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Vereinspreis „Sport mit Haltung“ 2026
Bundeskanzleramt und Deutsche Sportjugend zeichnen Sportvereine mit 18.000 Euro für demokratisches Engagement aus
Das Bundeskanzleramt und die Deutsche Sportjugend (dsj) schreiben zum zweiten Mal den Vereinspreis „Sport mit Haltung“ aus. Ausgezeichnet werden Sportvereine, die sich in besonderer Weise für demokratische Werte, Vielfalt und Menschenwürde einsetzen und antidemokratischen sowie menschenfeindlichen Tendenzen aktiv entgegentreten.
Dazu erklärt die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Dr. Christiane Schenderlein: „Sportvereine sind tragende Säulen unserer demokratischen Gesellschaft. Sport hat die Kraft, uns zusammenzubringen. Er verbindet Generationen, Kulturen und Lebenswege. Mit dem Preis „Sport mit Haltung“ würdigen wir Vereine, die Verantwortung übernehmen und sich auch bei Gegenwind klar zu Respekt und gesellschaftlichem Zusammenhalt bekennen. Diesen Einsatz brauchen wir mehr denn je.“
Benny Folkmann, Vorstandsmitglied der dsj, unterstreicht: „Selten war es so schwer, eine stabile und klare Haltung, getragen von demokratischen Werten, zu verteidigen. Mit dem Vereinspreis „Sport mit Haltung“ zeichnen wir deshalb gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt Sportvereine aus, die sich dauerhaft gegen Extremismus engagieren und damit Verantwortung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft übernehmen. Demokratisch. Stabil. Zuversichtlich.“
Hintergrund zum Preis
Der Preis „Sport mit Haltung“ ist Teil des Bundesprogramms gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport, das seit 2023 Initiativen aus dem organisierten Sport fördert, die demokratische Kultur stärken und Hass sowie Ausgrenzung entgegenwirken. 2026 steht insbesondere das Engagement von Vereinen im Fokus, die auch unter schwierigen Bedingungen konsequent Haltung zeigen, indem sie wirksam gegen antidemokratische Vorfälle vorgehen.
Der Vereinspreis ist mit insgesamt 18.000 Euro dotiert. Die Preisgelder sind zweckgebunden für die Fortführung und Weiterentwicklung der demokratischen Wertebildung in den Vereinen. Bewerben können sich gemeinnützige Sportvereine, die Mitglied in einem Landessportbund sind und ein klar erkennbares Werteverständnis im Vereinsalltag leben. Die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger erfolgt durch eine interdisziplinäre Jury aus Sport, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik.
Die feierliche Preisverleihung findet am 19. Mai 2026 in Berlin statt.
Bewerbungsschluss ist der 7. April 2026.
Daniela Maier ist „Sportlerin des Monats“ Februar
Daniela Maier setzte sich bei der Wahl zur „Sportlerin des Monats“ Februar gegen die weiteren deutschen Olympiasiegerinnen und -sieger der Olympischen Spiele in Mailand und Cortina durch. Die Bayerin hatte bei den Wettkämpfen in Livigno mit ihrem überraschenden Triumph im Skicross für ein deutsches Highlight gesorgt: In einem hochklassigen und engen Finale behauptete sie sich gegen die internationale Konkurrenz und sicherte sich damit den größten Erfolg ihrer Karriere.
Knapp hinter Daniela Maier landete Skispringer Philipp Raimund auf Rang zwei der Wahl. Der 24-Jährige überzeugte bei den Spielen mit seinem Olympiasieg von der Normalschanze und bestätigte damit seine starke Form auf der internationalen Bühne. Rang drei ging an das Bobteam Lochner, das mit Pilot Johannes Lochner und Anschieber Georg Fleischhauer im Zweierbob Gold, sowie gemeinsam mit Thorsten Margis und Jörn Wenzel im Viererbob eine weitere Goldmedaille bei den Olympischen Spielen gewinnen konnte. Auf den weiteren Plätzen folgten das Bobteam Nolte mit Pilotin Laura Nolte und Anschieberin Deborah Levi, dicht gefolgt von denRennrodlern Max Langenhan, Julia Taubitz, sowie der deutschen Team-Staffel im Rennrodeln. Sie alle hatten sich in Mailand Cortina gegen die internationale Konkurrenz durchgesetzt und zu Olympiasiegerinnen oder -siegern gekürt.
Für ihre herausragenden Leistungen waren die Athletinnen und Athleten von der Athletenkommission im DOSB, von SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert worden.
Anders als bei Medien- oder Publikumswahlen entscheiden bei der Wahl zur Sportlerin bzw. zum Sportler des Monats ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathletinnen und -athleten. Dadurch erhält die Auszeichnung ihre besondere sportliche Wertigkeit. Zu Beginn eines jeden Monats stellt die Sporthilfe den rund 4.000 geförderten Athletinnen und Athleten drei Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl, die sich im Vormonat durch herausragende Leistungen empfohlen haben. Die Stimmabgabe erfolgt per Online-Voting.
Mehrheit zufrieden mit Leistung von Team D bei Olympischen Winterspielen
Der Großteil der Menschen ist zufrieden mit der Leistung des Team Deutschland bei den Olympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026. Das geht aus einer neuen, repräsentativen Umfrage der Agentur One8Y im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hervor, für die mehr als 1.000 Menschen befragt wurden.
Rund zwei Wochen nach Ende der Winterspiele gaben 62 % der Befragten an, mit der Leistung von Team Deutschland zufrieden gewesen zu sein (14 % = Sehr gut, 48 % = Gut). Nur 12 % gaben dem Team D demnach eine schlechte Note mit Blick auf das sportliche Abschneiden (9 % = Ausreichend, 3 % = Mangelhaft, 0 % = Ungenügend).
Besonders positiv wahrgenommen wurden der Teamgeist (60 %) sowie die Fairness und das Auftreten der Mannschaft (46 %).
Olaf Tabor, DOSB-Vorstand Leistungssport: „Das Team Deutschland begeistert die Menschen und wird entgegen mancher Kritik aus den vergangenen Wochen sehr positiv wahrgenommen. Man sieht deutlich, dass es vielen Fans nicht nur um den Medaillenspiegel geht, sondern dass der überwiegende Teil der Menschen die Leistungen der Athlet*innen unabhängig davon sehr zu schätzen weiß. Bei Olympischen Spielen geht es immer auch darum, die Bevölkerung mit und durch Sport zu begeistern. Das haben wir geschafft und darauf darf jede Athletin und jeder Athlet stolz sein. Unser Anspruch für die Winterspiele wird es bleiben, zu den Top 3 Nationen der Welt zu gehören. Für dieses Ziel werden wir weiterhin gewissenhaft an den nötigen Veränderungen arbeiten.“
Die herausforderndsten Zeiten in 20 Jahren DOSB
Es liegt in der Natur der Sache, dass der DOSB verschiedensten Konfliktfeldern ausgesetzt ist: Da sind nicht nur 103 Mitgliedsorganisationen mit durchaus unterschiedlichen Interessen, Anliegen und Erwartungen unter einen Hut zu bringen, er sieht sich auch verschiedenen Ansprüchen aus Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit ausgesetzt. Er verantwortet Spitzen- und Breitensport, Haupt- und Ehrenamt, er hat viele recht unterschiedliche, für den Sport wichtige Themen zu bearbeiten: unter anderem Gesundheit, Integration und Inklusion, Umwelt und Klima, Sportstätten, Bildung, Schutz vor Gewalt und natürlich den Leistungssport bis zu Olympischen Spielen - es ist eine breite Palette, die nicht immer konfliktfrei ist und durchaus zu Diskussionen über die strategische Ausrichtung führt.
Kein Wunder, dass ein so breit aufgestellter und öffentlich stark wahrgenommener Verband in 20 Jahren auch einige Krisen zu meistern hatte, zumal er nicht nur sportpolitische Aufgaben erfüllt, sondern auch als gesellschaftlich bedeutender Akteur an Transparenz, Partizipation und Reformfähigkeit gemessen wird. Legt man die veröffentlichte Darstellung zugrunde, hat der DOSB wohl im Jahr 2021 seine größte interne Krise erlebt, als der damalige DOSB-Präsident Alfons Hörmann und die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker nach anonymen Vorwürfen von Mitarbeitenden aus ihren Ämtern schieden. Die Angelegenheit führte nicht nur intern und extern zu massiver Kritik, sondern auch zu Veränderungen, die unter anderem in einer völlig neuen Verbandsspitze mündeten.
Legt man die neutrale Definition von Krisen zugrunde, dass nämlich eine Krise ein kritischer Zustand ist, der eine Bedrohung für Menschen, Gemeinschaften oder Organisationen darstellt, könnte durchaus auch die Corona-Pandemie für den DOSB und den gesamten deutschen Sport die größte und gefährlichste Krise gewesen sein. Die Mitgliederzahlen in den Vereinen gingen zurück, es gab finanzielle Unsicherheiten, es war organisatorisch eine riesige Herausforderung - der gesamte organisierte Sport und natürlich auch der DOSB befand sich über Monate, gar Jahre im Krisenmodus.
Deshalb ist das mit der Einordnung auch gar nicht so einfach. Womöglich hat der ganz junge DOSB bereits kurz nach der Fusion von Nationalem Olympischem Komitee (NOK) und Deutschem Olympischem Sportbund (DSB) 2006 bereits seine schwerste Krise gemeistert, nämlich eine kritische Finanzlage in Verbindung mit deutlich hörbaren Stimmen, die ohnehin nicht glücklich waren über das Zusammenlegen der beiden Organisationen zum nun gemeinsamen Dachverband. Über die Jahre hat sich nicht nur die Finanzlage stabilisiert, sondern die beiden Verbände sind auch zusammengewachsen.
Und natürlich waren im neuen Dachverband Krisen zu meistern nach den gescheiterten Bewerbungen um Olympische und Paralympische Spiele für München 2022 (Bürgerentscheid 2013) und Hamburg 2024 (Referendum 2015). Umso besser, dass nun eine erneute Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland immer mehr an Fahrt aufnimmt und die Begeisterung dafür sowohl im Sport, in der Politik, in der Wirtschaft und vor allem in der Bevölkerung wächst.
Auch das Abschneiden deutscher Teams bei Olympischen Spielen führt immer wieder zu kleineren oder größeren kritischen Diskussionen, zum Beispiel nach den Sommerspielen Rio 2016 oder Tokio 2021 oder auch jüngst nach den Winterspielen in Italien. DOSB und Politik sind sich einig, dass es tiefgreifende, strukturelle Veränderungen braucht, um den deutschen olympischen Spitzensport zurück in die Erfolgsspur zu bringen.
Letztlich hat der DOSB aber all seine Krisen immer gemeistert und ging gestärkt aus ihnen hervor, wie zum Beispiel aus der Corona-Krise. So meldete er nach wirklich schwierigen Jahren im Jahr 2025 mit mehr als 29 Millionen Mitgliedschaften einen neuen Rekordwert.
„Integration braucht Räume, Vertrauen und Perspektiven“
Mit unserer IdS-Interviewreihe geben wir 2026 den Menschen eine Stimme, die „Integration durch Sport“ täglich mit Leben füllen - und zeigen, warum das Bundesprogramm für den organisierten Sport und unsere Gesellschaft unverzichtbar ist. Teil 2 mit Kristjana Schultchen, Programmleitung für das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ im Hamburger Sportbund.
DOSB: Welche Rolle haben die Programmleitungen im Bundesprogramm „Integration durch Sport“?
Kristjana Schultchen: Die Programmleitungen sind das verbindende Element zwischen der bundesweiten Strategie des Programms und der konkreten Umsetzung in den Bundesländern. Unsere Aufgabe ist es, die strategische Ausrichtung zu sichern, Entwicklungen zu steuern und Integrationsarbeit im Breitensport langfristig strukturell zu verankern. Wir schaffen dafür passende Rahmenbedingungen, analysieren Bedarfe, entwickeln Förderlogiken weiter und bauen strategische Kooperationen auf.
Gleichzeitig vertreten wir das Programm gegenüber Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Partner*innen und machen sichtbar, welchen Beitrag der organisierte Sport für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gleichberechtigte Teilhabe leistet.
Was sind die zentralen Schwerpunkte deiner Arbeit?
In meiner Arbeit geht es darum, den organisierten Sport in Hamburg dabei zu unterstützen, mit gesellschaftlichen Veränderungen Schritt zu halten und Teilhabe für möglichst viele Menschen zu ermöglichen. Ein Schwerpunkt liegt aktuell darauf, die Rolle und Leistungen von IdS in Hamburg klar zu positionieren. In einem Umfeld, das von sozialen Ungleichheiten, migrationspolitischen Debatten und zunehmender Polarisierung geprägt ist, ist es wichtig, den konkreten Beitrag des Sports zu Teilhabe, Zusammenhalt und demokratischer Kultur deutlich zu machen. Integration kann nur nachhaltig wirken, wenn die realen Herausforderungen der Vereine berücksichtigt werden. Viele stehen unter Druck - durch begrenzte Ressourcen, veränderte Ehrenamtsstrukturen und steigende soziale Anforderungen. Programmarbeit muss deshalb so gestaltet sein, dass sie für Vereine anschlussfähig bleibt und sie strukturell stärkt. Ziel ist es, Integration nicht nur über einzelne Angebote umzusetzen, sondern dauerhaft in Vereinsstrukturen zu verankern.
Gibt es regionale Unterschiede, wie „Integration durch Sport“ umgesetzt wird und falls ja, welche?
Ja. Das Programm verfolgt gemeinsame Ziele, ist aber bewusst so angelegt, dass es an unterschiedliche Realitäten angepasst werden kann. Hamburg ist stark sozialräumlich geprägt. Einkommensarmut und eingeschränkte Teilhabe konzentrieren sich auf bestimmte Quartiere - das zeigt sich auch im Sport.
Vereine in benachteiligten Stadtteilen stehen häufiger unter Druck, etwa durch Überlastung im Ehrenamt oder fehlende Ressourcen. Gleichzeitig haben sie eine besonders wichtige stabilisierende Funktion für Begegnung und Engagement. Unsere Programmarbeit setzt deshalb gezielt dort an, wo Unterstützung benötigt wird. Diese lokale Anpassungsfähigkeit ist eine zentrale Stärke des Programms.
Miriam Welte wird DOA-Vorsitzende
Nachdem die langjährige Vorsitzende der Deutschen Olympischen Akademie (DOA), Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, im vergangenen Jahr ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hat, ist ihre Nachfolge geklärt: Miriam Welte, Bahnrad-Olympiasiegerin in London 2012 und Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), übernimmt mit sofortiger Wirkung den Vorsitz der Bildungseinrichtung im Haus des Sports in Frankfurt.
Mehr Frauen in Führung. Ich committe mich.
Damit der Sport auch morgen kraftvoll und zukunftsfähig bleibt, braucht er vielfältige Perspektiven dort, wo Entscheidungen getroffen werden. Mehr Frauen in Führung ist kein Symbolthema. Es ist ein klares Bekenntnis zu Qualität, zu moderner Governance und zu nachhaltigem Wachstum. Studien zeigen: Teams mit vielfältiger Besetzung entscheiden differenzierter, agieren resilienter und entwickeln Organisationen erfolgreicher weiter.
Team D Paralympics vor dem Start in Mailand Cortina 2026
Insgesamt reisen 40 Sportler*innen und acht Guides als Team Deutschland Paralympics nach Italien. Damit wird es die zweitgrößte deutsche Mannschaft in der Geschichte der Paralympics sein - nur in Lillehammer 1994 waren noch drei Athlet*innen mehr dabei. Hinzu kommen 49 Personen aus dem Funktionsteam.
Insgesamt werden sich etwa 650 Athlet*innen aus der ganzen Welt in sechs verschiedenen Sportarten messen: Para Eishockey, Para Biathlon, Para Skilanglauf, Para Ski alpin, Para Snowboard und Rollstuhlcurling. Seit 20 Jahren konnten sich die deutsche Para Eishockey-Nationalmannschaft wieder für die Paralympischen Spiele qualifizieren. Erstmalig wird es beim Rollstuhlcurling auch einen Wettbewerb im Mixed Double geben. Die Athlet*innen des Team D Paralympics treten bis auf Rollstuhlcurling in allen Wettbewerben an.
Paralympische Spiele im TV und Streaming
ARD und ZDF werden umfassend von den Paralympics berichten. ARD zeigt am 11. März (14.00 - 17.00 Uhr) und 13. März (9.00 - 15.00 Uhr) die Wettkämpfe live im linearen Fernsehen, dazu sind die Paralympics am 12. und 14. März in die Wintersport-Berichterstattung des Senders eingebunden. Darüber hinaus berichtet Eurosport erstmalig von den Paralympics und zeigt täglich Highlights der Wettkämpfe auf seinem TV-Sender und im Streaming.
Deutsches Haus in Cortina d' Ampezzo
Auch die Athlet*innen des Team D Paralympics können ihre Erfolge im Deutschen Haus in Cortina feiern. Das Deutsche Haus wird außerdem wieder Treffpunkt für Vertreter*innen aus Sport, Wirtschaft, Medien, Gesellschaft und Politik sein.
Besonderes Jubiläum
In den italienischen Alpen feiern die Paralympics ihr 50. Jubiläum. Die erste Ausgabe fand 1976 im schwedischen Örnsköldsvik statt.
Die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zum Team gibt es hier.
„Integration passiert nicht von allein“
Mit unserer IdS-Interviewreihe geben wir 2026 den Menschen eine Stimme, die „Integration durch Sport“ täglich mit Leben füllen – und zeigen, warum das Bundesprogramm für den organisierten Sport und unsere Gesellschaft unverzichtbar ist. Teil 1 mit Muhammad-Fuzael Ul-Hassan, Referent für das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ beim Stadtsportbund Bielefeld.
DOSB: Wie bist du allgemein zum Sport gekommen?
Muhammad-Fuzael Ul-Hassan: In meiner Familie hat Sport keine sehr lange Geschichte. Und doch findet sie sich an einigen Stellen. Meine Eltern kommen aus Pakistan, dort gibt es keine klassische Vereinslandschaft, wie wir sie hier kennen. Als mein Vater nach Deutschland kam, war er Mitbegründer des ersten Pool-Billard-Clubs in Minden. Er war auch der Grund, warum ich mit sieben Jahren in einen Fußballverein gekommen bin. Das war gar nicht meine Idee. Mein Vater meinte einfach: „Sport ist wichtig, ich möchte, dass du da hingehst.“ Und irgendwann habe ich gemerkt: Sport liegt mir. In der fünften Klasse habe ich zusätzlich mit Leichtathletik angefangen und darin später auch als Trainer gearbeitet. Spätestens da wurde mir klar, dass Sport für mich ein großes Thema ist. Sport ist bis heute ein elementarer Bestandteil meines Alltags. Also ja: Sporterfahrung bringe ich auf vielen Ebenen mit.
Wie kam dann der Sprung zum Bundesprogramm „Integration durch Sport“?
Es ist tatsächlich ein glücklicher Zufall, dass mir die Stelle bei „Integration durch Sport“ angeboten wurde. Ich habe vorher in der freien Wirtschaft gearbeitet und hätte nicht erwartet, noch während des Studiums im gemeinwohlorientierten Sportbereich zu landen. Es war vor allem ein super Einstieg, weil das Thema genau meinem Interesse entspricht: Soziale Ungleichheit, Nachhaltigkeit, Unterrepräsentanz verschiedener Personengruppen, Kommunikation oder Systemtheorie im Sport waren schon große Bestandteile meines Studiums. Sportsoziologie und -management waren die Schwerpunkte. Auch das Bundesprogramm war an verschiedenen Stellen Inhalt des Studiums. Insofern lag „Integration durch Sport“ schon immer irgendwie nah für mich.
Viele stellen sich unter einem Referentenjob vor, dass man den ganzen Tag nur am PC sitzt und E-Mails schreibt. Wie sieht dein Arbeitsalltag bei IdS wirklich aus?
Ich habe keine starre Arbeitswoche. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, mit Sportvereinen oder deren Vertreter*innen im Austausch zu sein. Besonders in der Stützpunktförderung begleiten wir die Vereine: Wir sprechen darüber, welche Maßnahmen geplant sind, welche Ideen sie haben, und ich setze das dann verwaltungstechnisch um. Aber das ist nur die eine Seite. Uns beschäftigt vor allem die Frage: Was können wir gemeinsam im Verein tun, damit Integration, Inklusion und Vielfalt wirklich gelebt werden? In Bielefeld haben wir aktuell vier Stützpunktvereine mit sehr unterschiedlichen Profilen. Zwei sind klassische Traditionsvereine. Dann gibt es den MCH Futsal-Club Bielefeld, der aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit hervorgegangen ist. Und wir haben einen für IdS eher ungewöhnlichen Verein dabei: den Bielefelder Golfclub. Manche fragen sich: „Warum unterstützen wir einen hoch privilegierten Verein in einer weiß-dominierten Sportart?“ Aber genau das finde ich spannend. Ich möchte bewusst in Räume gehen, in denen Menschen mit internationaler Geschichte oder BPoC unterrepräsentiert sind.
Sport verbindet Generationen
Sport ist weit mehr als körperliche Betätigung. Er ist Begegnungsraum, Gesundheitsmotor und soziales Bindeglied zugleich. In einer Gesellschaft, die vom demografischen Wandel geprägt ist, gewinnt der generationenübergreifende Sport zunehmend an Bedeutung. In deutschen Sportvereinen begegnen sich Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Ältere - sie trainieren, lernen und engagieren sich gemeinsam. So entsteht Gemeinschaft über Altersgrenzen hinweg.
Der Deutsche Olympischer Sportbund (DOSB) verfolgt dabei konsequent das Leitbild „Sport für Alle“. Ziel ist es, sportliche Aktivität von der Kindheit bis ins hohe Alter zugänglich zu machen. Generationensport wird als Querschnittsaufgabe verstanden: Er umfasst Breiten- und Gesundheitssport, Integrationsarbeit, Engagementförderung sowie die Weiterentwicklung moderner Vereinsstrukturen.
Vom Seniorensport zum Generationenansatz
Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren entstanden erste zielgruppenspezifische Bewegungsangebote für ältere Menschen. Mit der steigenden Lebenserwartung und gesellschaftlichen Veränderungen wurde deutlich, dass Sportangebote kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat der DOSB den Bereich „Sport der Älteren“ systematisch ausgebaut. Wichtige Impulse setzten Projekte wie „Richtig fit ab 50“ (2003-2006) und „Bewegungsnetzwerk 50 plus“ (2009-2012), die neue Kooperationen mit Wohlfahrtsverbänden sowie Senioren- und Gesundheitsorganisationen ermöglichten.
Mit „AUF (Aktiv Und Fit) Leben“ wurden bis 2015 neue Zielgruppen - darunter Hochaltrige und pflegende Angehörige - angesprochen und innovative Zugänge zur Bewegungsförderung erprobt.
Von 2020 bis 2022 rückte das Projekt „Sport bewegt Menschen mit Demenz“ die Bedürfnisse von Menschen mit kognitiven Einschränkungen in den Mittelpunkt. Auch nach Projektende bietet der DOSB weiterhin jährliche Online-Fortbildungen für Übungsleitungen an - in Kooperation mit dem Demenzzentrum Trier und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.
Gesundheit, Teilhabe und Zusammenhalt
Regelmäßige Bewegung trägt in jeder Lebensphase zur körperlichen und psychischen Gesundheit bei. Im Alter hilft sie, Mobilität und Selbstständigkeit zu erhalten, Stürzen vorzubeugen und sozialer Isolation entgegenzuwirken. Programme wie der Alltags-Fitness-Test (AFT) oder „FIVE – Fit und verbunden gegen Einsamkeit“ setzen hier gezielt an.
Gleichzeitig schafft Sport Räume der Begegnung. Familien nehmen gemeinsam an Kursen teil, Großeltern engagieren sich im Ehrenamt, Jugendliche übernehmen Verantwortung als Trainerinnen und Trainer. Projekte zur Engagementförderung zeigen, wie wichtig flexible Strukturen sind, um Menschen im mittleren Erwachsenenalter und Ältere für Vorstands- oder Leitungsaufgaben zu gewinnen.
Auch Integration ist ein zentrales Thema. Im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“ wurde das Projekt „GeniAl: Gemeinsam bewegen - Gesund leben im Alter“ initiiert. Es richtete sich insbesondere an ältere Menschen mit Migrationsgeschichte, die im organisierten Sport bislang unterrepräsentiert sind. Ziel war es, nachhaltige und bedarfsgerechte Angebote zu entwickeln und soziale Teilhabe zu stärken.
Antworten auf neue Herausforderungen
Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich stetig. Klimawandel und zunehmende Hitzeperioden stellen gerade ältere Menschen vor neue gesundheitliche Herausforderungen. Das Projekt „Sport und Bewegung mit älteren Menschen bei Hitze“ (BIÖG) entwickelt praxisnahe Handlungsempfehlungen für Vereine.
Gleichzeitig gilt es, Zugangsbarrieren abzubauen. Mit der Bewegungslandkarte stellt der DOSB erstmals eine bundesweite Plattform zur Verfügung, auf der rund 87.000 Sportvereine mit ihren Angeboten zentral online einsehbar sind. So wird der Zugang zum organisierten Sport erleichtert - transparent, niedrigschwellig und wohnortnah.
Generationensport als Zukunftsaufgabe
Generationensport bedeutet heute mehr als altersgerechte Gymnastik oder Familiensporttage. Er steht für ein umfassendes Verständnis von Sport als gesellschaftlicher Gestaltungsraum. Der DOSB hat gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen in den vergangenen Jahren wichtige strukturelle Grundlagen geschaffen und innovative Projekte angestoßen.
Verbandsautonomie: Was das ist und wofür sie gut ist
Aufgrund aktueller Berichterstattung über mögliches Fehlverhalten in einer unserer Mitgliedsorganisationen und Fragen dazu, inwiefern die Politik und der DOSB als Dachverband hier tätig werden können, haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Verbandsautonomie noch einmal zusammengefasst.
Was es damit auf sich hat und was die Verbandsautonomie an Eingriffen erlaubt und was nicht, erklären wir hier.
„Es gibt keine Abkürzung zum Erfolg“
Am 17. Februar gab der Deutsche Tennis Bund (DTB) bekannt, dass ein Nachfolger für Rainer Schüttler gefunden wurde. Der Kapitän der Billie-Jean-King-Cup-Mannschaft war im November 2025 nach dem Abstieg aus der Weltgruppe zurückgetreten. Seinen Posten übernimmt nun Torben Beltz, der seit Dezember 2024 als Chefbundestrainer für die deutschen Damen fungiert. Im DOSB-Interview erläutert der in Itzehoe geborene 49-Jährige, der als Trainer von Angelique Kerber seine größten Erfolge feierte, welche Herausforderungen ihn in der neuen Doppelfunktion erwarten.
DOSB: Torben, herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt! Bedeutet die Doppelfunktion in erster Linie doppelte Arbeit oder doppeltes Vergnügen?
Torben Beltz: Ich finde, dass der zusätzliche Posten eine Erweiterung meines bisherigen Jobs darstellt, aber keinesfalls doppelte Arbeit. Ich war auch bislang schon für die Damen zuständig, hatte immer Kontakt zu allen Spielerinnen, war auf den großen nationalen und internationalen Turnieren unterwegs. Insofern sehe ich es als eine logische Weiterentwicklung und eine tolle Aufgabe, auf die ich mich sehr freue. Ich danke dem DTB für das in mich gesetzte Vertrauen.
Warum ist es aus deiner Sicht logisch, beide Ämter auf eine Person zu vereinen? Bei Barbara Rittner war das auch so, Rainer Schüttler dagegen war nicht Chefbundestrainer. Was spricht dafür, was dagegen?
Aus meiner Sicht passt beides sehr gut zueinander. Ich habe eine große Nähe zu den Spielerinnen. Ich weiß, wie sie trainieren und was sie brauchen, um ihre Bestleistung abzurufen. Gleichzeitig kenne ich dank meiner jahrelangen Tätigkeit mit Angie auf der WTA-Tour viele Gegnerinnen sehr gut, was gerade im Billie Jean King Cup sehr wertvoll sein kann. Ich will aber gar nicht werten, ob die Doppelfunktion besser ist als eine Trennung der Ämter. Rainer hat über sechs Jahre tolle Arbeit geleistet, und letztlich müssen sowohl der Verband als auch die betreffenden Personen entscheiden, was die beste Lösung ist. Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich richtig Lust habe, beide Ämter zu vereinen, den Damenbereich nach vorn zu bringen und ein schlagkräftiges neues Team für den Billie Jean King Cup aufzubauen.
Was ändert sich für dich in deinem Arbeitsablauf?
Gar nicht so viel, denn wie schon gesagt war ich auch im vergangenen Jahr viel auf Turnieren unterwegs. In den ersten Wochen bin ich sicherlich etwas mehr auf Reisen, ich versuche, alle Spielerinnen zu besuchen und mit ihnen über die Neuausrichtung zu sprechen. Ich will Feedback sammeln und von ihnen hören, was wir besser machen können und welche Vorstellungen sie haben. Und die Wettkampfwochen, wenn wir im Billie Jean King Cup unterwegs sind, werden sicherlich intensiver. Möglicherweise schaue ich jetzt noch ein wenig mehr auf unser Eliteteam als zuvor, denn das Wichtigste wird jetzt sein, ganz eng an den Spielerinnen zu bleiben.
Die deutschen Tennisdamen sind erstmals seit 2012 aus der Weltgruppe abgestiegen. Seit Jahren hatte sich dieser Niedergang abgezeichnet, nachdem die goldene Generation um Angie Kerber, Andrea Petkovic und Julia Görges abgetreten war. Barbara Rittner hat einige Male die Leistungsbereitschaft der nachfolgenden Generation kritisiert. Wie nimmst du das wahr?
Kritik ist selbstverständlich erlaubt. Wir alle hätten gern ein paar mehr Spielerinnen unter den besten 100 der Welt. Allerdings habe ich bei unserer aktuellen und auch der nächsten Generation gar nicht den Eindruck, dass es an Leistungsbereitschaft fehlt. Um in der Weltspitze mitzuhalten, hast du nur eine Chance, wenn du hart und ausdauernd trainierst, und das nicht nur während der Saison, sondern auch in der Off-Season. Es gibt keine Abkürzung zum Erfolg, das wissen die Mädels alle. Und was sie noch nicht wissen, versuchen wir ihnen zu vermitteln. Allerdings ist das ein Entwicklungsprozess, der Zeit braucht. Diese Geduld haben wir.
Auf wieviel Zeit in der Zweitklassigkeit im Billie Jean King Cup müssen sich denn die deutschen Tennisfans einstellen?
Ich hoffe natürlich, dass unsere Arbeit schon in den kommenden ein, zwei Jahren Früchte trägt. Unser neues Leistungssportkonzept „Gemeinsam! Weltklasse! Entwickeln!“ sieht vor, dass wir 2032 acht bis zehn Spielerinnen in den Top Ten haben. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir einige haben, die schon in der nahen Zukunft diesen Schritt schaffen werden. Wir wissen alle, was dazugehört, aber wir können uns auf eine Reihe an interessanten Spielerinnen freuen. Das Gefühl, dass einige unserer Talente nicht weit vom Topbereich entfernt sind, habe ich auf jeden Fall.





