Neuigkeiten von Sportdeutschland
Philipp Buhl und der Segler-Verband segeln wieder auf der gleichen Welle
Das Gespräch ist fast beendet, da bittet Philipp Buhl darum, noch einen wichtigen Gedanken äußern zu dürfen. „Niemand hat Lust auf Streit. Alle Parteien, die involviert sind, haben das gleiche Ziel: sportlichen Erfolg! Wenn alle an einem Strang ziehen, dann werden wir dieses Ziel auch erreichen“, sagt der 36-Jährige. Es klingt wie ein verbaler Schlussstrich unter eine Phase seiner Karriere, die den Segel-Weltmeister von 2020 abseits seines Sports extrem viel Energie gekostet hat. Eine Phase, in der er kurz davor war, seine Karriere zu beenden und den Traum von einer olympischen Medaille endgültig aufzugeben. Doch diese Phase, die er als „die wahrscheinlich schwierigste meiner Karriere“ einordnet, ist überwunden, Philipp Buhl will nach vorn schauen und seine gesamte Kraft wieder dem widmen, was er so sehr liebt: seinem Sport.
Ganz ohne Rückschau allerdings ist der Vorausblick nicht zu bewältigen. Was also war passiert? Philipp Buhl, geboren in Immenstadt im Allgäu, wohnhaft in Sonthofen und mit Zweitwohnsitz an seinem Trainingsort Kiel ausgestattet, ist unbestritten Deutschlands bester Segler in der Klasse ILCA 7, die bis 2020 als Laser Standard firmierte. Sein in Melbourne (Australien) gewonnener WM-Titel verewigte ihn in den Geschichtsbüchern des Segelsports, und auch wenn ihm der ganz große Törn bei den Olympischen Spielen bislang nicht gelang – Rang fünf in Tokio 2021 ist bei drei Teilnahmen sein bestes Resultat –, hat sich der Europameister von 2012 national wie international einen Status erarbeitet, der außer Frage steht. Die WM als Saisonhöhepunkt gilt alljährlich als beste Möglichkeit, um die Zugehörigkeit zum Nationalkader zu untermauern. Da Philipp diese Chance freiwillig ausließ und dann bei der Europameisterschaft mit Platz 14 den geforderten Leistungsnachweis (Top acht) und weitere individuell vereinbarte sportfachliche Kriterien nicht erbrachte, entschied der Deutsche Segler-Verband (DSV), den Routinier für die Saison 2026 nicht in den Förderkader aufzunehmen, was den Athleten letztlich dazu veranlasste, seine Kampagne fortan in Eigenregie fortzusetzen.
Tiefpunkt im Januar, Hilfe vom bayerischen Verband
Was das bedeutet, versucht er möglichst plakativ zu beschreiben. „Der Tiefpunkt war im Januar, als mir klar war, dass ich auf mich allein gestellt war. Ich musste schauen, wie ich mir die notwendige Logistik organisieren und die Kosten dafür aufbringen konnte“, erinnert er sich. Eine rettende Hand reichte ihm Bastian Henning, Landestrainer im Bayerischen Segel-Verband, der den für den Norddeutschen Regatta Verein (NRV) Hamburg startenden Philipp angesichts von dessen weiterhin bestehender Mitgliedschaft im Segelclub Alpsee-Immenstadt in die Förderung aufnahm und ihm dadurch Zeit verschaffte, einen Grundplan für das erste Halbjahr 2026 zu entwickeln. „Dafür bin ich extrem dankbar. Dennoch blieb ziemlich viel Training auf der Strecke, weil ich mich um logistische Dinge und Sponsorenakquise kümmern musste“, sagt Philipp, der für eine Olympiakampagne zusätzlich zur Verbandsförderung eine deutlich sechsstellige Summe für Material, Expertencoaches und Logistik aufbringen muss.
Was ihm ebenfalls half, war der Fakt, dass die Bundeswehr seine Sportförderstelle auf DSV-Initiative trotz fehlendem Kaderstatus für sechs Monate verlängerte. „So konnte ich mir einen Zeithorizont bis zum August stecken, um bei der EM und bei der WM einen Leistungsnachweis zu erbringen und damit in den Förderkader des DSV zurückzukehren“, sagt er. Dass ihm dies schon bei den kontinentalen Titelkämpfen in Split (Kroatien) im vergangenen Monat gelingen würde, damit hätte er nicht gerechnet. „Die Zielvorgabe, es in einem topbesetzten Feld unter die besten drei zu schaffen, war schon ziemlich spicy“, sagt er. Andererseits habe er über die vergangenen Jahre gelernt, dass er unter Druck oft besser performe. „Im Training und bei unbedeutenderen Regatten setze ich deshalb den Druck künstlich hoch, um genau das zu üben.“ Offensichtlich mit Erfolg: Vor Kroatiens Küste gewann er in einem als kompliziert bekannten Revier die Silbermedaille.
Die Bedeutung dieses Erfolgs kann Dom Tidey am besten einordnen. Der 50-Jährige ist seit November 2024 Chefbundestrainer im DSV, nachdem er zuvor viele Jahre in seiner Heimat Großbritannien als Athlet und Coach aktiv war und seit 2021 erfolgreich das deutsche iQFOiL-Team betreut hatte. Seine Hauptaufgabe ist es, die Leistungsfähigkeit aller Athlet*innen und des Trainerteams für die olympischen Bootsklassen – zehn sind es aktuell, ob der DSV in allen starten wird, ist noch unklar – sicherzustellen. Aktuell zählen acht Athlet*innen zum Olympiakader (OK), 28 zum Perspektivkader (PK), zehn zum Nachwuchskader 1 und weitere 26 zum Nachwuchskader 2. „Als EM-Zweiter kehrt Philipp direkt in den Perspektivkader zurück“, sagt Tidey, der den Konflikt der vergangenen Monate sehr besonnen und nüchtern betrachtet.
Fünf Tipps für Deinen Einstieg ins Tennis
Tennis begeistert Millionen Menschen weltweit, sei es auf den großen Bühnen der Grand-Slam-Turniere und Olympischen Spiele oder auf den Plätzen des örtlichen Sportvereins. Wenn Du selbst aktiv werden möchtest, findest Du mit diesen fünf Tipps den passenden Einstieg.
Ausprobieren statt lange Überlegen
Wenn Du mit Tennis anfangen möchtest, musst Du nicht sofort Mitglied werden oder in eine komplette Ausrüstung investieren. Viele Sportvereine bieten Schnuppertrainings, Aktionstage oder Einsteigerkurse an. Schläger und Bälle können dort häufig ausgeliehen werden. So findest Du unkompliziert heraus, ob Dir Tennis Spaß macht und zu Dir passt.
Unser Tipp: Nutze ein Schnuppertraining und probiere Tennis einfach aus!
Vereine erleichtern den Einstieg
Der einfachste Weg zum Tennis führt meist über einen Sportverein. Dort findest Du nicht nur Tennisplätze und Trainingsmöglichkeiten, sondern auch erfahrene Trainer*innen, die Dich bei den ersten Schritten begleiten. In Einsteigerkursen und Trainingsgruppen lernst Du die Grundlagen des Sports und triffst auf Menschen mit ähnlichen Voraussetzungen. So kannst Du erste Erfolgserlebnisse sammeln und dabei Teil einer sportlichen Gemeinschaft werden.
Unser Tipp: Frage bei einem Tennisverein in Deiner Nähe nach Einstiegsangeboten!
Sportabzeichen in Sachsen: Deutliches Plus im Jahr 2025
DOSB: Wie bewertet ihr die Zahlen aus der Statistik 2025?
Johanna Moritz: Das Sportabzeichenjahr 2025 war in Sachsen zweifelsohne ein voller Erfolg. Wir sind stolz auf einen Zuwachs von rund 10,5 Prozent und damit knapp 2.000 zusätzliche abgelegte Sportabzeichen. Das ist eine bundesweit herausragende Entwicklung. Dieses Ergebnis zeigt das große Engagement aller Beteiligten in den Vereinen, Schulen sowie Kreis- und Stadtsportbünden und unterstreicht die hohe Bedeutung des Deutschen Sportabzeichens in Sachsen.
Worauf führt ihr die Steigerung der Zahlen zurück?
Die steigenden Teilnahmezahlen sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gemeinsamen Kraftanstrengung vieler engagierter Menschen. Ein besonderer Dank gilt den engagierten Ehrenamtlichen sowie den hauptamtlichen Mitarbeitenden in den Kreis- und Stadtsportbünden. Sie sorgen mit ihrem Einsatz dafür, dass das Deutsche Sportabzeichen vor Ort sichtbar bleibt und Menschen zum Mitmachen motiviert werden.
Die Beteiligung der Schulen hat deutlich zugenommen. Dies zeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen dem organisierten Sport und den Bildungseinrichtungen ist. Die gewachsenen Teilnahmezahlen belegen, dass diese Vernetzung bei uns in Sachsen sehr gut funktioniert.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der sachsenweite Sparkassen-Sportabzeichenwettbewerb, der viele Schulen, Vereine sowie Kreis- und Stadtsportbünde zu besonderen Leistungen anspornt. Wer sich das ganze Jahr mit großem Engagement für das Deutsche Sportabzeichen einsetzt, erhält dadurch öffentliche Wertschätzung. Diese Anerkennung wirkt motivierend und setzt vielerorts zusätzliche Kräfte frei.
Die Sportabzeichen-Zahlen in Sachsen zeigen: Wenn engagierte Menschen, Schulen und der organisierte Sport an einem Strang ziehen, kann viel bewegt werden.
Deutsches Sportabzeichen bringt 2025 noch mehr Menschen in Bewegung
Das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit und ohne Behinderungen bleibt auf Erfolgskurs: Im Jahr 2025 wurden bundesweit 577.570 Sportabzeichen verliehen. Das sind 27.202 mehr als im Vorjahr und entspricht einem Plus von fast fünf Prozent. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Das Deutsche Sportabzeichen ist ein wirksamer Motor für Bewegung, Gesundheit und Gemeinschaft – in der Schule, im Verein und vor Ort.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Mit 431.945 erfolgreichen Abnahmen verzeichnet diese Gruppe einen Zuwachs von 5,56 Prozent gegenüber 2024 und trägt damit maßgeblich zur positiven Gesamtentwicklung bei.
DOSB-Vorständin Michaela Röhrbein sagt: “Das Deutsche Sportabzeichen zeigt, wie wir Menschen über Generationen hinweg für Bewegung begeistern können. Die steigenden Zahlen bei Kindern und Jugendlichen sind ein starkes Signal – zugleich liegt eine große Chance darin, ältere Menschen noch stärker zu erreichen. Denn Bewegung kennt kein Alter: Sie stärkt Gesundheit, Selbstvertrauen, Teilhabe und Gemeinschaft. Genau damit zahlt das Sportabzeichen auf unsere Ziele 2035 ein: mehr Menschen in Bewegung bringen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Sport stärken.”
„Ich kann wirklich nur jedem ans Herz legen, sich ehrenamtlich zu engagieren“
DOSB: Julian, herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Auszeichnung. Welchen Stellenwert hat ein solcher Preis verglichen mit Titeln oder Auszeichnungen, die du im Leistungssport schon gewinnen konntest?
Julian Köster: Natürlich möchte ich als Sportler Titel und Erfolge auf dem Spielfeld feiern. Trotzdem freue ich mich sehr über diese Auszeichnung und bin wirklich stolz darauf. Besonders wichtig ist mir aber, dass sie die Athletinnen und Athleten von Special Olympics Deutschland und Menschen mit geistiger Behinderung noch ein Stück sichtbarer macht. Es kennen noch immer zu wenig Menschen die Organisation und die großartige Arbeit, die dort geleistet wird.
Du kannst leider aus privaten Gründen nicht persönlich den Preis entgegennehmen. Wie geht es dir gesundheitlich?
Mir geht es gesundheitlich zum Glück wieder gut. Nach dem Verletzungsschock im April und der überstandenen Reha konnte ich schon wieder auf der Platte stehen und meine letzten Spiele für den VfL Gummersbach absolvieren (Julian wechselt nach dieser Saison zum THW Kiel, d. Red.). Leider kann ich nicht persönlich in Biebrich dabei sein, was ich sehr bedauere. Umso mehr freut es mich, dass mein Freund und Special-Olympics-Athlet Thomas Wendt vor Ort ist. Er hat mir schon zugesichert, dass er alles regeln wird. Das gibt mir ein gutes Gefühl.
Der Fair Play Preis des Deutschen Sports würdigt in jedem Jahr herausragende Aktionen, die für Mitmenschlichkeit stehen. Welche Szene aus deiner Karriere ist dir in Verbindung mit Fair Play am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?
Das Schöne ist, dass sowohl der Handball als auch der Sport bei Special Olympics sehr von Fair Play geprägt sind. Natürlich denke ich, wenn ich „Fair Play Preis“ höre, zuerst an Andi Wolff, der vor zwei Jahren ebenfalls damit ausgezeichnet wurde. Damals hatte er sich bei der WM 2023 in zwei Aktionen dafür eingesetzt, dass gegnerische Spieler nicht zu Unrecht mit Zeitstrafen belegt wurden. Aber eigentlich steht diese Haltung für den Handball insgesamt. Woche für Woche erlebt man solche Gesten – egal ob im Jugendbereich, bei den Amateuren oder im Profisport. Genau das erlebe ich auch bei Special Olympics. Natürlich wollen alle gewinnen und ihr Bestes geben. Aber gleichzeitig stehen Respekt, Miteinander und gegenseitige Unterstützung immer im Vordergrund. Das macht für mich Fair Play aus.
Handball gilt als extrem harter, aber trotzdem sehr fairer Sport. Warum gelingt im Handball dieser Spagat anscheinend besser als anderswo?
Weil diese Werte von Anfang an vorgelebt werden. Es spielt keine Rolle, ob man mit Freunden in der Halle steht oder ein Champions-League-Finale spielt. Respekt vor dem Gegner und den Schiedsrichtern gehören im Handball einfach dazu. Dass das so ist, ist leider nicht selbstverständlich. Schön wäre es natürlich, wenn das in allen Sportarten und auch im Alltag gelebt werden würde.
Den Sonderpreis erhältst du für dein langjähriges Engagement für Special Olympics Deutschland. Wie kam es dazu, dass du dich für diese tolle Organisation einsetzt?
Begonnen hat alles mit einem Fotoshooting für die Landesspiele 2024 von Special Olympics NRW in Münster. Kurz zuvor hatte ich die Special Olympics World Games 2023 in Berlin verfolgt. Darüber wurde damals sehr viel berichtet. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass ich vorher kaum Berührungspunkte mit Special Olympics hatte. Die Bilder und Geschichten haben mich beeindruckt. Kurz darauf wurde ich zu einer Veranstaltung eingeladen. Damals hat es terminlich leider nicht gepasst, aber nach den Gesprächen mit Verantwortlichen von Special Olympics war für mich klar, dass ich das unbedingt selbst erleben möchte. Bei den Landesspielen in Münster war ich dann einen Tag vor Ort und sofort begeistert – von der Atmosphäre, den Emotionen und Leistungen der Athletinnen und Athleten und der Freude, die überall zu spüren war. Dort habe ich auch mein erstes inklusives Handballtraining geleitet. Ich war vorher ehrlich gesagt nervös, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Aber die Sportlerinnen und Sportler haben mich direkt aufgenommen, als würde ich schon lange dazugehören. Dieses Gefühl hat mich nachhaltig beeindruckt. Seitdem freue ich mich über jedes Special-Olympics-Event, bei dem ich dabei sein darf.
Kopf, Herz und Bauch sind endlich wieder Freunde
Zu Hause ist es am schönsten? Ricarda Funk ist ein wenig zwiegespalten, wenn sie an das kommende Wochenende denkt. Natürlich freut sie sich riesig auf den Heimweltcup auf dem Augsburger Eiskanal, zu dem vom 12. bis 14. Juni (Infos und Zeitplan hier) rund 250 Slalomkanut*innen antreten werden. „Dass Freunde und Familie bei einem Weltcup vor Ort sind, passiert ja nur in der Heimat, und das genieße ich sehr“, sagt die Einerkajak-Olympiasiegerin von Tokio. Aber dass alle immer von Heimvorteil sprechen, behagt ihr nicht uneingeschränkt. „Der Druck wird dadurch nicht weniger, denn alle erwarten Bestleistungen, wenn man zu Hause antritt. Doch auch wenn es ein Vorteil ist, auf der Bahn Rennen zu fahren, auf der man täglich trainiert, so weiß man auch genau, was an welcher Stelle schief gehen kann. Der Kopf muss also auf jeden Fall mitspielen“, sagt die 34-Jährige, die im vergangenen Jahr intensiv erfuhr, was es bedeutet, wenn der mentale Stress auf ungesunde Art Grenzen sprengt.
In einem emotionalen Post auf ihren Social-Media-Kanälen hatte Ricarda vor einigen Wochen eine Art verbalen Schlussstrich unter eine Phase ihres Lebens gezogen, in der Selbstzweifel einen Transformationsprozess in Gang gesetzt hatten. „Es fühlt sich gut an, wenn Kopf, Herz und Bauch Freunde sind. Ein Gefühl, das ich letztes Jahr vermisst hatte“, schrieb sie. Im Gespräch mit dem DOSB erläutert die Sportsoldatin vom KSV Bad Kreuznach, was sich hinter dieser Botschaft verbirgt. „Nach meinem Olympiasieg 2021 in Tokio bin ich sofort in die Vorbereitung auf die Spiele in Paris eingestiegen. Ich habe keine Pausen gemacht, sondern war total darauf fixiert, in Paris meinen Erfolg zu bestätigen“, sagt sie. Als das wegen eines Fahrfehlers kurz vor Schluss, der sie auf Rang elf zurückwarf, misslungen war, fiel die Spitzenathletin in das berüchtigte Post-Olympia-Loch. „Nach Paris war eine Leere in mir, ich wusste nicht mehr, wohin ich wollte und warum ich das Ganze überhaupt noch mache“, sagt sie. Der Kopf habe all das infrage gestellt, was sie sich mit ihrem Herz für den Leistungssport erarbeitet hatte.
Im vergangenen Jahr erwog Ricarda sogar ein Karriereende
In dieser Zeit erwog Ricarda sogar, die aktive Karriere zu beenden. „Ich habe wirklich sehr hart mit mir gekämpft“, sagt sie. Rückblickend sei sie allerdings dankbar für diese Phase. „Es ist nicht so, dass ich das unbedingt gebraucht hätte, aber es hat geholfen, um Muster aufzubrechen und Dinge in Bewegung zu setzen. Menschen brauchen Balance. Mein Mobilé hing unfassbar schief, das musste ich justieren. Ich schaffe mir jetzt Raum für Dinge, zu denen ich früher konsequent Nein gesagt habe.“ So habe sie mit der Hilfe von Freunden, Familie und der Sportpsychologie ein neues Mindset erarbeitet, das darauf abzielt, durch mehr Erholung und das Zulassen von Genuss eine bessere Balance zwischen An- und Entspannung zu finden. „Ich habe im Training einiges verändert, setzte vermehrt auf Regeneration. Ich hoffe, dass ich von dem maßlosen Getriebensein auf der Jagd nach Medaillen zu einem ausgewogeneren Umgang mit mir und meinen Zielen finde. Am Ende ist das gesünder, als immer nur den nächsten Erfolg im Blick zu haben, denn dieses Hamsterrad hat sich nicht gut angefühlt“, sagt sie.
Was im Umkehrschluss natürlich nicht bedeutet, dass sie fortan ambitionslos in ihre Wettkämpfe starten würde. „Natürlich möchte ich auch weiterhin Rennen gewinnen. Aber mein wichtigstes Ziel ist es, an den Start zu gehen, völlig in der Sache aufzugehen und einen Flow zu erleben. Dann damit zufrieden zu sein, was auch immer herauskommt, wäre ein Gefühl, das ich genießen würde. Ich glaube, dass man leichter über sich hinauswachsen kann, wenn man komplett frei im Kopf ist.“ So offen über ihre psychischen Belastungen zu sprechen, sei ihr nicht schwer gefallen. „Höhen und Tiefen gehören gleichermaßen zum Sport dazu, es ist nicht immer Glanz und Gloria. Und ich finde es wichtig, dass wir darüber reden“, sagt sie, wohlwissend, dass die Hürde, sich dahingehend zu öffnen, für manche noch immer zu hoch ist. „Das sollte so nicht sein. Das psychologische Element wird im Leistungssport noch immer zu häufig unterschätzt, obwohl es auf höchstem Niveau unabdingbar ist, sich damit auseinanderzusetzen.“
An die Olympischen Spiele 2028 denkt sie noch gar nicht
Für Ricarda bedeutet die neue Herangehensweise, nur noch in kleinen Schritten vorauszuplanen. „Immer nur groß zu denken hat mich erdrückt, dadurch war ich emotional so unglaublich erschöpft. Mir tut es gut, einfach nur im Moment zu leben. Mein Antrieb ist die Liebe und Leidenschaft für den Sport“, sagt sie. An die nächsten Olympischen Spiele, die in zwei Jahren in Los Angeles anstehen, denke sie deshalb noch gar nicht, auch wenn sie unter den fünf Ringen gern einmal erleben würde, wie sich Erfolg und Erlebnis paaren. „Ich habe es ja leider zerstückelt erlebt. In Tokio habe ich Gold gewonnen, aber es durften wegen Corona keine Zuschauer dabei sein. In Paris war die Atmosphäre unglaublich, aber ich hatte nicht den erhofften Erfolg. Es wäre schon schön, wenn ich noch einmal beides gemeinsam haben könnte“, sagt sie.
In diesem Jahr steht sportlich die WM in Oklahoma City im Fokus, die vom 20. bis 25. Juli angesetzt ist. Im Mai war das Nationalteam für zwei Wochen in den USA vor Ort, um sich mit den Begebenheiten vertraut zu machen. „Die Strecke war komplett neu für mich, was ungewöhnlich ist. Meist kehrt man im Lauf seiner Karriere immer wieder an dieselben Orte zurück. Umso mehr habe ich es genossen, meinen Horizont zu erweitern. Ich habe mich in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt“, sagt Ricarda, die sich wünscht, dass dem Saisonhöhepunkt mehr Wertschätzung entgegengebracht würde. „Olympische Spiele sind für unsere Sportart die einzige Chance, mal von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Alles, was zwischen den Spielen passiert, ist ein anderes Game, da wird man kaum gesehen, obwohl eine WM für uns fast so wertvoll ist wie Olympia“, sagt die viermalige Weltmeisterin.
Olympiabewerbung: Nationale Bewerber legen finale Konzepte vor
Ein Jahr nach Abgabe der Grobkonzepte haben drei nationale Bewerber ihre finalen Unterlagen fristgerecht beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vorgelegt.
Die Konzepte aus Berlin, KölnRheinRuhr und München erfüllen alle Voraussetzungen der ersten beiden Auswahlstufen. In Stufe 1 wurden alle Bewerbungen auf ihre operative Machbarkeit sowie die Einhaltung zentraler Mindestanforderungen geprüft. In der zweiten Phase stand die gesellschaftliche und politische Stabilität für eine Bewerbung im Mittelpunkt: München und KölnRheinRuhr sicherten diese durch klare Zwei-Drittel-Mehrheiten in Bürgerentscheiden. In Berlin liegt ein Beschluss des Abgeordnetenhauses vor – ebenfalls mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Der vierte nationale Bewerber Hamburg zog seine Bewerbung zurück.
Darja Varfolomeev ist „Sportlerin des Monats“ Mai
Mit drei Goldmedaillen bei den Europameisterschaften in Warna, Bulgarien, hat Darja Varfolomeev einmal mehr ihre Ausnahmestellung in der Rhythmischen Sportgymnastik unter Beweis gestellt. Nach ihrem Titelgewinn im Mehrkampf sicherte sich die Olympiasiegerin von Paris zusätzlich die Goldmedaillen mit dem Ball und dem Band. Für diese herausragenden Leistungen wählten die Sporthilfe-geförderten Athletinnen und Athleten Darja Varfolomeev mit 54 Prozent zur „Sportlerin des Monats“ Mai.
Anders als bei Medien- oder Publikumswahlen entscheiden bei der Wahl zur Sportlerin bzw. zum Sportler des Monats ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathletinnen und -athleten. Dadurch erhält die Auszeichnung ihre besondere sportliche Wertigkeit. Zu Beginn eines jeden Monats stellt die Sporthilfe den rund 4.000 geförderten Athletinnen und Athleten Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl, die sich im Vormonat durch herausragende Leistungen empfohlen haben. Die Stimmabgabe erfolgt per Online-Voting.
Hinter Darja Varfolomeev sichert sich Sportschützin Nele Stark (26,2 %) Rang zwei bei der Sporthilfe-Wahl. Die 20-Jährige überzeugte bei der Kleinkaliber-Europameisterschaft in Kroatien mit einem Weltrekord und Gold im Kleinkaliber-Dreistellungskampf. Gemeinsam mit Lisa Grub und Anna Janßen gewann sie zudem Mannschaftsgold. Den dritten Platz bei der Wahl belegt das deutsche Tischtennis-Nationalteam der Damen. Yuan Wan, Annett Kaufmann, Nina Mittelham, Ying Han und Sabine Winter (19,8 %) gewannen bei den Team-Weltmeisterschaften in London die Bronzemedaille. Nach nur einer Niederlage im Halbfinale gegen Japan belegte das deutsche Team den dritten Platz.
Für ihre herausragenden Leistungen waren die Athletinnen und Athleten von der Athletenkommission im DOSB, von SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert worden.
Radsport: Fünf Fakten, die du kennen solltest
1. Vielseitig wie kaum eine andere Sportart
Radsport ist weit mehr als Tour de France und Rennrad: Er vereint viele Disziplinen, vom Straßenradsport, Bahn und Mountainbike über BMX, Cyclocross und Gravel bis zu Hallenradsportarten wie Kunstradfahren, Radball oder Einradfahren. Besonders im Trend liegen aktuell Gravelbikes, die als Allrounder sowohl für Asphalt als auch für unbefestigte Wege geeignet sind. Auch Indoor-Cycling und Spinningkurse erfreuen sich in Sportvereinen großer Beliebtheit. Ob leistungsorientiert oder einfach zum Spaß: Radsport bietet für jede*n das passende Format.
Mehr zu den einzelnen Disziplinen findet ihr unter: https://www.germancycling.com/
2. Radfahren ist richtig gesund
Radfahren ist ein echtes Wundermittel für Körper und Geist. Schon 4,5 Kilometer täglich senken laut WHO-Studien das Risiko für Herzinfarkt um bis zu 50 %. Auch das Risiko für bestimmte Krebsarten sinkt durch regelmäßige Bewegung. Zusätzlich wirkt Radfahren wie ein Booster für das Gehirn: Es verbessert die Konzentrationsfähigkeit, kurbelt die Kreativität an und kann sogar depressive Symptome lindern. Und wer abnehmen oder in Form bleiben möchte: Eine Stunde Radfahren kann – je nach Tempo und Gelände – bis zu 600 Kalorien verbrennen. Dank des sogenannten „Afterburn-Effekts“ läuft der Stoffwechsel sogar noch nach dem Training weiter auf Hochtouren.
Gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Sporthochschule haben wir einen Trainingsplan für Anfänger*innen erstellt:
Trainingsplan
3. Nachhaltig unterwegs
Radfahren ist nicht nur gesund, sondern auch klimafreundlich. Als emissionsfreies Verkehrsmittel reduziert es CO₂, Feinstaub und Lärm. Im Vergleich zum Auto können pro Kilometer rund 150 Gramm CO₂ eingespart werden. Im Alltag summiert sich das schnell. Gleichzeitig verbessert Radfahren die Luftqualität in Städten und sorgt für mehr Lebensqualität. Kurz gesagt: Wer aufs Rad steigt, schützt die Umwelt und trägt aktiv zu einer nachhaltigeren Mobilität bei.
4. Gemeinschaft auf zwei Rädern
Radsport ist ein Teamsport, obwohl man allein im Sattel sitzt. Im Verein, bei Ausfahrten oder Feierabendtouren entstehen schnell neue Kontakte. Studien zeigen: Gemeinsames Sporttreiben verbessert das seelische Wohlbefinden, senkt Stress und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl. Wer regelmäßig mit anderen unterwegs ist, bleibt motivierter und hat oft mehr Spaß am Training. Für Anfänger*innen gilt: Viele Vereine bieten Angebote für Einsteigerinnen oder gemischte Gruppen.
Auftakt der Sportabzeichen-Tour 2026 am 12. Juni
Seit nunmehr 22 Jahren ist sie im Frühsommer immer wieder deutlich zu spüren: die Vorfreude auf die ganz besondere Atmosphäre während der Tourstopps der Sportabzeichen Tour des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Rund 1.200 Schüler*innen aus Hanau und Umgebung fiebern seit Wochen dem 12. Juni entgegen, wenn es um 8.30 Uhr auf der Sportanlage “An der Lindenau” endlich wieder losgeht.
Auch zwei großartige Sportler*innen zählen die Tage bis zum Tourstopp: Die Rekordmeisterin im Deutschen Kunstturnen, Elisabeth Seitz und der Rekordweltmeister im Bobsport, Francesco Friedrich kommen als Sportbotschafter*innen der Sparkassen Finanzgruppe ins Rhein-Main-Gebiet. Das Unternehmen ist Nationaler Förderer des Deutschen Sportabzeichens und macht Veranstaltungen wie die Sportabzeichen-Tour erst möglich.
Beide Sportler*innen freuen sich sehr auf die Mädchen und Jungen in Hanau. Auf dem Sportplatz geben sie wertvolle Tipps für die einzelnen Sportabzeichen-Disziplinen und motivieren die Schüler*innen tatkräftig bei ihren sportlichen Herausforderungen.
Tolle Gäste und ein abwechslungsreiches Programm
Andree Pfitzner, Rundfunkprofi und dem deutschen Sportabzeichen seit zwölf Jahren als DOSB-Moderator eng verbunden, führt auf unterhaltsame Art durch den Sporttag und sorgt dafür, dass alle den Überblick behalten. Unterstützt wird er von Dominik Kuhn, dem Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Hanau.
Als Ehrengäste haben unter anderen Claus Kaminsky, Oberbürgermeister von Hanau (ab 16.00 Uhr), Dr. Maximilian Bieri, Hanauer Bürgermeister sowie Michaela Röhrbein, DOSB Vorständin Sportentwicklung zugesagt – und natürlich Trimmy, das Maskottchen des DOSB.
Weitere sportliche Unterstützung gibt es ebenfalls: Auch Pia Wunderlich hat sich für den Sporttag angesagt. Pia Wunderlich ist erfolgreiche Ex-Fußball-Nationalspielerin und wurde 2003 mit der Frauen-Nationalmannschaft Weltmeisterin. Mit dem 1. FFC Frankfurt holte sie zwischen 1999 und 2008 insgesamt sechs Deutsche Meisterschaften, sieben DFB-Pokalsiege und gewann dreimal den UEFA-Cup.
Nach der Eröffnung des Sporttages und dem gemeinsamen Aufwärmen mit den Sportbotschafter*innen um 8.30 Uhr warten am Vormittag noch weitere besondere Aktivitäten: Um 9.00 Uhr gibt es für die anwesenden Sportler*innen und Ehrengäste einen Wettbewerb im Zielwurf mit “Knerrn” und “geele Riewe”. Gegen 11.30 Uhr findet eine Autogrammstunde mit den Sportler*innen statt.
Ab 12.30 Uhr haben dann alle Sportbegeisterten und die, die es noch werden möchten, die Chance, das Deutsche Sportabzeichen kostenfrei auszuprobieren oder direkt abzulegen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig, das Anlegen eines eigenen Accounts auf www.sportabzeichen-digital.de aber von Vorteil. Wer den für das Deutsche Sportabzeichen notwendigen Nachweis der Schwimmfähigkeit erbringen möchte, kann das ebenfalls erledigen: im nahegelegenen Lindenau-Bad.
Von 14.00 bis 16.00 Uhr bekommen lokale und regionale Künstler*innen die Chance, sich auf einer „offenen Bühne“ zu präsentieren.
Um 16.00 Uhr steht noch ein besonderes Highlight auf dem Programm: das Fußballspiel „Hanau Allstars“ gegen eine inklusive Mannschaft des Behindertenwerks Main Kinzig – Anstoß durch den Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky.
Bewegung macht Spaß!
Selbstverständlich kommt bei der Sportabzeichen-Tour auch der Spaß nicht zu kurz: Den ganzen Tag über laden Mitmachangebote wie die Reaktions- und die Wurfwand der Sparkassen-Finanzgruppe zur sportlichen Bewegung ein. Weitere Mitmachangebote wie Fußballdart, eine Hüpfburg, das Spielmobil „Augustinchen“, das „Paule-Schnupper Abzeichen“ des DFB für fußballbegeisterte Mädchen und Jungen ab sechs Jahren und einiges andere mehr sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt – inklusionsfördernde Schwerpunkte eingeschlossen.
Und für alle, die dabei Durst bekommen, hält die Wasserbar der Sparkasse eine Erfrischung bereit.
Für die Sportabzeichen-Tour 2026 stehen nach dem Auftakt in Hanau noch vier weitere Tourstopps auf dem Programm: Bereits am 19. Juni ist sie in Hildesheim in Niedersachsen zu Gast. Weiter geht es über Brandenburg an der Havel (Brandenburg) und Freiburg (Baden Württemberg) ins bayerische Kemnath, wo sie am 17. Juli ihr Finale erlebt.
„Im Gesamtergebnis steht es 19:1 für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland“
Am Sonntagabend war klar, dass es in der Hansestadt nicht für ein Ja für Olympische und Paralympische Spiele reichen wird. Nach zuvor 19 gewonnenen Referenden ein Dämpfer für die deutsche Olympiabewerbung?
Thomas Weikert: Das sehe ich nicht so. Zum einen, weil die Menschen, so unser Eindruck nach ersten Analysen, in Hamburg vor allem gegen Spiele in Hamburg und nicht generell gegen Spiele in Deutschland gestimmt haben. Zum anderen gab es in 19 von 20 Referenden im Rahmen der Bewerbung ein Ja für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. Wenn man jede abgegebene Stimme gleichberechtigt zählt und die unterschiedliche Wahlbeteiligung berücksichtigt, haben im Schnitt 60 Prozent der Menschen der Bewerbung zugestimmt. Gepaart mit bundesweiten Umfragewerten von 70 Prozent und starken politischen Beschlüssen in Berlin und Rostock-Warnemünde weiterhin ein klares Zeichen: Die Menschen in Deutschland wollen mehrheitlich die Spiele.
Der DOSB hat stets betont, aus den vergangenen Referenden gelernt zu haben. Das Referendum in Hamburg unterstreicht dies, oder?
Ja, denn es zeigt, dass es die richtige Entscheidung war, den Bewerbern erst die Möglichkeit zu geben, Referenden und andere Beteiligungsformate durchzuführen, bevor der deutsche Sport eine Entscheidung über den deutschen Bewerber, der international ins Rennen geht, trifft. Anders als 2015 steht Deutschland jetzt mit drei starken Bewerbern da. Wir können uns weiter Hoffnung auf die Spiele machen, und das ist es, was die Menschen in Deutschland mehrheitlich wollen.
„Der Stellenwert des Trainerberufs muss deutlich mehr respektiert werden“
DOSB: Lisa, du hast als Berufssoldatin einen sicheren und bestimmt auch aufregenden Beruf. Was hat dich dennoch dazu bewogen, deine Trainerlizenz zu machen?
Lisa Brennauer: Die Jobsicherheit, die mir die Bundeswehr gibt, hat dazu beigetragen, dass ich mich dafür entschieden habe. Mich hat am Leistungssport früher das Schnelllebige, Unplanbare gestört. Als aktive Sportlerin habe ich mir immer vorstellen können, meine Erfahrungen und mein Wissen als Trainerin weiterzugeben. Aber die Unsicherheiten, die damit verbunden sind, haben mich doch eher abgeschreckt. Zu wissen, dass mich die Bundeswehr in meinen Plänen unterstützt und mir eine Sicherheit bietet, sollte es im Trainerjob nicht funktionieren, hat mir den Weg eröffnet, die Zweifel waren weg. Wenn man wie ich mehr als sein halbes Leben im Leistungssport verbracht hat und komplett dafür brennt, dann ist es sehr schwierig, davon loszukommen. Der Sport hat mir so viel gegeben, nun sehe ich es als Teil meiner Rolle als Trainerin, davon etwas zurückzugeben. Das ist mein wichtigster Beweggrund.
Welche Lizenzen hast du wo erworben und wieviel Zeit hat das in Anspruch genommen?
Im Rahmen meiner Ausbildung bei der Bundeswehr konnte ich eine erste Lizenz erwerben, die den Status einer B-Lizenz hat. Meine A-Lizenz habe ich darauf aufbauend bei German Cycling gemacht, in einer Mischung aus Präsenz und digitalen Inhalten. Die A-Lizenz war für mich dann die Grundlage, um mein Studium an der Trainerakademie in Köln aufzunehmen, wo ich gerade im zweiten Jahr mittendrin bin. Das Studium findet in Modulen statt mit einer Präsenzpflicht von vier Tagen im Monat. Im zweiten Jahr kann ich mir die Inhalte noch etwas flexibler zusammenstellen, was als Mutter zweier kleiner Kinder sehr wichtig für mich ist.
Welche Inhalte der Ausbildung waren für dich neu, welche besonders überraschend?
Neu war für mich das Feld der Bewegungslehre, vieles davon kannte ich aus dem Radsport noch nicht, vor allem nicht in der Detailtiefe. Das hat mir an einigen Stellen die Augen geöffnet. Überraschend fand ich das Fach Trainerphilosophie, in dem erfahrene, erfolgreiche Trainer aus ihrer Praxis berichten. Das ist extrem interessant und sehr hilfreich für das Ausbilden einer eigenen Philosophie. Der größte Benefit neben der Wissensvermittlung ist aber der Austausch mit anderen Trainerinnen und Trainern, der die Ausbildung so besonders macht. Gemeinsam mit Menschen aus anderen Sportarten über den Tellerrand zu schauen, sich zu hinterfragen und andere Sichtweisen kennenzulernen, das ist etwas, wovon ich enorm profitiere.
Gab es Dinge, die du vermisst hast?
Es liegt noch so viel Ausbildung vor mir, dass ich das nicht abschließend beurteilen kann. Bislang fehlt mir allerdings nichts, das Studium ist sehr erfüllend.
Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass sich ehemalige Leistungssportler*innen im Trainerberuf engagieren?
Weil wir mitten aus dem Sport kommen und so viele Erfahrungen gesammelt haben, die weitergegeben werden sollten. Wenn ich es auf den Radsport herunterbreche, dann kann ich sagen, dass man über Datenanalyse sehr viel erreichen und vorbereiten kann. Aber die Erfahrung, wie sich ein Straßenrennen wirklich anfühlt und in was für Rennsituationen man geraten kann, und das Verständnis für die Gedanken und Ängste, die Sportlerinnen und Sportler manchmal umtreiben, kann man nicht erlernen. Deshalb ist es aus meiner Sicht extrem wichtig, dass wir uns in diesem Bereich einbringen.
Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Eigenschaften, die eine gute Trainerin haben muss?
Am wichtigsten ist es, ein offenes Ohr für das gesamte Team und die Athletinnen und Athleten zu haben. Ihnen zuzuhören, ihre Ansichten einzubinden und gemeinsam zu Entscheidungen zu kommen, das ist für mich gute Führung. Überhaupt Entscheidungen zu treffen und dazu auch zu stehen, ist ebenfalls wichtig.
Welche dieser Eigenschaften bringt man wegen seines Talents schon mit, wie viele kann man sich antrainieren?
In vielen Bereichen kann man über Training und wissenschaftliche Begleitung sehr viel erreichen. Aber dennoch sind die eigenen Erfahrungen, die man in der aktiven Karriere gemacht hat, unerlässlich. Und natürlich gibt es auch gewisse Talente, die man angesichts seines Charakters für die Trainingsarbeit mitbringen kann. Das Allermeiste allerdings kann man sich antrainieren.









