Neuigkeiten von Sportdeutschland

Maccabiah in Kriegszeiten: Resilienz ist die wichtigste Fähigkeit

Mit wem man auch spricht dieser Tage über die anstehende Maccabiah, die Weltspiele für jüdische Sportler*innen, ein Wort fällt immer: Resilienz. Diese Fähigkeit, Krisen, Schicksalsschläge oder extreme Belastungen zu bewältigen und ohne dauerhafte Beeinträchtigung in das eigene seelische Gleichgewicht zurückzufinden, scheint in diesem besonderen Jahr der Austragung unerlässlich für alle Teilnehmenden zu sein. Die 22. Auflage, die wegen der schwierigen politischen Gesamtlage vom vergangenen auf dieses Jahr verschoben werden musste, steht weiterhin unter dem Motto „More than ever“, was das Grundverständnis dieses Großevents ausdrücken soll. Jetzt erst recht, und auch unter dem Eindruck des schwelenden Konflikts mit dem Iran, sollen Jüdinnen und Juden von diesem Dienstag an bis zum 14. Juli zusammenkommen, um bei größtmöglicher Sicherheit friedlich in den sportlichen Wettstreit zu treten.

In normalen Jahren sind es rund 10.000 Athlet*innen, die an der seit 1932 im Vierjahresturnus ausgetragenen Maccabiah teilnehmen. In diesem Jahr haben sich mehr als 5.000 Aktive aus 66 Nationen angekündigt, um in 32 Sportarten um Medaillen zu kämpfen. Makkabi Deutschland, nationaler Dachverband mit mehr als 8.000 Mitgliedern in 40 bundesweiten Ortsvereinen und Mitgliedsorganisation des DOSB, reist am 30. Juni mit einer aus 170 Personen bestehenden Delegation aus Duisburg, wo über dieses Wochenende das Pre-Camp stattfindet, nach Tel Aviv. Rund 120 davon sind Athlet*innen. Damit stellt Deutschland die größte Delegation Europas, was Alfred Goldenberg ganz besonders freut. „Das ist ein tolles Zeichen, das wir damit setzen können“, sagt der 46 Jahre alte Berliner, der im Präsidium von Makkabi Deutschland für den Sport zuständig ist und als Head of Delegation fungiert.

Der wichtigste Unterschied zu 2025, als die Veranstaltung wenige Wochen vor dem geplanten Start verschoben werden musste, sei die veränderte Sicherheitslage. „Der israelische Luftraum ist geöffnet, es gibt genug Airlines, die das Land anfliegen, und das ist für die Logistik fundamental wichtig“, sagt Goldenberg. Der Gaza-Krieg sei faktisch beendet, der Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 ein weiteres Jahr her, die letzten Geiseln sind freigelassen worden. Dazu müsse man die grundsätzliche Einstellung der Israelis kennen. „Die Menschen dort sind es gewohnt, im Kriegszustand zu leben. Das Land war seit seiner Gründung 1948 nie befriedet, das Leben musste aber trotzdem immer weitergehen.  Also hat die Bevölkerung gelernt, damit umzugehen“, sagt er.

Eine historische Entscheidung – und was sie für Athlet*innen bedeutet

Für alle Mitglieder der weltweiten Sportfamilie, die Überraschungen lieben, dürfte der vergangene Mittwoch ein spannender Tag gewesen sein. Ich glaube, dass nicht viele mit dem gerechnet hatten, was Pau Gasol zum Ende der außerordentlichen Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne verkünden konnte. Der frühere NBA-Spieler und Superstar im Basketball, der unserer IOC-Athletenkommission vorsitzt, stellte das neue Vergütungsprogramm „Fit for the Future Olympian Grant“ vor. Und ich gebe gern zu, dass mich dieser Moment wirklich sehr bewegt hat. Wenn eine Forderung, die seit vielen Jahren seitens der Athletinnen und Athleten weltweit an das IOC herangetragen wurde, zur Realität wird, ist das schon ein Anlass, um einmal kurz innezuhalten und sich seiner historischen Bedeutung zu vergewissern.

Warum ich die Historie bemühe? Weil es das erste Mal ist, dass das IOC als Dachorganisation des Weltsports eine direkte Zahlung an diejenigen veranlasst, die es stets als den Mittelpunkt seines Wirkens bezeichnet. In vielen Gesprächen haben olympische Sportlerinnen und Sportler in den vergangenen Jahren den dringenden Wunsch an ihre gewählte Vertretung adressiert, an den durch ihr Zutun maßgeblich beeinflussten Einnahmen partizipieren zu können. Die Antwort, die wir genauso oft gegeben haben, dass das IOC rund 90 Prozent seiner Einnahmen wieder in den Sport investiert, damit möglichst viele am Erfolg der Olympischen Spiele teilhaben können, hat selten überzeugt. Diese Teilhabe als Cash auf dem eigenen Konto zu sehen – das war das wichtigste Anliegen für viele Athletinnen und Athleten weltweit.

Nun wird Cash fließen. „Fit for the Future Olympian Grant“ ermöglicht es allen Teilnehmenden an Olympischen Spielen, sechs Monate nach ihrer Teilnahme einen Zuschuss von 10.000 US-Dollar zu beantragen. Ausgezahlt wird er an alle, die sich keines Verstoßes gegen den Wertekodex schuldig gemacht haben. Mit rund 14.000 Antragsberechtigten pro Olympiade kalkuliert das IOC, das dafür 140 Millionen Dollar aus Rücklagen der Olympischen Stiftung verwendet. Die Stiftung wurde vom IOC mit der Unterstützung der Aktivitäten der Olympischen Bewegung betraut.

Auf DOSB-Mission durch Afrika: Das abenteuerliche Berufsleben des Tobias Antoni

Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Dem Philosophen und Theologen Augustinus von Hippo, der im 4. Jahrhundert lehrte, wird dieses Zitat zugeschrieben, und wenn man es für bare Münze nimmt, dann ist Tobias Antoni ein Mensch, der ziemlich schnell liest. Die Liste der Länder, die der 31-Jährige in den vergangenen zwei Jahren bereist hat, kann sich jedenfalls sehen lassen. 2024 war er in Uganda, Kenia, Tansania und Burundi, 2025 kam Namibia dazu, in diesem Jahr waren es der Senegal, Südafrika und Simbabwe. Dennoch ist Tobias nicht das, was man klassisch unter einem Weltenbummler verstehen würde, denn die Tripps ins östliche und südliche Afrika hat er nicht in seinem Urlaub absolviert, sondern auf dienstlicher Mission für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Im Jahr 2022 war der Kölner, der an der Deutschen Sporthochschule in Köln ein Masterstudium in „International Sport Development and Politics“ gemacht hat, vom Dachverband Special Olympics Deutschland (SOD) zum DOSB gewechselt, um im Ressort Internationales unter der Leitung von Katrin Grafarend als Referent für Internationale Beziehungen unter anderem das Projekt „Inclusion through Sports“ zu übernehmen. Dessen wichtigstes Ziel ist es, die globale Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung durch gemeinsames Sporttreiben mit Nicht-Behinderten voranzutreiben.

Internationales Engagement wird von großen Sportnationen erwartet

Der DOSB, zu dessen Mitgliedsorganisationen SOD zählt, hat die Federführung dieses Projekts vor vier Jahren übernommen, um über sein starkes Netzwerk mit anderen Nationalen Olympischen Komitees den inklusiven Sport in den globalen Sportstrukturen zu etablieren. Sich in Auslandsprojekten dieser Art zu engagieren, ist für den Dachverband des deutschen Sports ein sehr wichtiges Themenfeld. Solidarität gilt als enorm relevanter Wert in der olympischen Bewegung. Internationales Engagement wird von großen Sportnationen, zu denen Deutschland zweifelsohne zählt, erwartet. Indem der DOSB international Verantwortung für Hilfsprojekte übernimmt, kann er wertvolle Beiträge zur weltweiten Sportentwicklung leisten.

Tobias Antoni hatte, als er zum DOSB kam, keine außergewöhnliche Verbindung zu Afrika. Zwar stammt seine Freundin aus Nigeria, und nach dem Abitur hatte er über den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ als assistierender Sportlehrer ein Jahr in Ghana gearbeitet, was ihn stark prägte. „Aber dass sich mein beruflicher Schwerpunkt in den vergangenen Jahren auf Afrika konzentrieren würde, war Zufall“, sagt er. Was er mitbrachte, war die notwendige Portion Abenteuerlust, die er angesichts seiner Erfahrungen für unerlässlich hält. „Wenn man grundsätzlich ein vorsichtiger Mensch ist, dann ist dieser Job sicherlich nicht das Richtige“, sagt er und grinst breit. Die Fähigkeit zum Improvisieren und der Langmut, sich von Widrigkeiten aller Art nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, seien wichtige Faktoren, um Projektarbeit dieser Ausprägung mit Erfolg und Freude zu verrichten.

Tobias setzt intensiv auf Einbindung lokalen Personals

Seine Hauptaufgabe vor Ort beschreibt Tobias als die des Projektmanagers. In Gruppen von 20 bis zu 50 Personen – im Schnitt sind es 40 – bietet er vier Tage dauernde Workshops an, in denen Menschen aus der Region zu Trainer*innen im Inklusionssport weitergebildet werden. Die direkte Zielgruppe sind Lehrer*innen, die mit rund 80 Prozent die deutlich größte Gruppe stellen, aber auch Trainer*innen und Verbandsvertreter*innen. Zum Abschluss eines jeden Workshops müssen die Prüflinge Mini-Events veranstalten, bei denen vorrangig Kinder und Jugendliche inklusiv miteinander Sport treiben. „Unser wichtigstes Ziel ist es, Menschen aus verschiedenen Sportarten und Lebensbereichen untereinander zu vernetzen, um ein regionales Netzwerk für den Inklusionssport zu knüpfen“, sagt Tobias. Seit dem Projektstart 2023 sind 650 Menschen zu entsprechenden Trainer*innen ausgebildet worden.

Dabei setzt Tobias intensiv auf die Einbindung lokalen Personals, das aus den jeweiligen NOKs oder von Special Olympics kommt. „Ich bringe viel Fachkompetenz mit, spreche aber nicht gut genug Französisch, um damit Kurse alleine leiten zu können. Und Englisch reicht oftmals auch nicht aus, weil insbesondere in ländlichen Regionen die Menschen, die wir schulen, oft lokale Sprachen sprechen. Da ist es unverzichtbar, Mitarbeitende zu haben, die die Sprache sprechen und sich mit den lokalen Gepflogenheiten auskennen“, sagt er. Zwar finden die Workshops oft in den Hauptstädten statt, aber um eine flächendeckende Verbreitung zu garantieren, gehen sie auch auf Tour durch das Land.

„Wir sind in der Lage, dem IOC ein sehr gutes Angebot zu machen“

DOSB: Herr Mronz, wie fällt das Fazit zur 146.-Session aus?

Michael Mronz: Die Session hat in unterschiedlichen Bereichen wichtige Weichen für die Zukunft der Olympischen Bewegung gestellt. Es war eine große Einigkeit innerhalb der olympischen Familie zu spüren. Das von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry initiierte Programm „Fit for the Future“ entfaltet bereits nach einem Jahr ihrer Amtszeit seine erste Wirkung. Die wichtigste Entscheidung war die Stärkung der politischen Neutralität des Sports. Es wurde deutlich gemacht, welch hohe Bedeutung die Autonomie des Sports hat. Der Sport ist ein eigenständiger, positiver Akteur mit Vorbildcharakter, der nicht als Ausputzer politischer Entwicklungen missbraucht werden darf. Aber auch die direkte finanzielle Unterstützung für alle Athletinnen und Athleten, die an den Spielen teilnehmen, ist ein wichtiger Schritt. Aus nationaler Sicht waren zudem die Entscheidungen, die den künftigen Bewerbungsprozess um Olympische Spiele betreffen, von besonderem Interesse. 

Was sind mit Blick auf die deutsche Olympiabewerbung die wichtigsten Änderungen?

Die Änderungen sind eine logische Weiterentwicklung der erfolgreichen Reformen, die unter dem heutigen IOC-Ehrenpräsidenten Thomas Bach umgesetzt wurden. Das IOC reagiert damit auf unterschiedliche Forderungen, die im Konsultationsprozess des vergangenen Jahres artikuliert wurden. Die IOC-Member wollen wieder stärker in den Auswahlprozess involviert werden, die Bewerber möglichst viel Planbarkeit, zeitliche Vorgaben und Transparenz. Ich persönlich finde, dass der neue Prozess die Grundlage dafür bildet, dass viele dieser Wünsche erfüllt werden können. Eine wichtige Neuerung ist dabei die Einführung einer zusätzlichen Dialogstufe. Auf den „Continuous Dialogue“ folgt jetzt der „Strategic Dialogue“. Diese strategische Dialogphase soll im Rahmen der Vergabe der Spiele 2036 erstmals im März 2027 beginnen und den Austausch zwischen dem IOC und interessierten Bewerbern weiter vertiefen, auch um eine möglichst hohe Passfähigkeit mit den IOC-Zielen zu schaffen. Ende 2028 soll – so die vorgestellten Planungen – dann der „Targeted Dialogue“ mit einem oder mehreren Bewerbern eröffnet werden.

Bedeutet die Tatsache, dass ein „Targeted Dialogue“ mit mehreren Bewerbern eröffnet werden kann, automatisch, dass es bei der IOC-Session zu einer Kampfabstimmung kommen wird?

Nein, nicht zwingend. Auch bislang war es möglich, dass das IOC den „Targeted Dialogue“ mit mehreren Bewerbern eröffnet. Und auch wenn sich mehrere Bewerber in dieser Dialogstufe befinden sollten, ist es möglich, dass am Ende der Session nur ein Kandidat vorgeschlagen wird.

IOC-Generalversammlung beschließt wichtige Neuerungen

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat auf seiner außerordentlichen Generalversammlung am Hauptsitz in Lausanne (Schweiz) am Mittwoch wichtige Neuerungen im Rahmen des „Fit for the Future“-Prozesses vorgestellt, die auch die Bewerbung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele im Zeitraum 2036 bis 2044 betreffen. Der französische Ex-Kanute Tony Estanguet, Chef des Organisationskomitees der Spiele von Paris 2024, bestätigte als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Olympic Games Delivery“, dass die Spiele 2036 im Jahr 2029 vergeben werden sollen. „Unsere Partner und Stakeholder hatten in vielen Gesprächen auf eine klare Zeitschiene gedrängt, die wir nun garantieren wollen“, sagte er.

Kirsty Coventry, Schwimm-Olympiasiegerin aus Simbabwe und seit einem Jahr als Nachfolgerin von Thomas Bach als IOC-Präsidentin im Amt, betonte in ihrer Eröffnungsrede, das IOC habe die Verantwortung, sich auf die Veränderungen der Gesellschaft einzustellen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten. „Der Moment, in dem man aufhört, sich weiterzuentwickeln, ist der Moment, in dem man zurückfällt. Der Fit-for-the-Future-Prozess ist unser Werkzeug, um die nötigen Weiterentwicklungen voranzutreiben“, sagte die 42-Jährige.

Um künftigen Bewerbern mehr Zeit für eine Weiterentwicklung und mehr Unterstützung durch das IOC zu ermöglichen, wird für anstehende Vergaben eine neue Ebene zwischen dem Continuous und dem Targeted Dialogue eingeführt. Im Continuous Dialogue, in dem sich der DOSB seit Ende November 2025 mit dem IOC befindet, finden regelmäßige Gespräche mit interessierten Kandidaten statt, die dem Austausch und der Optimierung der Konzepte dienen. Diesen soll im März 2027 der Strategic Dialogue ablösen, der Ende 2028 in den Targeted Dialogue übergeht, den das IOC eröffnet, wenn es mit einem oder mehreren Bewerbern ein Konzept für ein konkretes Jahr entwickeln möchte.

DOSB-Präsident Weikert begrüßt die “klare Zeitschiene”

„Damit geben wir potenziellen Gastgebern mehr Unterstützung und einen klaren Zeitplan und den IOC-Mitgliedern die von ihnen eingeforderte bessere Möglichkeit zur Mitsprache“, sagte die frühere kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic, die im IOC die Future-Host-Kommission leitet. DOSB-Präsident Thomas Weikert sagte: „Wir begrüßen die Einführung einer klaren Zeitschiene für die Vergabe Olympischer Spiele, weil diese allen Kandidaten eine Orientierung für den weiteren Bewerbungsprozess geben wird.“

Bezüglich der Auswahl der Sportarten bei Olympischen Spielen wird mit Beginn der Sommerspiele in Brisbane (Australien) 2032 ein System eingeführt, das Geschlechtergleichheit, globale Anziehungskraft, Nachhaltigkeit und Kostenersparnis in den Vordergrund rückt. Damit können Sportarten in ihrer Gesamtheit, aber auch nur einzelne Disziplinen nachvollziehbarer und transparenter durch zukunftsträchtigere Kandidaten ersetzt werden. Fachverbände, deren Sportarten aus dem Programm gestrichen werden, werden künftig für einen weiteren olympischen Zyklus gefördert und können sich in der Folge um Wiederaufnahme bewerben.

Eine Bewegung, die verbindet

Es ist kurz nach neun Uhr, die Sonne liegt schon warm über der Domstadt, als Moderator Kai Gemeinder das Mikrofon hebt und zehn Schulklassen der Stufen drei bis sechs zum Olympic Day begrüßt. Vor ihm der Rhein, hinter ihm das Deutsche Sport & Olympia Museum (DSOM) – und für die nächsten vier Stunden gehört der Tag den Schüler*innen, die an diesem Dienstag aus Köln und der Region angereist sind, um den Geburtstag der Olympischen Bewegung zu feiern.

Der Olympic Day am 23. Juni erinnert jährlich an die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Jahre 1894 in Paris. Weltweit beteiligen sich daran mehr als 100 Nationale Olympische Komitees mit Sport-, Kultur- und Bildungsangeboten. In Deutschland richtet die Deutsche Olympische Akademie (DOA) im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) das zentrale Event aus – bereits seit über zehn Jahren am selben, bewährten Ort: im DSOM am Rheinauhafen. 

Drei Runden, ein Programm 

Nach dem Warm-up mit Breaking auf der Rheinterrasse eröffnen Gemeinder, DOA-Vorständin Katja Kliewer und Museumsdirektor Dr. Andreas Höfer den Tag offiziell. Es folgen drei Programmrunden, in denen sich die Klassen abwechselnd auf Athlet*innen-Talks, Museumsführungen und Aktionsstände verteilen – ein Format, das den Schüler*innen ermöglicht, in kleineren Gruppen mit den Sportler*innen von Team D, Team D Paralympics und Special Olympics ins Gespräch zu kommen.  

„Mein Selbstbild hat nicht gestimmt, jetzt fühle ich mich wieder viel mehr“

Leichtigkeit, vor allem anderen. Das, sagt Johanna Schikora, sei das Gefühl, mit dem sie in dieser Woche bei den Weltmeisterschaften im Flossenschwimmen in Südkoreas Hauptstadt Seoul in ihr voraussichtlich letztes internationales Großevent startet. Man muss ihre Geschichte kennen, um zu verstehen, wie besonders es ist, dass sie diese Leichtigkeit empfinden kann. Denn das, was die 24-Jährige in den vergangenen zwei Jahren erlebt hat, kann Menschen bis zur Selbstaufgabe zermürben. Es kann sie aber auch resilient machen. Und so ist dieser Satz, den sie als eine Art Zusammenfassung ihres Leidenswegs ausspricht, vielleicht mehr wert als all die Medaillen, die sie über die Jahre gewonnen hat. „Ich fühle mich wieder viel mehr“, sagt Johanna Schikora im Abschiedsgespräch mit dem DOSB, und die Entschlossenheit, die aus ihrem Gesicht zu lesen ist, unterstreicht, dass sie es genauso meint.

Johanna Schikora, geboren und aufgewachsen in Berlin, wo sie auch heute noch lebt, galt vor einigen Jahren als Deutschlands beste Flossenschwimmerin. 2021 hatte sie in Tomsk (Russland) ihren ersten WM-Titel im Erwachsenenbereich erkämpft. Ein Jahr später wurde sie in Birmingham (USA) World-Games-Siegerin über 400 Meter. „Das war einer der schönsten Momente meiner Karriere. Meine Paradestrecken sind eigentlich die 800 und 1.500 Meter, aber bei den World Games sind die 400 die längste Distanz. Ich bin ohne große Erwartungen angetreten, und plötzlich hatte ich Gold um den Hals. Das hat so unfassbar viel Spaß gemacht, ich kann kaum beschreiben, welche Emotionen ein solcher Erfolg freisetzt“, sagt sie.

Ihr Hang zum Perfektionismus hat etwas Selbstzerstörerisches

Was sie damals nicht ahnte: Dass der größte Erfolg ihres sportlichen Lebens bei den Weltspielen der nicht-olympischen Sportarten viele Gewissheiten ins Rutschen bringen würde. Die Frage, was nach einem solchen Triumph noch kommen könnte, wenn man ihn als 20-Jährige erlebt, drängte schnell in ihr Bewusstsein. Und da Johanna ein Mensch ist, in dessen Kopf niemals Ruhe herrscht, wurde sie von einer Welle überrollt, der sie auch mit der Monoflosse an den Füßen nicht gewachsen war. „Ich hatte immer das Gefühl, ich muss weitermachen, muss den Erfolg bestätigen. Das war mein innerer Antrieb, und obwohl ich fühlte, dass ich gar nicht mehr ins Wasser wollte, und alle verstanden hätten, wenn ich mir eine Pause gegönnt hätte, war das für mich niemals eine Option“, sagt sie rückblickend.

In einem eindrucksvollen Portrait, das vor einigen Wochen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschien, schildert Johanna der mit ihr gut bekannten Redakteurin in schonungsloser Offenheit, dass ihr Hang zu Perfektionismus etwas Selbstzerstörerisches in sich birgt. Nicht nur im Sport wollte sie stets die Beste sein. Sie schloss das Abitur mit der Traumnote 1,0 ab, beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ war sie Bundespreisträgerin im Klavierspielen. „Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich Anerkennung dafür bekomme, wenn ich Außergewöhnliches leiste. Also habe ich daraus geschlossen, dass ich nichts wert bin, wenn ich nichts leiste. Das habe ich so sehr verinnerlicht, dass eine Pause vom Leistungssport in meiner Gedankenwelt gar nicht vorkam“, sagt sie im DOSB-Interview.

Mit 16 Jahren zeigte sich erstmals eine Essstörung bei Johanna

Bereits mit 16 Jahren hatte sich eine Essstörung manifestiert, weil Johanna Ungesundes vom Speiseplan strich. Während der Corona-Zeit sorgte die Einsamkeit für eine Verschlechterung, sie begann, sich nach dem Essen zu erbrechen. Mittels eines Ernährungsplans konnte sie ihren Zustand stabilisieren und in den Folgejahren die größten sportlichen Erfolge einfahren. Doch nach der emotionalen Berg- und Talfahrt im Jahr 2022 nahmen die Probleme wieder zu, weil sie unterbewusst spürte, dass weniger Essen zu weniger Leistung und damit auch zu weniger Leistungsdruck führen könnte. Die Quittung für diesen Raubbau reichte ihr Körper bei der WM 2024 in Serbiens Hauptstadt Belgrad ein. Sie wurde Weltmeisterin über 1500 Meter, konnte aber zum Finale über 400 Meter nicht mehr antreten, weil ihre eine Bandscheibenvorwölbung unerträgliche Schmerzen bereitete.

In die Erleichterung, eine plausible Ausrede dafür zu haben, nicht mehr schwimmen zu müssen, mischte sich schnell das Gefühl der Unvollkommenheit und die Angst davor, was sie ohne ihren Sport überhaupt noch darstellen würde. Im März 2025 brach Johanna endgültig zusammen – und entschied, sich in eine Fachklinik für Essstörungen zu begeben. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrückte sie bei ihren Eltern, die sich die gesamte Karriere über intensiv um ihre Tochter gekümmert hatten. Drei Monate blieb sie im Krankenhaus, wo sie lernte, Essen nicht als Feind zu betrachten. Nur einen Monat nach der Entlassung trat sie, völlig außer Form, bei den World Games in Chengdu (China) an. Im Einzelrennen über 400 Meter wurde sie mit fast 20 Sekunden Rückstand auf Gold Letzte, in der Staffel reichte es ebenfalls nicht zu mehr.

Ein saarländisches Sommermärchen, das alle stolz zurückblicken lässt

4.300 Athlet*innen, zwölf internationale Delegationen, 27 Sportarten, 2750 Untersuchungen beim begleitenden Gesundheitsprogramm „Healthy Athletes“, 3100 Volunteers, 110.000 Besucher*innen in den 23 Sport- und Veranstaltungsstätten. Es sind Zahlen, die beeindrucken, angesichts der erlebten Emotionen aber noch nicht die ganze Geschichte erzählen. 

Die Special Olympics Nationale Spiele sind nicht nur die größte Multisportveranstaltung Deutschlands für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung, sie waren auch das größte Sportereignis der saarländischen Historie. „Wir wollten daraus gemeinsam unser saarländisches Sommermärchen machen – und das haben wir geschafft“, wendete sich Reinhold Jost, saarländischer Minister für Inneres, Bauen und Sport, auf der Abschlussfeier am Tblisser Platz an die vielen Besucher, winkte in die bunte Menge und richtete vor dem Staatstheater seinen „Dank an alle, die ihren lohnenden Beitrag zum Erfolg der Spiele geleistet haben.“ Nicht nur die Wettkämpfe an 23 Sportstätten zählten dazu, sondern ein üppiges Rahmenprogramm, das mit Familienempfang, dem Wettbewerbsfreien Angebot am SPORTCAMPUS SAAR, dem Special Olympics Festival, dem Healthy Athletes Programm und weiteren Projekten und Veranstaltungen überall in der Gastgeberregion begeisterte.

Mit noch mehr Verantwortung in eine ganz besondere Woche

Der ganz große Druck ist weg, und das ist auch gut so, denn dadurch hat Linnea Weidemann die Möglichkeit, ihr ganz besonderes Heimspiel noch ein wenig mehr zu genießen. Nach einem erfolgreichen Ausflug nach London mit Siegen über Gastgeber England (2:1, 3:0) und Australien (5:1) haben sich die deutschen Hockeydamen in der vergangenen Woche im Nationenwettbewerb Hockey Pro League (HPL) vom letzten Tabellenrang ins Mittelfeld vorgearbeitet. Wenn in dieser Woche auf dem Ernst-Reuter-Sportfeld in Berlin die abschließenden vier Partien anstehen (Spielplan und Modus siehe Infobox), können die „Danas“ den Klassenerhalt in der HPL perfekt machen. Nur der Letzte der Neunergruppe, aktuell England mit drei Punkten Rückstand auf die Deutschen, darf in der kommenden Saison nicht mehr im Kreis der Topnationen mitspielen.

„Die Pro League ist für unsere Entwicklung wichtig, weil sie regelmäßige Spiele gegen die besten Mannschaften der Welt garantiert, an die man sonst wegen des engen internationalen Terminkalenders kaum noch herankommt“, sagt Linnea Weidemann, für die die vier Auftritte in Berlin mehr bedeuten als für alle anderen Akteurinnen im Kader von Bundestrainerin Janneke Schopmann. Die 22 Jahre alte Innenverteidigerin vom Berliner HC, die das Team gemeinsam mit Lisa Nolte (25) vom Düsseldorfer HC als Kapitänin anführt, ist die einzige deutsche Spielerin, die für einen Verein aus der Hauptstadt aktiv ist. Lena Micheel (28), in Berlin geboren und bei Zehlendorf 88 und TuS Lichterfelde ausgebildet, spielt seit vielen Jahren in Hamburg, aktuell für den Großflottbeker THGC.

„Ich habe auf diesem Platz schon gespielt, als es noch Naturrasen war“, erinnert sich Linnea an ihre Anfänge zurück, „deshalb bedeutet es mir sehr viel, diese Chance zu bekommen. Auch wenn wir schon zweimal Pro-League-Spiele in meiner Heimat hatten, ist die Vorfreude auch diesmal riesig. Es ist einfach cool, dass meine Familie und mein Freundeskreis alle dabei sein können.“ Gleichzeitig sei es Ehre und Verpflichtung gleichermaßen, von den Nachwuchsspieler*innen des BHC als Vorbild angesehen zu werden. „Ich glaube schon, dass es für die Kinder eine große Motivation ist zu sehen, wie weit man es auf internationaler Bühne bringen kann. Ich freue mich sehr, dass ich das weitergeben und vielleicht für einige als Idol zur Verfügung stehen kann“, sagt sie.

Als 18-Jährige debütierte sie 2022 bei der WM im A-Kader

Im Fokus zu stehen, das ist mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr für Linnea. Als 18-Jährige debütierte sie bei der Weltmeisterschaft 2022 in den Niederlanden und Spanien, die Deutschland auf Rang vier abschloss, im A-Nationalteam. Nach dem Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gab es einen großen Umbruch im Kader, der die Abwehrstrategin, die in Berlin an einer Partnerhochschule des Olympiastützpunktes Volkswirtschaftslehre studiert, in den Kreis der Arrivierten spülte. „Wir sind deutlich jünger geworden. Die größte Veränderung für mich ist, dass ich nicht mehr das junge Küken bin, das ein bisschen mitspielt. Ich habe mehr Verantwortung, die ich gern trage und auf dem Platz für unser Spiel umsetze“, sagt sie. Wobei der klare Blick, mit dem sie in der Spieleröffnung zu brillieren weiß, auch für ihre Selbsteinschätzung hilfreich ist. „Mir ist bewusst, dass ich das Meiste noch längst nicht perfekt mache und in vielen Situationen lernen kann. Ich mache aber viele Dinge mittlerweile bewusster und nicht mehr aus dem Bauch heraus, ob es Ansagen sind oder das Treffen von Entscheidungen, wie wir spielen wollen. Ich bin lauter und präsenter, ohne dabei mein eigenes Spiel zu vergessen“, sagt sie.

Unter der Niederländerin Schopmann, die im November 2024 das Amt von Valentin Altenburg übernommen hatte, hat sich der Spielstil der „Danas“ durchaus verändert, findet Linnea Weidemann. „Es ist nicht mehr nur klassisches deutsches Hockey mit viel Ballbesitz und klarer Struktur, wir spielen schneller und mit mehr Variabilität“, sagt sie. Der größte Unterschied zwischen Altenburg, der seinen Spielerinnen sehr viele Freiräume zur eigenen Entfaltung ließ, und dessen Nachfolgerin sei, dass es deutlich mehr Vorgaben gebe. „Janneke gibt uns klare Anweisungen, sie hat ihre Vorstellung, wie wir spielen sollen, und zieht das durch.“ Das Feedback der Trainerin sei „sehr klar, manchmal schroff, aber immer ehrlich. Man braucht schon ein gewisses Selbstbewusstsein, um damit klarzukommen. Aber ich will das nicht als Wertung verstanden wissen, wir sind mit ihr in einem guten Austausch.“

Jörg Adami übernimmt Geschäftsführung der DOSB E-Sport gGmbH

Mit der Gründung der DOSB E-Sport gGmbH zum 1. Juni 2026 hat der DOSB eine eigenständige Plattform geschaffen, um sein Engagement an der Schnittstelle von Sport, Gaming und digitaler Kultur partnerschaftlich, werteorientiert und zukunftsgerichtet weiterzuentwickeln. Mit der Besetzung der Geschäftsführung wird nun der nächste Schritt in der operativen Umsetzung vollzogen.

Jörg Adami verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Leistungssportförderung, Nachwuchsentwicklung und E-Sport. Der 56-Jährige war unter anderem mehr als zehn Jahre Mitglied des Vorstands der Stiftung Deutsche Sporthilfe sowie Mitgründer und Geschäftsführer der „esports player foundation“. Zuletzt begleitete er die Konzeption und Gründung der DOSB E-Sport gGmbH.

„In Jörg Adami gewinnen wir eine Persönlichkeit, die sowohl die Strukturen des organisierten Sports als auch die Dynamiken der digitalen Generation und des E-Sports kennt. Sein Netzwerk, seine Erfahrung in der Talentförderung und seine Fähigkeit, unterschiedliche Akteure zusammenzubringen, werden entscheidend sein, um die Ziele der DOSB E-Sport gGmbH erfolgreich umzusetzen“, sagt Leon Ries, Vorstand Jugend im DOSB.

Ein Paradies für Fans deutscher Sportgeschichte

Für diese besondere Operation muss Gregor Baldrich ein Paar weiße Stoffhandschuhe überstreifen. Aus einem sorgsam verschlossenen Metallschrank hat er ein schon leicht ramponiertes Kunststoffkästchen gezogen, das er nun, da er bereit ist, dessen Inhalt vor Fingerabdrücken zu schützen, aufklappt. Zum Vorschein kommt ein rundes Stück Metall, das Laien nur schwer als das Schmuckstück identifizieren könnten, das es ist. Baldrich, 60 Jahre alt, von hagerer Statur und mit einem stets etwas verschmitzt wirkenden Lächeln im Gesicht in seinem „Reich“ unterwegs, streicht liebevoll über die Oberfläche und erklärt: „Das ist eine Bronzemedaille der Olympischen Sommerspiele von 1956 in Melbourne.“ Zum Vergleich legt er dem Besucher eine der Medaillen aus Rio de Janeiro in die Hand, die 60 Jahre später an die Drittplatzierten der Sommerspiele ausgeteilt wurden. Wuchtig und schwer kommt diese daher. Früher, denkt man unweigerlich, war also sicherlich nicht alles besser, aber manches leichter.

Gregor Baldrich ist im Deutschen Sport & Olympia Museum (DSOM) verantwortlich für die Leitung der Sammlung. Auf einer Ausstellungs- und Aktionsfläche von mehr als 2.000 Quadratmetern werden im Kölner Rheinauhafen in der Dauerausstellung rund 2.000 Exponate gezeigt. Am Olympic Day, der jährlich am 23. Juni an die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am 23. Juni 1894 und die Wiedereinführung der Olympischen Spiele durch Pierre de Coubertin in Paris erinnert, ist das Museum stets der Mittelpunkt der deutschen Olympiawelt. Aber weil die Sammlung insgesamt rund 100.000 Objekte umfasst, hatte der DOSB anlässlich des diesjährigen Olympic Days um einen Termin im Zentraldepot im Kölner Stadtteil Mülheim gebeten, um einmal zu ergründen, welche Schätze der sportinteressierten Öffentlichkeit aus Platzgründen nicht präsentiert werden können. Und Gregor Baldrich ist der Mann, der sich in dem 800 Quadratmeter einnehmenden Paradies für Enthusiast*innen der Sporthistorie auskennt wie niemand sonst.

Seit März lagern alle Exponate in einem Zentraldepot

Dass über den gesamten Raum verteilt noch Dutzende nicht ausgepackter Kartons stehen, bittet er gleich beim Betreten zu entschuldigen. Erst im März war der Umzug abgeschlossen worden, der sich über mehrere Monate hinzog, nachdem die Exponate viele Jahre über mehrere kleine Depots verteilt gewesen waren. „Jetzt haben wir alles an einem Ort beisammen, was eine zentrale Sicherheit, bessere Forschungsmöglichkeiten und auch eine zentrale Anfahrt bietet. Aber es wird noch etwas dauern, bis hier alles in Ordnung ist“, sagt er. Wobei ein Depot doch grundsätzlich lebendig wirkt, wenn ein wenig Unordnung herrscht, weil dann sichtbar wird, dass die Sammlung ständiger Veränderung ausgesetzt ist. Aber Gregor Baldrich, der seit 20 Jahren im DSOM arbeitet, ist ein Freund davon, sich schnell zurechtfinden zu können. Jedes Exponat ist nummeriert und archiviert, zu jedem, das er entgegennimmt, notiert sich Baldrich dessen Geschichte.

Die Idee, ein Museum für die deutsche Olympiageschichte zu errichten, war 1972 im Rahmen der Sommerspiele in München entstanden. Das erste Sammlungskonvolut steht im Kontext des 11. Olympischen Kongresses vom 23. bis 28. September 1981 im Kurhaus von Baden-Baden, der mit der Beendigung des klassischen Amateurstatus und der Öffnung Olympischer Spiele für Profis Sportgeschichte schrieb. Dort gab es eine Ausstellung, Teile dieser fanden Einzug in die Sammlung des Museums. „Zunächst wurde breit gestreut gesammelt, später dann zielorientierter, bis 1999 das passende Gelände gefunden war und das Museum eröffnen konnte“, sagt Gregor Baldrich.

Die Exponate kommen aus vier Hauptquellen

Aus vier Hauptquellen speist sich seit 45 Jahren der Bestand. Entweder überlassen Athlet*innen oder andere Funktionsträger*innen dem Museum einige Objekte oder die Gesamtheit ihres Besitzes als Leihgabe oder Schenkung, oder Hinterbliebene vermachen nach dem Ableben der Besitzer deren Hab und Gut dem DSOM, das Gregor Baldrich manchmal auch persönlich abholt. Hat ein Objekt einen besonderen, meist ideellen Wert für die Sammlung, wird auch bei Auktionen zugekauft. Mittel dafür stehen, wie auch für den Betrieb des Museums und die Lagermiete, dank der Förderung des DOSB und des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch die Einnahmen an der Museumskasse zur Verfügung.

Die vierte und verlässlichste Quelle ist die Mitgliedschaft des Museums im Olympic Museums Network, das 2006 am IOC-Sitz in Lausanne (Schweiz) gegründet wurde mit dem Ziel, 36 Olympiamuseen weltweit untereinander zu vernetzen und ihnen die Möglichkeit zu geben, an begehrte Erinnerungsstücke wie Medaillen und Fackeln der unterschiedlichen Ausgaben der Olympischen Spiele zu kommen. In seiner Dauerausstellung präsentiert das DSOM zahlreiche Fackeln seit 1936, als für die von den Nazis vereinnahmten Heimspiele in Berlin die Idee des Fackellaufs geboren wurde. In zwei Metallschränken lagern in Köln-Mülheim auch diverse Fackeln von Winterspielen und Paralympics. „Für die Olympischen Spiele 1952 in Helsinki wurden nur 22 Fackeln produziert. Davon eine zu besitzen, ist sehr besonders. Heute werden große Mengen von Fackeln produziert, denn alle Teilnehmenden des Fackellaufs dürfen ihr Exemplar behalten“, sagt Gregor Baldrich.

Sportfördergesetz auf der Zielgeraden

Nach mittlerweile vier Jahren intensiver Arbeit an der Spitzensportreform stehen die entscheidenden Wochen an: Noch vor der parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli will der Bundestag das Sportfördergesetz beschließen. Damit steht die Neuordnung des Spitzensportsystems in Deutschland kurz vor dem Abschluss. Das Parlament schafft mit dem Sportfördergesetz erstmals auf Bundesebene eine eigenständige gesetzliche Grundlage für die Förderung und Steuerung des Leistungssports.

Das Sportfördergesetz und die geplante Spitzensportagentur können echte „Gamechanger“ für mehr Effizienz, mehr Flexibilität und mehr Verlässlichkeit im deutschen Spitzensportsystem sein. Um diese Ziele zu erreichen, muss das Gesetz aber noch an zentralen Stellen nachjustiert werden. Anlässlich der Sachverständigenanhörung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt am kommenden Mittwoch legt der DOSB konkrete Verbesserungsvorschläge für das Sportfördergesetz vor und appelliert an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, diese Vorschläge aufzugreifen und den Paradigmenwechsel im Spitzensport damit konsequent umzusetzen.

Die Forderungen des organisierten Sports

Ein zentraler Punkt ist die klare Verankerung der Finanzierungszuständigkeit des Bundes im Gesetz. Ohne ein eindeutiges Bekenntnis drohen weiterhin Unsicherheiten und mögliche Finanzierungslücken. Ziel ist es, die Spitzensportförderung von einer freiwilligen Aufgabe zu einer verbindlichen staatlichen Leistung weiterzuentwickeln. Damit würde nicht nur die langfristige Planung für Verbände gestärkt, sondern auch die Bedeutung des Spitzensports im nationalen Kontext – auch mit Blick auf die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland – gesetzlich unterstrichen.

Darüber hinaus fordert der organisierte Sport eine Sitzverteilung im Stiftungsrat der geplanten Spitzensportagentur, die die Augenhöhe von Politik und Sport gewährleistet. Um diese tatsächlich umzusetzen, muss das strukturelle Ungleichgewicht zulasten der Sports im Aufsichtsgremium durch einen zusätzlichen Sitz reduziert werden.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Rolle des Bundesverwaltungsamtes. Das klare Ziel des Gesetzes ist es, die Anzahl der entscheidungsbeteiligten Akteure zu reduzieren. Dafür wäre eine Klarstellung notwendig, dass das BVA lediglich eine Dienstleistungsfunktion für die Agentur übernehmen soll. Die derzeitige Ausgestaltung im Gesetzentwurf bleibt diesbezüglich unklar, so dass auch die Weiterführung der aktuellen Rolle als Bewilligungsbehörde interpretierbar bleibt. 

Auch die Frage der Entscheidungsbefugnisse innerhalb der Spitzensportagentur spielt eine zentrale Rolle. Der DOSB fordert, dass die Kompetenz zur Festlegung von Förderkonzepten und -richtlinien beim Vorstand der Spitzensportagentur liegen muss. Nur so können die Agenturverantwortlichen die intendierte Gestaltungsaufgabe tatsächlich wahrnehmen. Eine Verlagerung dieser operativen Entscheidungen auf das Aufsichtsgremium würde die Unabhängigkeit der Vorstände und damit der Agentur maßgeblich einschränken.

Bürokratieabbau muss vorangetrieben werden

Beim Thema Bürokratieabbau sieht der organisierte Sport ebenfalls noch deutlichen Nachbesserungsbedarf. Zwar enthält der Gesetzentwurf erste Ansätze, etwa durch mehrjährige Fördermöglichkeiten und Verbandsbudgets, doch gehen diese aus Sicht des DOSB nicht weit genug. Gefordert werden unter anderem vereinfachte Verfahren, Ausnahmen vom Besserstellungsverbot, eine stärkere Digitalisierung sowie die Festbetragsfinanzierung als Regelfall. 

Schließlich spricht sich der DOSB für eine Änderung bei der Wahl des Stiftungsratsvorsitzes aus. Der Gesetzentwurf sieht diesen derzeit beim Bundeskanzleramt. Stattdessen plädiert der organisierte Sport für eine Wahl aus dem Kreis der vom Bund entsandten Mitglieder, um die demokratische Legitimation zu stärken – insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Vorsitz bei Stimmengleichheit eine entscheidende Rolle spielt.

Spitzensport ist nur dann erfolgreich, wenn unsere Athlet*innen ein stabiles Umfeld vorfinden. Deshalb müssen in einem weiteren Schritt die soziale Absicherung der Athlet*innen gestärkt, die Rahmenbedingungen für Trainer*innen verbessert und Investitionen in die Zukunftsfähigkeit von Spitzensportstätten getätigt werden. 

Kein Gesetz verlässt den Bundestag so, wie es hineingekommen ist

Das Sportfördergesetz hat auf seinem Weg hin von ersten Eckpunktepapieren über Referentenentwürfe bis hin zum jetzt vorliegenden Gesetzentwurf zahlreiche Änderungen erfahren und Anregungen des organisierten Sports aufgenommen. Jetzt gilt es auf den letzten Metern noch den Feinschliff vorzunehmen. Das „Struck´sche Gesetz“, wonach kein Gesetz den Bundestag so verlässt, wie es hineingekommen ist, wird auch dieses Mal Anwendung finden. 

Am kommenden Mittwoch findet mit der Sachverständigenanhörung im Ausschuss für Sport und Ehrenamt die letzte Beteiligungsmöglichkeit für Verbände statt. Vertreter*innen aus dem organisierten Sport, von Trainerverbänden und Athletenvereinigungen erhalten die Möglichkeit, den Gesetzentwurf fachlich zu bewerten und Änderungsvorschläge zu unterbreiten. Für den DOSB wird Dr. Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport, teilnehmen. Die Abgeordneten erhalten die Möglichkeit, gezielt nachzufragen und ein breiteres Meinungsbild zu erhalten. Die Anhörung dient dazu, die unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen und die Grundlage für mögliche Anpassungen im weiteren parlamentarischen Verfahren zu schaffen. Sie ist damit ein zentrales Element, in dem sich entscheidet, welche der vorgebrachten Argumente und Vorschläge in die finale Fassung des Gesetzes einfließen.

Nach der Anhörung werden die Berichterstatter der Koalitionsfraktionen die möglichen Änderungen beraten und der Ausschuss für Sport und Ehrenamt noch in der kommenden Woche oder in der letzten Sitzungswoche vor Sommerpause im Juli in einer sogenannten Beschlussempfehlung den Gesetzentwurf abändern. Die Zustimmung des Bundestages in zweiter und dritter Lesung ist dann der finale Schritt, dieser kann auch in der Juli-Sitzungswoche stattfinden. Der Bundesrat wird das Gesetz dann vermutlich erst im September abschließend beraten.