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Raphael Kandra kämpft für die Realisierung seines Kindheitstraums
Er hat die olympische Bühne noch nie bespielen dürfen. Aber die Kraft, die von den fünf Ringen ausgeht, die spürt Raphael Kandra an jedem Arbeitstag. Seit im Herbst 2023 seine Sportart Squash ins Programm der Sommerspiele 2028 in Los Angeles aufgenommen wurde, dreht sich in dem Mitte des 19. Jahrhunderts in England entstandenen Rückschlagsport auf Hochleistungsebene fast alles darum, die Qualifikation für die Olympiapremiere zu schaffen. „Es ist unübersehbar, wie krass der Fokus weltweit auf Los Angeles liegt“, sagt der 35-Jährige, der sich dem Reiz der ersten Teilnahme auch nicht entziehen kann. „Vor drei Jahren hatte ich das Ende meiner Karriere früher kommen sehen. Mit der Möglichkeit, doch noch Olympische Spiele als Athlet erleben zu können, hatte ich niemals gerechnet. Aber mit der Aussicht auf ein Ticket für Los Angeles gebe ich natürlich noch einmal alles, um das zu erleben“, sagt er.
Und das ist gut so, denn zum Aufhören ist der gebürtige Fürther noch viel zu gut. Auf Rang 39 ist Raphael, der 2019 als erster Deutscher den EM-Titel gewinnen konnte, der einzige Team-D-Athlet in den Top 100 der Weltrangliste. Bei der Team-EM, die von diesem Mittwoch bis Samstag in Amsterdam (Niederlande) ansteht, führt er die deutschen Männer an. Eine Woche darauf reist er als einziger deutscher Starter zur Einzel-WM nach Gizeh (Ägypten), für das 64er-Feld hat er einen der 48 direkten Startplätze dank seiner Weltranglistenposition sicher. Ihn als Aushängeschild des Deutschen Squash-Verbands (DSQV) zu bezeichnen, wäre fast schon untertrieben.
Und dennoch ist der Weg nach Kalifornien ein extrem steiniger. Für die Einzelwettkämpfe sind pro Geschlecht nur 16 Teilnehmende zugelassen, eine Doppelkonkurrenz gibt es nicht. „Uns bricht es das Herz, wenigstens 32 hätten wir uns schon gewünscht, damit möglichst viele Athletinnen und Athleten diese Premiere erleben könnten“, sagt er. Da pro Nation nur maximal zwei Starter*innen pro Geschlecht gestattet sind, stehen die Chancen zwar deutlich besser, als wenn aus führenden Ländern wie Ägypten unbegrenzt Teilnehmende erlaubt wären. Der komplizierte Qualifikationsmodus allerdings erschwert die Lage dahingehend, dass lediglich die Top acht der Weltrangliste zum Stand im Mai 2028 direkt qualifiziert sind. Dazu kommen eine Wildcard für Gastgeber USA, die Sieger von fünf kontinentalen Meisterschaften, die in Europa 2027 im Rahmen der European Games in Istanbul (Türkei) ausgespielt wird und für die maximal zwei Aktive pro Nation und Geschlecht zugelassen sind, sowie die Sieger eines letzten Qualifikationsturniers und jeweils eine Person aus einer „kleinen Nation“, sofern diese zum Bewertungszeitpunkt unter den besten 50 der Welt stehen.
Als 16-Jährigem war ihm klar, dass er in die Bundesliga wollte
„Mir ist schon klar, dass es für mich in der Weltrangliste noch ein paar Positionen nach oben gehen sollte, damit der DOSB mich auch nominiert. Ich weiß, dass auf meine Ergebnisse sehr geachtet wird“, sagt Raphael. Zusätzlichen Druck will er sich davon jedoch nicht machen lassen. „Ich glaube, dass es machbar ist, aber es muss alles zusammenpassen. Wenn es am Ende nicht reicht, muss ich das hinnehmen, solange ich alles gegeben habe. Aber meine Motivation ist riesig!“ Was auch darin begründet liegt, dass der 16-fache Weltranglisten-Turniersieger weiterhin extrem viel Freude an seinem Sport hat, der schon im Kleinkindalter zu seinem Leben gehörte. „Meine Eltern hatten in Forchheim eine Squashanlage gepachtet, ich war sehr oft mit ihnen dort und musste mich selbst beschäftigen. Nach ein paar Jahren habe ich gemerkt, dass ich auf einem guten Niveau spielte, und habe dann festgestellt, wie viel Spaß es macht, im Sport erfolgreich zu sein“, erinnert er sich.
Wer erfolgreich sein will, braucht Zielstrebigkeit. Raphael Kandra entschied sich als Jugendlicher gegen eine Laufbahn im Fußball und für Squash, als 16-Jähriger war ihm klar: „Ich will in die Bundesliga und in die Sportfördergruppe der Bundeswehr!“ Zunächst jedoch stand, weil in einem Randsport wie dem Squash kein finanzielles Polster lockt, die berufliche Ausbildung im Vordergrund. Nach dem Realschulabschluss absolvierte der 1,82 Meter große Athlet eine Ausbildung zum Werkstoffprüfer in der Fachrichtung Metalltechnik, die direkt nach dem Schulende startete. Ebenfalls nur einen Tag nach der bestandenen Ausbildung startete er seinen Grundwehrdienst, an dessen Ende die Aufnahme in die Sportfördergruppe stand. „Und dort bin ich seitdem, und ich bin extrem dankbar dafür, dass mir die Bundeswehr die Sicherheit gibt, mich voll auf den Sport konzentrieren zu können“, sagt er.
„Ein Trikot schafft Aufmerksamkeit und ist sofort Gesprächsthema“
Das Schöne an Teams-Calls ist, dass man bisweilen Einblicke bekommt, die bei einem Meeting im Büro oder Konferenzraum verborgen bleiben würden. Jürgen Rank ist im Homeoffice, als das Gespräch mit dem DOSB ansteht, aber man würde eher vermuten, dass er in einem Sportmuseum sitzt. Hinter dem Bayreuther, der seit 2004 für den Branchenführer adidas Fußballtrikots entwirft und mittlerweile das internationale Team als Senior Design Director leitet, hängen gerahmte Fotos von Sportartikeln ebenso wie eine Auswahl an Trikots, die er im Lauf der Jahre mitentwickelt hat. „Ich fühle mich in diesem Raum sehr wohl und vergesse manchmal, dass ich im Homeoffice bin“, sagt der 55-Jährige, ehe er sich den Fragen stellt.
DOSB: Jürgen, du beschäftigst dich schon einen Großteil deines Lebens und seit 22 Jahren auch hauptberuflich mit Trikots. Wie geläufig ist dir das Format Trikottag?
Jürgen Rank: Da muss ich ehrlich sein: Bevor ich für dieses Interview angefragt wurde, war mir der Trikottag nicht bekannt. Jetzt weiß ich, worum es geht, und finde es eine richtig gute Aktion, weil es wichtig ist, die Arbeit zu würdigen, die in den vielen Sportvereinen geleistet wird.
Trikots sind ein wichtiger Faktor, um visuell ein Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl auszudrücken, ob man Fan ist oder Vereinsmitglied. Welche Bedeutung aber hat ein Trikot für jemanden wie dich, der beruflich damit zu tun hat?
Keine grundlegend andere. Die Identifikation mit einer Gruppe spielt die Hauptrolle. Indem ich ein Trikot bewusst anziehe, will ich damit auch eine Botschaft senden: Dass ich dazugehöre, mich mit dem Verein oder dem Verband identifiziere, dessen Farben ich trage. Wer zum Beispiel im Ausland das Trikot der DFB-Nationalteams trägt, macht damit deutlich: Ich unterstütze den deutschen Fußball. Das Schöne ist, dass man in der Öffentlichkeit viel häufiger angesprochen wird, wenn man ein Trikot trägt, als wenn es ein Shirt oder ein Hoodie ist. Ein Trikot schafft Aufmerksamkeit. Wo auch immer man auf der Welt unterwegs ist, gibt es sofort ein Gesprächsthema. Da bin ich immer wieder überrascht, welche Kraft so ein Stück Stoff haben kann.
Ist Trikotdesigner*in ein Lehrberuf, oder wie wird man das überhaupt?
Da gibt es viele verschiedene Wege. Meiner zum Beispiel war sehr kurvenreich. Ich habe nach dem Hauptschulabschluss zunächst eine Lehre als Dienstleistungsfachkraft im Postbetrieb gemacht. Da war ich 15 Jahre alt und merkte zum Glück schnell, dass das nicht das war, was ich wirklich wollte. Ich habe schon immer gern gezeichnet und habe gespürt, dass ich meine kreative Ader ausleben wollte. Also habe ich die Mittlere Reife nachgeholt, Zivildienst gemacht und in der Zeit viel gezeichnet und zum Beispiel Tattoos entworfen. Mit der Mappe, die über die Jahre entstanden ist, habe ich mich beworben, um in London Kunst und Design zu studieren. Nach der Rückkehr nach Deutschland habe ich in einer Skate-Company gearbeitet. Ich war seit der Kindheit Fußballfan, habe immer Trikots getragen und mir deshalb in den Kopf gesetzt, unbedingt als Designer zu adidas zu wollen. 2004 habe ich mich beworben, es hat zum Glück funktioniert, seitdem mache ich meinen Traumjob. Man kann natürlich auch einfach Modedesign studieren und sich auf Trikots spezialisieren. Aber ich achte bei Neueinstellungen für unser Team nicht in erster Linie darauf, wo oder was jemand studiert hat. Für mich zählt, dass die Menschen Leidenschaft für Fußball und Design mitbringen, denn das ist der entscheidende Faktor dafür, ob etwas gut oder exzellent wird.
In einem Gespräch mit „11 Freunde“ hast du mal gesagt, dass man ein gutes Trikot auch auf einer Hochzeit tragen könne. Was macht heute ein gutes Trikot aus? Das Material, das Design, die Passform?
Oh, darauf könnte ich stundenlang antworten! Aber ich versuche es mal kurz und prägnant: Ein gutes Design, das bei Fans ankommt, sorgt für Aufmerksamkeit und funktioniert auf den ersten Blick, trotzdem sieht es anders aus als das, was man gewohnt ist. Mein Antrieb ist, Neues zu schaffen und gleichzeitig die DNA des jeweiligen Vereins oder Verbands zu bewahren. Ich finde es sehr wichtig, dass ein Trikot eine Geschichte erzählt, über die es eine Tiefe bekommt und Impulse setzt. Dass Material und Passform den höchsten Ansprüchen der Kundschaft genügen, ist selbstverständlich Voraussetzung.
Welchen Stellenwert hat das Design heute gegenüber der Funktionalität, und wie hat sich dieser über die vergangenen Jahre oder Jahrzehnte verändert?
Von unserem Firmengründer Adi Dassler haben wir in die Wiege gelegt bekommen, dass Funktionalität einen extrem hohen Stellenwert haben muss. Er war ein Pionier auf diesem Gebiet, hat sich sehr viel mit den Bedürfnissen der Athleten beschäftigt und die Produkte danach weiterentwickelt. 1973 hat adidas, damals in Kooperation mit erima, mit der Entwicklung eigener Trikots begonnen. Zur WM 1986 kam erstmals die Climalite-Technologie zum Einsatz, außerdem haben wir damals die Farben unserer Landesflagge in das Nationaltrikot aufgenommen, nachdem es bis dahin nur schwarz und weiß beinhaltet hatte. In meinen Augen war das der Startpunkt dafür, dass Funktionalität und Design wichtige Rollen einnahmen. Über die Zeit kamen immer wieder neue Materialien auf den Markt, die neue Drucke und Grafiken ermöglichten. 2010 haben wir erstmals mit eng anliegender Oberbekleidung experimentiert, was durch Spieler wie Lukas Podolski oder Arjen Robben große Außenwirkung erzielte. Ich glaube, die Kombination aus Funktionalität und Design ist die entscheidende Komponente, die dem Trikot zum Durchbruch als Massenprodukt verholfen hat.
Insbesondere Fußballtrikots werden von Fans in hohen Stückzahlen gekauft. Inwieweit beeinflusst es deine Arbeit, dass diese Trikots einer breiten Masse gefallen müssen?
Kaum. Wir haben seit vielen Jahren Research-Teams, die ganz genau die Trends untersuchen. Unser Anspruch als Marktführer ist, dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus zu sein, um mit unseren neuen Kreationen einen Nerv zu treffen. Natürlich wollen wir mit unseren Produkten auch dem Sport und den Athletinnen und Athleten helfen, damit sie sich weiterentwickeln können. Und wenn diese Punkte erfüllt sind, kommt der kommerzielle Erfolg als Begleiteffekt.
Du bist speziell für Fußballtrikots zuständig. Worin unterscheiden sich Trikots in den verschiedenen Sportarten?
Vor allem in der Funktionalität. Zu Beginn meiner adidas-Zeit war ich auch für Rugby zuständig. Da braucht es Trikots, die einer viel höheren Belastung in Zweikämpfen widerstehen, die also deutlich reißfester sein müssen. Aber wir haben auch im Fußball schon teils deutliche Unterschiede, zum Beispiel im Vergleich zwischen Torwarttrikots und denen der Feldspieler. Die Torhüter haben einen ganz anderen Bewegungsablauf, sie springen oft und heben die Arme über den Kopf. Das heißt, sie brauchen längere Trikots, die flexibler sind. Dafür haben sie zum Beispiel elastische Einsätze unter den Armen. Auch im Design kann es zwischen den Sportarten natürlich Unterschiede geben, aber Neuentwicklungen wie zum Beispiel 2006 mit dem legendären „Teamgeist“-Muster übertragen sich auf viele Sportarten gleichermaßen. Und das, was alle Produkte eint, sind die drei Streifen, die es aber in verschiedensten Ausprägungen gibt.
Und worin unterscheiden sich Trikots für Männer und Frauen?
In erster Linie ebenfalls in der Funktionalität. Frauen- und Männerkörper haben unterschiedliche Bedürfnisse, auf die wir uns beim Schnitt und beim Material einstellen. Die Produkte werden selbstverständlich auch separat getestet. Beim Design ist es unterschiedlich. Manche Frauenteams möchten bewusst das Design, das die Männer haben, andere wiederum bestehen eher darauf, sich mit etwas Eigenem abzuheben. Wir versuchen, jedem Anspruch gerecht zu werden.
Erfolgreiche Integration braucht verlässliche Förderung
Der Austausch begann mit einer klaren Botschaft: Wenn Sport seine integrative Kraft entfalten soll, braucht es mehr als Engagement – es braucht verlässliche Förderung. Darüber diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung und Praxis beim parlamentarischen Frühstück des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ (IdS) im Berliner Paul-Löbe-Haus.
Rund 30 Teilnehmende, darunter Abgeordnete des Bundestags und ihre Mitarbeiter*innen sowie Vertreter*innen des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), folgten der Einladung von DOSB und Schirmherrin Aydan Özoğuz, MdB (SPD).
Integration braucht verlässliche Förderung
Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, wie die erfolgreiche Integrationsarbeit im Bundesprogramm langfristig gesichert werden kann – insbesondere mit Blick auf die kommende Förderperiode ab 2027. IdS-geförderte Vereine leisten einen zentralen Beitrag, stoßen jedoch ohne verlässliche Unterstützung an ihre Grenzen. Die Stärke des Bundesprogramms liegt in der Verbindung aus bundesweitem Rahmen und regionaler Verankerung über die Landessportbünde. So entsteht ein tragfähiges System, das Vereine in der Breite erreicht und unterstützt. Eine Kürzung der Mittel würde besonders dort spürbar werden, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird – etwa in sozial belasteten Quartieren und strukturschwachen Regionen.
Mit Leidenschaft und Herz für die Sportgemeinschaft engagiert
Alexander Otto ist ein Mensch, der gern Großes bewegt. Als CEO der ECE Group, die als Traditionsunternehmen seit mehr als 60 Jahren gewerbliche Großimmobilien entwickelt und rund 200 Einkaufszentren betreibt, hat der 58 Jahre alte Hamburger in dieser Branche Maßstäbe gesetzt. Im Sport hat er mit der Gründung der Alexander Otto Sportstiftung, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, eine Institution geschaffen, die seit 2006 mehr als 500 Projekte mit einem Fördervolumen von knapp 40 Millionen Euro unterstützt hat. Und weil es ihm viel bedeutet, seine Expertise dort einzubringen, wo sie am meisten benötigt wird, ist Alexander Otto seit fast vier Jahren auch als Persönliches Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) engagiert.
Auf die Frage, was ihn antreibt, im Sport an so vielen Stellschrauben zu drehen, verweist er auf seine persönlichen Erfahrungen. „Ich habe seit der Jugend sehr intensiv Sport betrieben. Ich habe Tennis und Fußball gespielt, bin leidenschaftlich Skirennen gefahren und spiele aktuell für die Seniorenmannschaft des Klipper THC Tennis. Sport führt Menschen zusammen, kann wahnsinnig viel bewegen, viele Hürden überwinden und ist für viele Probleme der heutigen Zeit die Lösung“, sagt er. Deshalb habe er auch nicht lange überlegen müssen, als die Anfrage des DOSB kam, ob er sich ein Engagement im Beratungsgremium der Persönlichen Mitglieder vorstellen könne. „Ich hatte mit dem DOSB und auch der DSM seit Jahren einen engen Draht, nachdem ich mich 2015 sehr intensiv für die Hamburger Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele engagiert hatte. Ich kannte also die Institution DOSB und hatte eine Vorstellung davon, worum es gehen würde“, sagt er.
Alexander Otto liebt Begegnungen mit Ehrenamtlichen
Mit seiner Stiftung setzt sich der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende des Hamburger SV in erster Linie dafür ein, Leistungs- und Breitensport miteinander zu verbinden. „Das Prinzip, dass es ohne Breite keine Spitze, aber ohne Spitze auch keine Breite geben kann, habe ich verinnerlicht. Ich bin ein Befürworter des Leistungsprinzips, schätze aber am Sport auch, dass man lernt, mit Niederlagen umzugehen. Ich fühle die Begeisterung für beide Bereiche gleichermaßen und finde es sehr spannend zu sehen, wie sie einander befruchten“, sagt er. Eins der ersten und signifikantesten Projekte der Stiftung war der Bau und der Betrieb einer Sporthalle, die 2008 neben der Mehrzweckarena im Hamburger Volkspark eröffnet wurde. Zunächst diente sie den Profiteams der Hamburg Freezers (Eishockey) und des HSV Hamburg (Handball) als Trainingsstätte, 2024 wurde sie an den gemeinnützigen HSV e.V. übertragen, der sie nun für seine vielfältigen Breitensportabteilungen nutzt – unter anderem für das inklusive Basketballteam der BG Baskets.
Ein tragfähiges Netzwerk zu knüpfen, das in alle Bereiche des Sports ausstrahlt – darin sieht Alexander Otto eine seiner wichtigsten Fähigkeiten. Er selbst bleibt dabei gern im Hintergrund; öffentliche Auftritte wie im Rahmen des Umbaus des Tennisstadions am Hamburger Rothenbaum während der Corona-Pandemie, den er privat und mit seiner Stiftung mit rund acht Millionen Euro unterstützte, sind für ihn nachrangig. Was er dagegen liebt, sind die vielen Begegnungen mit Ehrenamtlichen, die ihm immer wieder Ideenfutter liefern. „Sie sind die Basis für den organisierten Sport in Deutschland und ein gesellschaftlicher Schatz, den wir niemals geringschätzen dürfen“, sagt er. Über den nach seinem Vater benannten Werner-Otto-Preis, der jährlich an verschiedene Projekte im Inklusionssport vergeben wird, ist er ebenso engagiert wie bei den Zukunftsthemen Digitalisierung und Female Empowerment, für die die Stiftung ebenfalls vermehrt Fördermittel bereitstellt.
Haushaltsausschuss bewilligt erste Projekte der Sportmilliarde
Bereits in dieser ersten Antragsrunde des Programms zeigte sich der enorme Bedarf: Mehr als 3.600 Projektanträge mit einem Gesamtvolumen von über 7,5 Milliarden Euro wurden eingereicht. 333 Millionen Euro standen zur Verfügung. Das entspricht einer 21-fachen Überzeichnung des Programms.
Der DOSB begrüßt, dass die Koalition die Mittel aus dem Sondervermögen für den Sport mobilisiert hat, obwohl der Bund nicht primär für die Sportstättenförderung zuständig ist. Gleichzeitig weist der DOSB darauf hin, dass die aktuellen Mittel bei weitem nicht ausreichen, um den bestehenden Sanierungsstau zu beheben. Für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Förderlinie sieht der DOSB weiterhin grundlegenden Handlungsbedarf.
Ergänzend zur aktuellen Projektauswahl wurde bereits am 20. März 2026 ein weiterer Förderaufruf innerhalb des SKS-Programms veröffentlicht, der sich gezielt an kommunale Schwimmbäder richtet. Für diesen Programmteil stehen 250 Millionen Euro zur Verfügung. Gefördert werden insbesondere Sanierung, Modernisierung sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit. Anträge können noch bis zum 19. Juni 2026 eingereicht werden.
Zur Vollendung einer echten „Sportmilliarde“ fehlt noch ein entscheidender Schritt: Der bestehende Sanierungsstau in der Sportinfrastruktur ist immer noch immens. Deshalb müssen auch in 2027 zusätzliche Mittel aus dem Sondervermögen zur Sanierung von Sportstätten mobilisiert werden. Aber auch die Länder, die im Kern für die Förderung der Sportstätten zuständig sind, müssen jetzt eine echte Investitionsoffensive starten.
Übersicht aller geförderten Projekte: Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Sportstätten" (SKS) - Förderrunde SKS I
„Die Top Ten kamen in meinen kühnsten Träumen nicht vor“
Es gibt sie ja immer mal wieder, diese Geschichten, die medial als „Sportmärchen“ bezeichnet werden. Und doch sind sie jedes Mal aufs Neue faszinierend. Auf das zumindest, was Sabine Winter gerade erlebt, trifft dieses Adjektiv in vollem Umfang zu. Zu einem Zeitpunkt ihrer Karriere, in dem große Entwicklungssprünge absolut nicht die Regel sind, hat die 33 Jahre alte Tischtennis-Nationalspielerin Anfang April mit dem Gewinn der Bronzemedaille beim World Cup in Macau erstmals in ihrer Laufbahn den Sprung unter die besten zehn der Weltrangliste geschafft. Vor der Rechtshänderin vom TSV Dachau stehen lediglich acht Asiatinnen. Wie war diese Entwicklung möglich, und wohin kann sie noch führen? Darüber und über ihre Ziele für die anstehende Team-WM in London (28. April bis 10. Mai) spricht die in Bad Soden am Taunus geborene deutsche Spitzenspielerin im DOSB-Interview.
DOSB: Sabine, nach deinem World-Cup-Coup an Ostern hast du gesagt, du hättest eine solche Entwicklung nicht für möglich gehalten und würdest diese als surreal empfinden. Mit zwei Wochen Abstand: Wie fühlt es sich an, zu den besten zehn Tischtennisspielerinnen der Welt zu gehören?
Sabine Winter: Es ist schon ein wenig mehr ins Bewusstsein eingesickert. Aber wenn ich nun in der Sporthalle als Nummer neun der Welt angekündigt werde, klingt das für mich immer noch komisch. Ich kann es weiterhin nicht wirklich glauben, aber ich genieße es sehr. Es gibt im Profisport ja leider wenig Zeit, um Erfolge zu genießen, weil meist sehr schnell der nächste Wettkampf ansteht. Aber die Siegerehrung beim World Cup hatte mir schon sehr geholfen, um zu realisieren, was ich erreicht habe.
Um auf dieses Level zu kommen, hast du vor knapp eineinhalb Jahren eine sehr mutige und ebenso ungewöhnliche Entscheidung getroffen: Du benutzt auf der Rückhand einen Anti-Topspin-Belag, den auf internationalem Level kaum jemand spielt, und musstest deshalb deinen Spielstil komplett umstellen. Erkläre doch bitte den Laien unter uns, was genau du da gemacht hast.
Grob verkürzt gesagt spiele ich auf der Rückhand einen Belag, der das Tempo aus dem Spiel nimmt. Man kann damit nicht aktiv Spin spielen. Wenn ich das versuchen würde, würde der Ball nicht einmal bis zum Netz kommen. Wenn ich einen Ball mit viel Qualität im Spin zugespielt bekomme, kann ich den Spin aufnehmen, aber eben nur reaktiv.
Und was bewirkt das?
Dadurch dass ich das Spiel verlangsame, kann ich meine starke Beinarbeit und meine Vorhand als wichtigste Waffe viel besser ins Spiel bringen. Früher waren viele der Meinung, dass meine Rückhand sehr schlecht sei. Im Vergleich zur Vorhand stimmte das auch, ich würde sie aber als grundsolide bezeichnen. Aber ich konnte das Tempo, das insbesondere die Asiatinnen spielen, über die Rückhand nicht mitgehen, so dass ich deshalb meine Vorhand nicht zur Geltung bringen konnte. Nun verlangsame ich das Spiel, was dazu führt, dass viele Gegnerinnen irritiert sind und damit nicht so gut umgehen können. Und ich kann das nutzen, um über die Vorhand meinen aggressiven Stil besser umzusetzen. Wenn es gelingt, die Gegnerinnen zu verwirren, bekommt man öfter einen passiven Ball, den man attackieren kann. So kann ich mein offensives Spiel der Konkurrenz besser aufzwingen. Insgesamt bin ich viel variabler geworden, habe ein größeres Schlagrepertoire und habe sogar einen komplett neuen Schlag erfunden, einen Rückhand-Topspin mit dem Belag auf der Vorhandseite.
Wie bist du auf die Idee gekommen, dass der Materialwechsel inklusive Umstellung des Spielstils der Gamechanger sein könnte?
Den ersten Impuls dazu hatte ich schon im Januar 2023. Damals habe ich mir viele Spiele von Konkurrentinnen angeschaut und analysiert, dass sich die Topleute gegen den Stil, den ich heute spiele, schwerer tun als gegen das, was die meisten spielen und wogegen sie auch im Training stundenlang spielen. Mein Gefühl war, dass es zu meinen Stärken passen könnte, wenn ich lerne, die Schläge mit dem Anti-Topspin-Material zu beherrschen und in ein neues Spielsystem zu integrieren, denn mir war klar geworden, dass es mir im modernen Hochgeschwindigkeits-Tischtennis nicht oft genug gelang, meine Stärken umzusetzen. Ich wollte den Belag nicht, um offensiv damit zu punkten, sondern um meine Stärken besser ins Spiel zu bringen. Außerdem war ich in einer Phase, in der ich nicht mehr allzu viel Spaß an meinem Sport empfand, weil ich nicht mehr richtig vorwärts kam.
Was hat dich damals davon abgehalten, es zu versuchen? Einmal alles komplett umzukrempeln birgt ja auch große Risiken. Hast du diese damals noch gescheut?
Ich dachte zunächst: Bestimmt ist es eine dumme Idee. Es hat noch nie jemand geschafft, und es hat Gründe, warum die allermeisten das moderne Material nutzen. Und trotzdem hat es mich nicht losgelassen. In 25 Jahren Tischtennis hatte ich gelernt, auf alles eine Antwort zu finden. Aber auf diese Frage fehlte sie mir. Deshalb habe ich Hermann Mühlbach angerufen, den ich als einen der besten Experten im Bereich Belagmaterial ansehe und der mich schon trainiert hat und deshalb mich und meine Stärken kennt.
Und was war dessen Einschätzung?
Er hat gesagt, dass ein solcher Schritt sehr viel Mut erfordere, aber dass er es mir zutraue. Wir haben dann ausgemacht, dass ich im Sommer während der Turnierpause mal zu ihm fahre, damit er mir in der Theorie alles erklären konnte. Also war ich zehn Tage bei ihm. Ich dachte noch auf der Anreise, dass ich wahrscheinlich sehr schnell alles verwerfen würde, aber ich wollte es unbedingt ausprobieren. Und dann hat es mir großen Spaß gemacht, und ich habe die kleine Chance gesehen, dass ich es wirklich lernen könnte.
Woran hast du diese kleine Chance festgemacht?
Ich war schon immer ein Mensch, der das Glück hat, schnell zu lernen. Und ich habe einen großen Ehrgeiz, bei Dingen, die ich wirklich können möchte, mit viel Beharrlichkeit am Ball zu bleiben. Ich bin neugierig auf verschiedene Sportarten und habe deshalb vieles ausprobiert. Mit meinem älteren Bruder habe ich mir richtige Battles darum geliefert, wer etwas schneller lernt. Einmal haben wir zu Weihnachten Keulen zum Jonglieren geschenkt bekommen, weil wir es mit Bällen schon konnten. Irgendwann haben wir darum gewettet, wer es als Erstes schafft, zehn Meter jonglierend auf einer Slackline zu balancieren. Ich bin überzeugt davon, dass die verschiedenen Bewegungsmuster, die ich mir durch solches Training angeeignet habe, mir auch bei der Umstellung sehr geholfen haben.
Du wolltest also die Umstellung durchziehen. Dennoch hat es mehr als ein Jahr gedauert, bis du es gewagt hast. Warum?
Weil ein solcher Wechsel auf ziemlich viel Gegenwehr stößt. Die meisten waren überzeugt davon, dass man mit diesem Belag schnell an Grenzen kommt und nichts ausrichten kann. Zudem hatte in meinem Alter noch niemand auf dem Niveau einen solchen Schritt gewagt. Und ganz ehrlich: Ich konnte diese Zweifel verstehen, denn ich hatte sie ja selbst. Aber ich wollte unbedingt beweisen, dass es gehen kann. Also habe ich, weil niemand mit mir trainieren wollte, einen Roboter gekauft und mit dessen Hilfe in vielen Wiederholungen die neue Schlagtechnik gelernt.
„Wir benötigen beides: erfolgreiche und sympathische Athletinnen und Athleten“
Genau zwei Monate nach dem Ende der Olympischen Winterspiele von Mailand Cortina hat Olaf Tabor am Mittwochnachmittag vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages eine sportliche Bilanz gezogen und mögliche Schritte zur Verbesserung der Leistungssportförderung skizziert. „Wir zählen im Wintersport weiterhin zur Weltklasse, müssen aber dennoch etwas nachlegen, weil wir unsere sportlichen Ziele verpasst haben“, sagte der im Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für den Geschäftsbereich Leistungssport zuständige 55-Jährige in Berlin. Das Team D, das mit 185 Athlet*innen in 15 Disziplinen angetreten war, hatte in Norditalien auf Rang fünf des Medaillenspiegels die angepeilte Top-drei-Position ebenso nicht erreicht wie die Anzahl der 2022 in Peking (China) gewonnenen Medaillen. Vor vier Jahren waren es 27 gewesen, davon zwölfmal Gold, was zu Gesamtrang zwei gereicht hatte, diesmal kamen mit je achtmal Gold und Bronze sowie zehnmal Silber 26 Plaketten zusammen.
„Ich habe großen Respekt vor den Leistungen und der Arbeit des gesamten Teams. Olympische Spiele sind ein sehr positiv besetztes Thema, sie haben in Deutschland so viele Unterstützer wie lange nicht, und das hat auch das IOC zur Kenntnis genommen“, sagte Thomas Weikert, der der Politik für die in vielen Vor-Ort-Besuchen in Norditalien sichtbar gewordene Wertschätzung dankte. Olaf Tabor legte in seinem Vortrag Wert auf eine differenzierte Analyse, in der er betonte, dass sportlicher Erfolg auch in Zukunft unerlässlicher Bestandteil gelungener Olympischer Spiele sein müsse. „Daraus entsteht der Funke, der auf die Fans überspringt. Ohne erfolgreiche Athletinnen und Athleten wird es nicht funktionieren. Aber es geht mittlerweile um mehr als Medaillen“, sagte er.
Eine Umfrage nach dem Ende der Winterspiele hatte unterstrichen, dass die Bevölkerung Themen wie Teamgeist, sympathisches Auftreten und Fairness mindestens ebenso hoch einschätzt wie Medaillengewinne. „Wir waren hervorragende Botschafter für unser Land. Ich bin sehr stolz auf die olympischen Momente, von denen uns das Team D einige beschert hat. Das mediale Interesse an den Spielen hat unterstrichen, dass es ein Stück weit unabhängig vom sportlichen Erfolg ist. Das Auftreten des Teams war sehr positiv. Am Ende benötigen wir beides: erfolgreiche und sympathische Athletinnen und Athleten“, sagte er.
Auch Platzierungen von vier bis acht sind Weltklasseleistungen
In einem zusätzlichen Bilanzgespräch mit den DOSB-Medien gab Olaf Tabor zu, dass die Rekordzahl von 14 vierten Plätzen bei ihm stark nachwirke. „Ich kann damit weiterhin nicht gut leben, weil ich weiß, dass wir unser Medaillenpotenzial nicht ausreichend abgerufen haben.“ Während die im Medaillenspiegel auf Rang eins und zwei platzierten Topnationen Norwegen und USA mehr als 50 Prozent ihrer Medaillenchancen auch tatsächlich in Edelmetall umsetzten, lag die Konversionsrate im Team D bei weniger als 30 Prozent. „Andere Länder machen es besser als wir. Wir haben leider noch keine Idee, wie wir es abstellen können. Die Fachverbände sind bereits tief in die Analyse eingestiegen, die noch bis in den Juni weitergehen wird, zudem erstellt auch das IAT eine umfangreiche Analyse.“ Gleichzeitig unterstrich er, dass auch das Erreichen der Plätze vier bis acht als Weltklasseleistung gelten müsse. „In der Gesamtzahl der Platzierungen von eins bis acht lagen wir in Norditalien bei 68. Da waren wir bislang nur 2018 in Pyeongchang mit 74 besser als diesmal.“ Außerdem zeige die Anzahl von gut 60 Prozent Olympia-Debütant*innen im Team D, dass es durchaus gelänge, den Nachwuchs an die größte Bühne heranzuführen.
Dazu komme, dass der Großteil der Medaillen mitnichten von der Generation 30 plus gewonnen wurde. „Wir hatten auch in der Altersgruppe 25 bis 29 einen deutlichen Peak. Deshalb widersprechen wir auch deutlich der These, die Medaillen seien im Wesentlichen von den älteren Athletinnen und Athleten im Team gewonnen worden“, sagte er. Fakt sei, dass einst sichere Medaillenlieferanten wie zum Beispiel der nordische Skibereich unter ihren Möglichkeiten geblieben seien. Die Krise im Eisschnelllauf und Shorttrack – der einzigen Disziplin, in der keine deutschen Teilnehmenden qualifiziert waren – sei ebenfalls besorgniserregend. „Dafür haben wir im Eiskanal weiterhin eine deutsche Domäne, die wir als wichtigen Trumpf pflegen müssen“, sagte der Vorstand Leistungssport mit Blick auf die 73 Prozent der deutschen Medaillen, die im Bob, Rodeln und Skeleton gewonnen wurden.
Die Diskussion darüber, ob die Stärke im Schlittensport Fluch oder Segen sei, werde in dieser Form nur in Deutschland geführt. „Meine Kollegen aus anderen Nationen verstehen nicht, warum daraus bei uns so ein Thema gemacht wird“, sagte Tabor, der darauf verwies, dass die meisten Topnationen über einen deutlichen Schwerpunkt in ihrer Erfolgsbilanz verfügen. „Die Niederlande als Dritter der Gesamtwertung haben alle ihre 20 Medaillen im Eisoval geholt. Norwegen hat 80 Prozent seiner Medaillen auf schmalen Ski gewonnen, Schweden 73 Prozent im Langlauf und Biathlon, die Schweiz zwei Drittel im alpinen Skibereich.“ Für ihn folge daraus, die Domäne im Eiskanal unbedingt bewahren zu wollen. „Sie ist die Grundlage für unsere Medaillenausbeute. Stärken stärken und durch weitere Erfolge ergänzen, das muss die Prämisse sein.“
David Kirchner, David Kulessa und Moritz Weiberg gewinnen VDS-Nachwuchspreis
Der diesjährige VDS-Nachwuchspreis, gestiftet vom Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), stand unter dem Thema „Schul- und Universitätssport in Deutschland - Chancen und Herausforderungen“. Gesucht wurden Beiträge, welche die aktuelle Lage, Herausforderungen, Chancen sowie Wege zur Motivation junger Menschen zu mehr Bewegung beleuchten. Beiträge konnten in verschiedenen Formaten (z. B. Artikel, Video, Blog oder Radio) eingereicht werden. Teilnehmen durften Nachwuchsjournalist*innen (Jahrgang 1998 oder jünger), einzeln oder in Gruppen, auch ohne VDS-Mitgliedschaft.
Bei der Preisverleihung, am Montag, 20. April, im Rahmen der VDS-Gala in Berlin, gab es zwei erste Plätze. Die Preisträger sind Moritz Weiberg (Video) sowie David Kulessa und David Kirchner (Print). Das Gesamtpreisgeld wird unter den beiden Gewinnern aufgeteilt.
Einprägsamer Blick auf eine unterschätzte Krise
David Kulessa und David Kirchner – „Sportunterricht in Bayern“ (Schwerpunktseite Süddeutsche Zeitung / 16.09.25)
David Kirchner und David Kulessa von der Süddeutschen Zeitung haben auf einer ganzen Seite das Thema "Schulsport" aufwendig beleuchtet. Dabei arbeiten sie durch den Einsatz verschiedener journalistischen Darstellungsformen gekonnt die Herausforderungen des Schulsports in der heutigen Zeit heraus, insbesondere durch einprägsame Schilderungen aus der Praxis. Dies gelingt besonders durch die gelungene Darstellung der verschiedenen Perspektiven - von der Sportlehrerin, über die Schüler hin zum Sportpädagogen.
Alltagsnah und pointiert
Moritz Weiberg – „Problemfach Sport: Versetzung gefährdet?“ (u. a. ARD und BR / 08.05.25)
Moritz Weiberg hat die fünfköpfige Jury mit seinem Fernsehbeitrag zur schwierigen Situation des Schulsports überzeugt. Anschaulich und prägnant zeigt er zentrale Probleme wie marode Sportstätten und den zunehmenden Fachkräftemangel auf. Gelungen ist insbesondere die Zusammenführung vieler unterschiedlicher Stimmen aus der Praxis sowie die Einordnung anhand aktueller wissenschaftlicher Studien. Sein Beitrag verbindet sorgfältige Recherche mit klarer Erzählweise und macht so das Thema verständlich und wirkungsvoll sichtbar.
Die Lehre aus den Referenden: Deutschland will die Spiele
Passend dazu leuchtete die Hohenzollernbrücke, die den Rhein in Köln überspannt, in den Farben der olympischen Ringe.
Knapp 700 Kilometer liegen zwischen Kiel und München. Zwischen Aachen und Berlin sind es gut 500 Kilometer. Egal, wo man dieser Tage nachfragt: Die Menschen im Land wollen Olympische und Paralympische Spiele. Die Ergebnisse der Referenden am vergangenen Sonntag unterstreichen diese Entwicklung. Die am Konzept KölnRheinRuhr beteiligten Kommunen stimmten mit 66,0 Prozent für eine Bewerbung, in Kiel waren es 63,5 Prozent Zustimmung. Bereits im Oktober 2025 hatte München ein positives Votum mit 66,4 Prozent Zustimmung abgegeben. Insgesamt haben inzwischen mehr als 1,2 Millionen Menschen bereits ihr „Ja“ zu Olympia und Paralympics in Deutschland gegeben, am 31. Mai sollen in Hamburg viele weitere positive Stimmen folgen.
Auch in Berlin ist die Bürgerbeteiligung in vollem Gange. Am Dienstag wurde dem Senat eine Bürgercharta für Olympia übergeben. Sie ist das Ergebnis eines mehrstufigen Beteiligungsprozesses – bestehend aus verschiedenen Workshops, einer Kiez-Tour in allen Bezirken sowie einem Bürger- und Jugendforum. Das Dokument bündelt die vielfältigen Stimmen der Berliner Stadtgesellschaft zu zehn konkreten Handlungsempfehlungen für verantwortungsvolle, nachhaltige und gemeinsam gestaltete Olympische und Paralympische Spiele in Berlin.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Begeisterung für die Olympische Idee ist kein regional begrenztes Phänomen. Sie verbindet Menschen zwischen Rhein und Ruhr ebenso wie an der Ostsee, im Süden und bundesweit. Olympische und Paralympische Spiele sind die Bewegung, die Deutschland jetzt braucht. Eine Idee, die verfängt. Laut einer repräsentativen Umfrage von Dezember 2025 wünschen sich 74 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Olympische und Paralympische „Heimspiele“ in Deutschland. Damit zeigt sich eine breite gesellschaftliche Basis, die weit über einzelne Regionen hinausgeht.
Diese Ergebnisse sind dabei mehr als reine Zustimmungswerte. Sie zeigen, dass Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland in der Lage sind, demokratische Mehrheiten hinter sich zu vereinen. Olympia kann den Sport wieder stärker in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken, Menschen aktivieren und Impulse setzen, die wirken. Mit Blick auf das anstehende Referendum in Hamburg am 31. Mai sowie den weiteren Beteiligungsprozess in Berlin wächst das Momentum weiter. Der Rückenwind für eine starke deutsche Bewerbung nimmt spürbar zu. Das internationale Interesse an einer deutschen Bewerbung ist durch die Ergebnisse aus NRW und Kiel sicher nicht geringer geworden.
Deutschland will die Spiele. Sie sind die Bewegung, die das Land jetzt braucht.
Die Bedeutung von Bewegungsangeboten im öffentlichen Raum
Sport gehört zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten in Deutschland, und rund 80 % der über 16-Jährigen treiben regelmäßig Sport. Alle diese Menschen, ob sie aktiv Sport treiben oder auf andere Weise damit in Kontakt kommen, verknüpfen ihre sportlichen Aktivitäten mit Sportstätten. Diese sind ein unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie laden Menschen dazu ein, sich zu bewegen, Lebensfreude zu erfahren, sich zu begegnen und ihre Gesundheit zu fördern. Sportstätten bilden die Basis für den Breiten- und Leistungssport, dem fast 28 Millionen Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) angehören, sowie für den Schulsport und die Ausbildung von Sportlehrern an Hochschulen. In städtischen und ländlichen Gebieten bieten sie nicht nur Raum für Bewegung, sondern auch wichtige Treffpunkte, die das Gemeinschaftsgefühl und die Identität von Städten und Gemeinden stark prägen. Darüber hinaus trägt der Sport erheblich zur Stärkung der Demokratie bei, indem er Teamgeist, Toleranz und Fairness fördert. Sportstätten sind – neben Personal und Finanzmitteln – die wichtigste Ressource des Sports.
Wohl wissend der Bedeutung von Sportstätten, wurden in den letzten Jahren einige Herausforderungen deutlich: der Zustand vieler Sportstätten ist mangelhaft, Sportstätten werden in Krisenzeiten zweckentfremdet und außerdem hat sich das Sportverhalten der Bevölkerung gewandelt:
In Deutschland gibt es rund 231.000 Sportstätten, darunter Sportvereinszentren, Stadien, Sporthallen, Bäder, Schießsportstätten und vieles mehr. Dazu kommen rund 370.000 Kilometer Reitwege, Laufstrecken oder Loipen. Das ist eine beeindruckende Bilanz, kein ein anderes Land der Welt weist eine solche Vielzahl an Sportstätten auf. Diese Vielzahl an Sportgelegenheiten ist grundsätzlich auf die Sportstättenbauoffensive „Goldener Plan“ in den 1960er bis 1980er respektive „Goldener Plan Ost“ in den 1990er und 2000er Jahren zurückzuführen. Dadurch konnte in rein quantitativer Sicht der Bedarf an Sportstätten in Deutschland gedeckt werden. Doch viele dieser Anlagen sind inzwischen veraltet und sanierungsbedürftig. Dies liegt daran, dass seither keine große bundesweit angelegte Sportstättenbauinitiative durchgeführt wurde.
Neue Konzepte zum Sporttreiben entwickeln
In jüngster Zeit zeigt sich immer deutlicher, dass Sportstätten von ihrer eigentlichen Funktion abweichen. So wurden sie beispielsweise als Wahllokale, Impfzentren oder Veranstaltungsorte genutzt. Während der Flüchtlingskrise dienten sie sogar als Unterbringungsmöglichkeiten. Besonders während der Hochphase der Corona-Pandemie waren viele Sportstätten für den Sport gänzlich unbrauchbar.
Darüber hinaus haben sich die Bedürfnisse der sportaktiven Bevölkerung verändert, die u.a. durch den demographischen Wandel sowie Veränderungen des Sporttreibens ausgelöst werden. Daher entsprechen viele Funktionen der Sportstätten nicht mehr den aktuellen Anforderungen.
Es gilt also mehr denn je diese Herausforderungen als Chance zu sehen. In Zeiten, in denen sich Menschen immer stärker individualisieren, gilt es neue Konzepte zum Sporttreiben zu entwickeln. Auch der gemeinwohlorientierte Sport hat diesen Trend für sich entdeckt und sich proaktiv mit dieser Thematik befasst.
Von Mai 2022 bis April 2024 führte der DOSB das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt „SPORTOUT: Sportvereine draußen stark machen – Gesunde Sportangebote nachhaltig in der Natur gestalten“ durch. SPORTOUT hat durch innovative Maßnahmen und Bewegungsformen Antworten auf die aktuellen Herausforderungen der Mitgliedergewinnung und -bindung in Sportvereinen und -verbänden gegeben. Darüber hat das Projekt dazu beitragen, Vereine fit für die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu machen. Sie dazu motiviert, Innovationen in den Bereichen der Angebots- und Mitgliederentwicklungen zu wagen – mit einem besonderen Schwerpunkt für gesundheitsfördernde Angebote im Freien – und damit ihre Attraktivität erhöht. Als ein zentrales Ergebnis des Projektes wurde eine hilfreiches Wissensportal erarbeitet, welches Informationen und Handlungsempfehlungen zum Sport im Freien gibt.
„Wo Sportvereine stark sind, bleibt Gemeinschaft lebendig“
Sandy Adam ist seit Februar 2026 Professor für Management/Sportmanagement und Studiengangsleiter Management an der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam. Sport ist für ihn nicht nur berufliches Themenfeld, sondern täglicher Begleiter – mal aktiv, mal beobachtend, aber immer präsent. Besonders der Fußball hat seinen Blick geprägt. Beim SV Oberschöna 1902 e. V. in seiner sächsischen Heimat war der 48-Jährige lange Zeit als Spieler aktiv, später auch als Trainer der Männermannschaft. Seit mehr als 15 Jahren ist er dort zudem ehrenamtlich in der Abteilungsleitung Fußball engagiert, seit November 2025 auch als Vorsitzender des Gesamtvereins mit 280 Mitgliedern und acht Sparten. „Wer einen Sportverein auf diese Weise erlebt, lernt schnell, was dort wirklich zählt – und was es heißt, Verantwortung für Menschen, Strukturen und Entscheidungen zu tragen“, sagt er. Aus dieser wissenschaftlichen und persönlichen Perspektive ordnet Professor Adam ein, welche Rolle ehrenamtliches Engagement für den gesellschaftlichen Zusammenhalt spielt.
DOSB: Herr Professor Adam, in Deutschland gibt es aktuell fast 377.000 eingetragene Vereine, rund 86.000 davon sind Sportvereine. Warum sind wir eine solche Vereinsnation?
Sandy Adam: Das Vereinswesen, das im 19. Jahrhundert entstanden ist, ist historisch gewachsen. Vereine sind Institutionen der bürgerlichen Selbstorganisation, sie sind sozial tradiert und in der Gesellschaft und in den Köpfen der Menschen tief verwurzelt. Ein Verein ist in Deutschland ein zentraler Anlaufpunkt, wenn es um Engagement und zivilgesellschaftliche Organisation geht. Allerdings sehen wir im nationalen Vergleich durchaus Unterschiede im Organisationsgrad. Während in Bayern oder Baden-Württemberg rund 36 bis 38 Prozent der Menschen in Sportvereinen organisiert sind, liegt die Quote in Brandenburg, wo ich arbeite, oder in Sachsen, wo ich herkomme, bei rund 16 bis 18 Prozent. Das liegt auch daran, dass sich das Vereinswesen in Ostdeutschland nach der Wende unter veränderten institutionellen Bedingungen neu aufbauen musste. Aber generell sehen wir im organisierten Sport einen hohen und zuletzt wieder steigenden Organisationsgrad, der die Bedeutung von Sportvereinen unterstreicht.
Gibt es Vergleichbares auch in anderen Ländern?
International nimmt Deutschland im organisierten Sport durchaus eine besondere Stellung ein. Es gibt zwar auch andere Länder, die wir als Wohlfahrtsstaaten bezeichnen, in denen zivilgesellschaftliche Organisationen wie Sportvereine ebenfalls eine bedeutende Funktion haben, etwa die Niederlande, die skandinavischen Länder, Österreich oder die Schweiz. Aber die Kombination aus einem dicht ausgebauten, gemeinnützigen Vereinssystem, vergleichsweise moderaten Mitgliedsbeiträgen und einem sehr breiten Sportangebot ist in Deutschland besonders ausgeprägt.
Worin sehen Sie die wichtigsten gesellschaftlichen Funktionen, die Sportvereine erfüllen?
In erster Linie bieten Sportvereine die Möglichkeit, in der Gemeinschaft Sport zu treiben. Da geht es auch um Gesundheitsziele, aber ebenso um soziale Einbindung, Gemeinschaftserfahrungen und den Aufbau von Netzwerken. Menschen miteinander zu verbinden und Netzwerke aufzubauen, die stabilisierend wirken, ist ein Themenfeld, auf dem Sportvereine als verbindende Plattform wirken können. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft hat eine starke identitätsstiftende Funktion. Dazu kommt, dass Sportvereine demokratische Teilhabe ermöglichen. In eingetragenen Vereinen bestehen für Mitglieder grundsätzlich Mitwirkungs- und Beteiligungsmöglichkeiten, etwa über Wahlen und Mitgliederversammlungen. Somit können Vereine eine Schule der Demokratie sein – nicht im engen politischen Sinn, sondern im Bereich der gelebten Demokratie.
Welche dieser Funktionen sind durch den Mangel an Ehrenamtlichen bedroht?
Grundsätzlich sind davon nahezu alle zentralen Funktionen betroffen, denn laut des jüngsten Sportentwicklungsberichts sieht sich mehr als jeder sechste Verein wegen unterschiedlichster Probleme, die mit dem Mangel an Ehrenamtlichen zusammenhängen, in seiner Existenz gefährdet. Die stetig steigende Zahl von Mitgliedschaften und die zugleich vielfach als unzureichend empfundene personelle Ausstattung im Ehrenamt besorgen mich unter diesen Gesichtspunkten durchaus. In Ballungsräumen gibt es vielerorts lange Wartelisten und Aufnahmestopps, auch das sorgt dafür, dass die Attraktivität von Sportvereinen leidet und manche Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, zumindest zeitweise keinen Zugang zu Angeboten im Verein finden. Wenn ein Verein nicht ausreichend Trainerinnen und Übungsleiter hat, kann er kein ausreichendes Trainingsangebot unterbreiten und unter Umständen auch nicht am Wettkampfbetrieb teilnehmen. Auch darunter leidet die Attraktivität eines Vereins. Sporttreiben ist sehr wichtig für die Gesunderhaltung. Das könnte aber zur Not auch ohne die Mitgliedschaft in einem Verein passieren, es gibt viele private Angebote oder auch viele Möglichkeiten des Sporttreibens im öffentlichen Raum. Aber im Fitnessstudio oder beim Solo-Joggen entwickelt sich typischerweise meist weniger Gemeinschaftsgefühl, und auch die demokratischen oder identitätsstiftenden Funktionen werden dadurch tendenziell geschwächt. Insbesondere auf dem Land brechen Anker der Gemeinschaft weg, wenn Sportvereine ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen können, und das ist gesellschaftlich hochproblematisch.
DOSB gratuliert KölnRheinRuhr und Kiel zu erfolgreichen Referenden
Die wahlberechtigten Bürger*innen in NRW haben ein starkes Signal gesetzt und sich in den am Konzept KölnRheinRuhr beteiligten Kommunen mit großer Mehrheit für eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele ausgesprochen. Das kommunenübergreifende vorläufige Gesamtergebnis, ermittelt nach dem demokratischen Prinzip „One Person – One Vote“, das zur Bewertung in die Matrix des DOSB einfließt, liegt bei 66,0 % Zustimmung in der Region KölnRheinRuhr. Auch in Herten, gemeinsam mit Recklinghausen als Austragungsort für die Mountainbike-Wettbewerbe vorgesehen, sprach sich eine Mehrheit für die Olympiabewerbung aus. Dort wurde jedoch das nötige Quorum (15 %) knapp verfehlt.
Rund 1,4 Millionen Menschen gaben ihre Stimme ab. Insgesamt waren über 4 Millionen Bürger*innen ab 16 Jahren zur Abstimmung aufgerufen.
Ebenfalls abgestimmt wurde am möglichen Segelstandort Kiel. Die Kielerinnen und Kieler sprachen sich mit 63,5 % für olympische und paralympische Wettbewerbe in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins aus. Die Wahlbeteiligung in Kiel lag bei 29,1 %. Neben Kiel steht mit Rostock-Warnemünde ein zweiter Standort für Segelwettbewerbe zur Auswahl.
Bis zum 4. Juni haben die vier nationalen Bewerber Berlin, Hamburg, KölnRheinRuhr und München noch die Möglichkeit, ihr jeweiliges Konzept zu finalisieren und beim DOSB einzureichen. Am 26. September 2026 wird dann eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB darüber entscheiden, welcher Kandidat Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vertreten wird.










