht ihr emotionalstes Olympiaerlebnis darstellt. Vier Tage zuvor hatte sie mit der 4x5-km-Staffel Silber gewonnen. „Es war nach vielen vergebenen Anläufen, in denen wir manchmal ganz knapp verpasst hatten, aufs Podest zu kommen, endlich die erhoffte Medaille bei einem Großereignis, deshalb waren die Gefühle dabei noch intensiver als beim Olympiasieg“, sagt sie. Als Schlussläuferin Sofie Krehl (30/SC Oberstdorf) ihre gut zwei Sekunden Vorsprung auf Schwedens Jonna Sundling ins Ziel gerettet hatte, sei eine solche Last abgefallen, „dass ich mich wie befreit gefühlt habe. In den Teamsprint bin ich deshalb so gelöst wie nie in ein olympisches Rennen gegangen. Ich hatte eine Medaille sicher, die konnte mir niemand mehr nehmen. An dem Tag habe ich gelernt, was es bedeutet, wenn der Kopf wirklich frei ist. Wir hatten einfach nur Spaß“, sagt sie.
Dieses Gefühl zu konservieren und in folgende Rennen hinüberzuretten, habe sie zwar versucht, gelungen sei es ihr nicht. „Jede Athletin, jeder Athlet kennt das: Manchmal hat man einen Lauf, dann entwickelt sich ein Selbstverständnis, das einen in einen Flow versetzt. Das funktioniert zumindest bei mir aber nur über Erfolge und die daraus resultierende Sicherheit. Umgekehrt ist es aber so, dass negative Erfahrungen auch dazu führen können, dass gar nichts mehr läuft. Wenn Scheiße, dann Scheiße mit Schwung“, sagt sie. Und Schwung dieser Art hat Katharina, die seit der Hochzeit mit ihrem langjährigen Partner Christian Dotzler an Ostern 2025 ihren Doppelnamen trägt, in den vergangenen zwei Jahren einigen mitgenommen. Zuletzt zog sie sich über den Jahreswechsel aus der Tour de Ski zurück, weil sie sich nicht zu 100 Prozent wettkampfbereit fühlte und mit Blick auf die Olympischen Spiele nichts riskieren wollte.




