Neuigkeiten von Sportdeutschland

„Sportvereine leisten einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheitsförderung.“

DOSB: Der Weltgesundheitstag lenkt den Blick auf Prävention und Lebensqualität. Welche Rolle spielt Bewegung aus Ihrer Sicht für die Gesundheit?

Ralf Gottfried: Bewegung ist aus meiner Sicht eine zentrale Grundlage für Lebensqualität in allen Lebensphasen. Sie wirkt präventiv, stärkt sowohl körperliche als auch mentale Gesundheit und schafft einen wichtigen Ausgleich im Alltag. Gerade in einer zunehmend bewegungsarmen Gesellschaft wird Bewegung zu einer bewussten Entscheidung für die eigene Gesundheit. Entscheidend ist dabei, dass Bewegung individuell angepasst werden kann. Vom Kindesalter bis ins hohe Alter bietet sie die Möglichkeit, Menschen genau dort abzuholen, wo sie stehen. Diese Flexibilität macht Bewegung zu einem der wirkungsvollsten Instrumente für nachhaltige Gesundheitsförderung.

Sie engagieren sich seit vielen Jahren im Gesundheitssport, unter anderem als DOSB‑lizenzierter Trainer, im Steuerkreis „Bewegung mit Herz“ und als Demenz‑Partner. Was treibt Sie persönlich an, sich so intensiv für Bewegung und Gesundheit einzusetzen?

Mein Antrieb ist stark durch meine eigenen Erfahrungen im Sport geprägt. Vor der Gründung von movePROsport e.V. war ich im Leistungssport als Trainer tätig. In diesem Umfeld wurde Leistung sehr gezielt entwickelt, das Thema Prävention hingegen häufig nicht systematisch in den Trainingsalltag integriert. Oft wurde Prävention den Athleten selbst überlassen, beispielsweise durch individuelle Maßnahmen oder lockere Laufeinheiten. Für mich war das weder nachhaltig noch zielgerichtet. Ich habe früh erkannt, dass Prävention genauso strukturiert, professionell und verbindlich umgesetzt werden muss wie leistungsorientiertes Training. Mit movePROsport e.V. haben wir genau hier angesetzt und eine Struktur geschaffen, in der Prävention im Mittelpunkt steht. Unser Ziel ist es, Menschen aktiv dabei zu unterstützen, langfristig gesund, leistungsfähig und motiviert zu bleiben.

Strahlemann und Stinkefinger – wie Leon Ulbricht zum Gesamtweltcupsieger wurde

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es in der weiten Welt der Sprichwörter. Wer über WhatsApp mit Leon Ulbricht kommuniziert, sieht in dessen Account ein Profilbild. Es zeigt einen blonden Jungen, der frech in die Kamera strahlt und dabei beide Mittelfinger in die Höhe streckt. Aufgenommen wurde es vor ungefähr zwölf Jahren im Familienurlaub von seinen Eltern. Und auch wenn dem damals Achtjährigen die Symbolik dieses Fotos selbstverständlich nicht bewusst sein konnte, drückt es heute ziemlich exakt das aus, was den 21-Jährigen zum Gesamtweltcupsieger im Snowboardcross gemacht hat: Leon Ulbricht ist ein zugänglicher, fröhlicher Mensch, der am liebsten Spaß bei allem hat, was er tut. Aber er macht die Dinge auf seine Weise und lässt sich von anderen nicht beirren. Strahlemann und Stinkefinger, das ist die Erfolgsmischung. Und weil der Topathlet vom SC Rötteln ein Mensch ist, der reflektiert auf sein eigenes Tun schaut, ist es umso spannender, mit ihm einen Rückblick auf seine aufregende Saison zu werfen.

Am Mittwochmorgen, als er zur verabredeten Zeit den Anruf entgegennimmt, ist Leon Ulbricht noch immer etwas „verjetlagt“. Das Saisonfinale fand in Mont-Sainte-Anne statt, im kanadischen Bundesstaat Québec, erst am Montagmorgen war die Mannschaft wieder in München gelandet. Das für Dienstagvormittag geplante Telefonat mit dem DOSB hatte Leon abgesagt, weil er wegen des Neuschnees in den Alpen spontan zum Boarden wollte. „Ich hatte einfach Bock drauf, auch wenn das aus der Perspektive der Regeneration vielleicht nicht sinnvoll war. Aber die Saison ist ja nun vorbei und ich kann solche Sachen machen“, sagt er. Und ist damit schon mittendrin in der Analyse, denn es scheint genau dieses Lustprinzip zu sein, das dem Sportsoldaten die notwendige Lockerheit verleiht, um auch nach schweren Rückschlägen nicht die Freude an seinem Sport zu verlieren.

Einen solchen schweren Rückschlag hatte Leon im Februar zu verkraften. Bei den Olympischen Spielen in Italien hatte er sich durchaus Medaillenchancen ausgerechnet. Die Trainingsform stimmte, in der Qualifikation für das Rennen in Livigno fuhr er die drittbeste Zeit und hinterließ mit seinem herausragenden Startverhalten und der dominanten Rennführung bei allen Beobachtenden den Eindruck, dass der Weg zum Gold nur über ihn führen könnte. Dann jedoch kam das Viertelfinale, in dem neben dem Italiener Lorenzo Sommariva und dem US-Amerikaner Nick Baumgartner auch Team-D-Kollege Martin Nörl (32/DJK-SV Adlkofen) zum Viererfeld zählte. In einer Linkskurve kollidierten Nörl und Baumgartner leicht, der Deutsche rutschte über die Piste und räumte dabei seinen jungen Teampartner ab. Aus der Traum von einer Medaille, die greifbar schien. Leon brauchte im Livigno Snow Park viel Zeit, um den Frust zumindest derart in den Griff zu bekommen, dass er sich den Medien stellen konnte.

Sein Motto: Spaß haben, dann kommen Titel von selbst

Vollkommen verarbeitet hat er das Geschehene auch gut sechs Wochen später noch nicht. „Es beschäftigt mich noch immer, ich habe oft darüber nachgedacht, ob ich irgendetwas hätte anders machen können“, sagt er. Während der gesamten Saison 2025/26 habe er keine ähnliche Situation geschweige denn einen Sturz erlebt, „es war mein zweitschlechtestes Resultat dieses Winters. Dass das ausgerechnet bei Olympia passiert, ist natürlich bitter“, sagt er. Wahrscheinlich seien es diese zwei, drei Prozent mehr Anspannung, die im Feld spürbar seien, die dazu führten, in engen Situationen doch mehr Risiko zu nehmen, als man es im Weltcup tun würde. „Und dann passieren solche Sachen, für die ich auch im Nachhinein niemandem die gesamte Schuld gebe.“

Umso interessanter war die Reaktion, die Leon Ulbricht auf das olympische Desaster zeigte. Er gewann das erste Weltcuprennen nach den Spielen, fuhr zwei weitere Male aufs Podium und reiste als Führender der Gesamtwertung zum Abschlusswettbewerb nach Kanada, mit einem Punkt Vorsprung auf den Franzosen Aidan Chollet (21), mit dem ihn eine enge Freundschaft verbindet, und 42 Zähler vor dem Australier Adam Lambert (28). Zu irgendwelchen Rechenspielen habe er sich deshalb aber nicht verleiten lassen, sagt er: „Mir geht es immer darum, Rennen zu gewinnen. Ich war auch nicht aufgeregter als sonst, sondern habe mir einfach gedacht: Zieh dein Ding durch und schau, was am Ende dabei herauskommt!“

Diese Taktik ist es, die sein sportliches Leben bestimmt, er beschreibt sie auch auf seiner Homepage. „Mein Traum ist es, mich an die Weltspitze im Snowboardcross zu setzen und dort einfach Spaß zu haben. Dabei spielen für mich irgendwelche großen Titel eher eine nebensächliche Rolle, das kommt dann schon von selbst“, steht dort zu lesen. Den Beweis dafür lieferte er in Kanada. Chollet schied im Viertelfinale aus. Lambert gewann zwar das Große Finale, aber weil Leon direkt auf Rang zwei folgte, reichte der Sieg dem Australier nicht zur Aufholjagd. Den ersten großen Titel hat er eingefahren, den Weg in die Weltspitze ist er gegangen – und Spaß hat es auch gemacht, und das nicht zu knapp. „Ich denke, dass wir sagen können, dass unser Plan ganz gut aufgegangen ist“, sagt er.

Sport als Motor für Entwicklung und Frieden

Der Internationale Tag des Sports für Entwicklung und Frieden erinnert jedes Jahr am 6. April an die besondere Rolle des Sports für eine gerechtere und friedlichere Welt. Das Datum verweist auf die Eröffnung der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen und steht sinnbildlich für die Werte der Olympischen Idee: Respekt, Solidarität und internationale Verständigung.

Sport ist als wirkungsvolles Instrument zur Umsetzung der Agenda 2030 und der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) international anerkannt. Bildung, Gesundheit, Gleichstellung und gesellschaftliche Teilhabe lassen sich durch Sport nachhaltig fördern. Seit der Partnerschaft zwischen den Vereinten Nationen und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wird dieser Ansatz weltweit gestärkt.

Ein besonderes Zeichen setzt die Olympische Bewegung mit den Youth Olympic Games Dakar 2026, die erstmals auf dem afrikanischen Kontinent stattfinden. Unter dem Motto „Africa welcomes – Dakar celebrates“ rücken die Spiele junge Menschen, Wertevermittlung und nachhaltige Sportentwicklung in den Mittelpunkt und unterstreichen die Bedeutung Afrikas für die Zukunft des Sports.

 

„Der Sport hat im Grunde seine eigene Sprache – und baut damit Hürden ab.“

Mit unserer IdS-Interviewreihe geben wir 2026 den Menschen eine Stimme, die „Integration durch Sport“ täglich mit Leben füllen - und zeigen, warum das Bundesprogramm für den organisierten Sport und unsere Gesellschaft unverzichtbar ist. Teil 5 mit Daniel Dwars, Referatsleiter im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

DOSB: Welche Rolle spielt das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ aus Sicht des BAMF in der Integrationslandschaft?

Daniel Dwars: Das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ spielt eine ganz wesentliche Rolle in der Integrationslandschaft und in der Integrationsförderung des Bundes. Es kann auf bald auf vier Jahrzehnte Erfahrungen und Erfolge zurückblicken. Es hat sich über Jahre hin bewährt, weiterentwickelt und ist auch Krisen begegnet. Ein so langfristig gewachsenes und zugleich anpassungsfähiges Förderprogramm, dass so viele Menschen über die Jahre erreicht hat, ist für die Integrationsarbeit in Deutschland von zentraler Bedeutung.

Warum ist Sport ein besonders wirksames Feld für Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Der Sport verbindet Menschen. Er ist leicht zugänglich und schafft aktive soziale Teilhabe. Hemmnisse wie fehlende Sprachkenntnisse treten dabei oft in den Hintergrund, weil Kommunikation im Sport stark über Bewegung, gemeinsames Handeln und nonverbale Verständigung funktioniert. Damit hat der Sport im Grunde seine eigene Sprache, die von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft beherrscht werden kann. Diese Möglichkeit des Austauschs über den Sport baut Hürden ab, schafft echte Begegnungsräume. Das stärkt die Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte, aber gleichzeitig auch die interkulturelle Öffnung der Verbände und Sportvereine.

Anna-Lena Forster ist Sportlerin des Monats

Die Monoskifahrerin und Paralympics-Siegerin setzte sich bei der Abstimmung durch die rund 4000 von der Sporthilfe geförderten Athletinnen und Athleten mit 59,1 Prozent deutlich gegen weitere deutsche Medaillengewinnerinnen und -gewinner der Spiele durch. Forster hatte in Norditalien mit herausragenden Leistungen geglänzt. Als "Golden Girl" gefeiert, war die 30-Jährige allein für die Goldausbeute des deutschen Teams verantwortlich. In Abfahrt und Riesenslalom fuhr die Freiburgerin zum Sieg und holte dazu in der Super-Kombination Silber.

Rang zwei bei der Wahl ging an die Silbermedaillen-Gewinner der offenen Staffel im Para-Skilanglauf (Marco Maier, Sebastian Marburger, Linn Kazmaier mit Guide Florian Baumann, Theo Bold mit Guide Jakob Bold/9,1 Prozent). Rang drei sicherte sich Marco Maier (8,3 Prozent), der neben Silber in der Staffel drei Bronzemedaillen im Para-Biathlon gewann (Sprint, Verfolgung, Einzel). 

Für ihre herausragenden Leistungen wurden die Athletinnen und Athleten von der Athletenkommission im DOSB, SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert.

Anders als bei Medien- oder Publikumswahlen entscheiden bei der Wahl zur Sportlerin bzw. zum Sportler des Monats ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathletinnen und -athleten. Dadurch erhält die Auszeichnung ihre besondere sportliche Wertigkeit. Zu Beginn eines jeden Monats stellt die Sporthilfe den rund 4.000 geförderten Athletinnen und Athleten drei Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl, die sich im Vormonat durch herausragende Leistungen empfohlen haben. Die Stimmabgabe erfolgt per Online-Voting.

Stiftung Deutsche Sporthilfe

(Quelle: SID)

 

Sport und Bewegung fördern – Gesundheitskosten senken

Sport und Bewegung fördern – Gesundheitskosten senken 

Angesichts der dramatisch wachsenden Finanzierungslücke in der gesetzlichen Krankenversicherung fordert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), Sport und Bewegung als zentralen Baustein einer wirksamen Präventions- und Gesundheitspolitik strukturell zu stärken. Der organisierte Sport erreicht Millionen Menschen, wirkt präventiv über alle Altersgruppen hinweg und kann einen entscheidenden Beitrag leisten, Gesundheitskosten langfristig zu senken. 

Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung spitzt sich dramatisch zu. Die Finanzkommission Gesundheit des Bundesministeriums für Gesundheit beziffert die bestehende Finanzierungslücke auf über 15 Milliarden Euro im Jahr 2027. Bis 2030 soll sie auf mehr als 40 Milliarden Euro anwachsen. In der aktuellen Debatte um Einsparungen und Strukturreformen fehlt aus Sicht des DOSB jedoch ein zentraler strategischer Hebel: eine systematische Stärkung von Sport und Bewegung. 

Bundesweites Webinar zu den „Sternen des Sports“

Diese und weitere Fragen wird ein zentrales, bundesweites Webinar am Mittwoch, den 2. Juni 2026 von 18.00 bis 19.00 Uhr beantworten. Das Angebot richtet sich an alle Sportvereine in Deutschland, die sich über den Wettbewerb informieren und ihre Bewerbung bis zum Stichtag 30. Juni 2026 einreichen möchten.

Das bundesweite Webinar zu den „Sternen des Sports“ zeigt praxisnah, wie Vereine ihre Bewerbung überzeugend gestalten können. Gute Beispiele aus der Praxis, hilfreiche Tipps und Raum für Fragen machen Lust, direkt loszulegen und Teil der Sterne-Community zu werden.

 

Ab sofort bewerben für die „Sterne des Sports“ 2026

Ob in den wichtigen Bereichen Bildung und Qualifikation, Gesundheit und Prävention, Klimaschutz und Demokratieförderung oder in der täglichen Vereinsarbeit bei Themen wie Mitgliedergewinnung, Digitalisierung oder Ehrenamtsförderung: Gesucht werden Ideen und Projekte, die das Vereinsleben voranbringen und damit die wichtige Rolle der Sportvereine in unserer Gesellschaft stärken. Alles, was dazu beiträgt, hat die Chance auf eine Auszeichnung bei den „Sternen des Sports“. 

Von der lokalen Bronzeebene über die regionale Silber-Auszeichnung bis hin zur Bundesebene in Gold winken zahlreiche Preise. Der Gewinnerverein des „Großen Stern des Sports“ in Gold wird Anfang 2027 in Berlin geehrt und erhält ein Preisgeld von 10.000 Euro.

 

KI im Sportverein: Sechs praxisnahe Tipps

Sportvereine und -verbände stehen vor der Herausforderung ihre Strukturen zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Digitale Werkzeuge spielen dabei eine immer größer werdende Rolle. KI kann helfen, Arbeitsprozesse zu vereinfachen, Kommunikation zu verbessern und Engagierte oder Hauptberufliche gezielt zu entlasten, wenn sie verantwortungsvoll und zielgerichtet eingesetzt wird. 

Studien, Praxisbeispiele und Fachforen im organisierten Sport haben gezeigt, dass die KI sich besonders für Textarbeit, Kommunikation, einfache Auswertungen und administrative Prozesse eignet. Gleichzeitig braucht es klare Regeln, Schulung und einen verantwortungsvollen Umgang, insbesondere beim Schutz von Mitgliederdaten und persönlichen Informationen. Wir haben für euch mit Hilfe der KI selbst, fünf praxisnahe Tipps und Anregungen zusammengestellt.

„Nur in den Sonnenuntergang zu schauen, das wäre mir doch zu wenig“

Er sei eine „Humörbombe“, hat der frühere dänische Fußball-Nationalspieler Thomas Gravesen einst gesagt - und damit einen Kultbegriff geschaffen. Allerdings kannte der exzentrische Kicker, der in der Bundesliga für den Hamburger SV spielte, Folker Hellmund nicht, sonst hätte er sich maximal als „Humörböller“ bezeichnen dürfen. Denn der Mann, der seit 2009 das EOC-EU-Büro in Brüssel als Direktor leitet, ist in den wochentäglichen Morgenkonferenzen der Führungsebene des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Stimmungsgarant. Nun jedoch muss ein Nachfolger für den Gute-Laune-Stifter gefunden werden. An diesem Dienstag hat der 65-Jährige seinen letzten Arbeitstag - und natürlich darf der gebürtige Nienburger nicht gehen, ohne in einem Abschiedsinterview Bilanz zu ziehen.

DOSB: Folker, nach mehr als 17 Jahren an der Spitze des EOC-EU-Büros läutet für dich heute die letzte Glocke. Mit welchen Emotionen gehst du in den Ruhestand?

Folker Hellmund: Es gibt drei Möglichkeiten, mit so einem Schritt umzugehen. Entweder hat man schon vor Monaten aufgegeben und es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Arbeit und Rente. Oder man ackert bis zum letzten Tag, wacht dann am nächsten Morgen auf und denkt: Irgendwas ist komisch heute. Oder, und für diese Möglichkeit habe ich mich entschieden: Man arbeitet mit Freude bis zum letzten Tag, hat aber einen Plan für die Zeit danach gemacht.

Wie sieht dieser Plan aus?

Meiner gilt zunächst für einige Monate. Zunächst reise ich im April mit meiner Frau nach Japan, danach stehen einige Radtouren mit Freunden an. Im Mai feiere ich im DOSB meinen Ausstand, im Juni besuche ich einen Freund auf Mallorca und schaue mit ihm die Fußball-WM. Und ich plane, mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Mein Sohn lebt in Göttingen, meine Tochter in Frankfurt. Die werde ich häufiger besuchen, sofern sie nicht schnell genervt sind von mir.

Du hast nie den Eindruck hinterlassen, von deiner Arbeit genervt zu sein. Wie sehr, fürchtest du, wird sie dir fehlen?

Es mag abgedroschen klingen, aber für mich war der Job wirklich Berufung und nicht nur Beruf. Es war viel mehr als ein normaler Arbeitsplatz, immerhin hatte ich die Ehre, der Erste zu sein, der das EOC-EU-Büro leitet. Ich hatte mich schon 1993, als das EU-Büro des deutschen Sports gegründet wurde, um die Leitungsstelle beworben und bin hinter Christophe de Kepper Zweiter geworden. Ich habe mich also schon vor mehr als 30 Jahren mit der Thematik befasst und bin sehr dankbar, dass ich 2007 die Chance bekommen habe, die Leitung zu übernehmen und zwei Jahre später das Konzept des EOC-EU-Büros umzusetzen. Wie sehr es mir fehlen wird, kann ich ehrlich gesagt noch nicht einschätzen. Ich glaube, dass ich die Beschäftigung mit den Themen, die mir am Herzen liegen, sehr vermissen werde. Es war mir immer extrem wichtig, dass der Sport die Wertschätzung bekommt, die er aus meiner Sicht verdient, und daran mitzuarbeiten, ihn auf EU-Ebene zu verankern und auf Bereiche auszudehnen, die nicht unmittelbar mit Sport zu tun haben, war eine große Bereicherung. Aber ich habe auch nicht vor, mich komplett aus allem herauszuziehen. Ich möchte mich weiter informiert halten, deshalb wird die Lücke, die nun entsteht, vielleicht gar nicht so groß werden.

Worin lag vor fast 20 Jahren, als du ins EU-Büro des deutschen Sports gewechselt bist, dein Anreiz, dich auf europäischer Ebene für den Sport einzusetzen?

Dieser Anreiz, mich international zu betätigen, war ja schon viel länger da. Ich habe 15 Jahre in Brüssel für das Hanse-Office, die Landesvertretung Hamburgs und Schleswig-Holsteins, gearbeitet und das politische Umfeld kennen gelernt. Deshalb wusste ich, dass es mir in der neuen Tätigkeit gefallen würde. Schon während meines Studiums hatte sich bei mir der Eindruck verfestigt, dass wir Deutschen oft zu sehr auf uns schauen. Wir sind eine große Wirtschaftsnation in Europa und haben genug eigene Themen. Aber wir können sehr viel von kleineren Nationen lernen, die oft deutlich pragmatischer handeln als wir. Und das habe ich im Sport genauso erlebt. Durch internationale Vernetzung erhalten wir so viele wichtige Impulse, und diese zu nutzen und in die deutsche Sportpolitik zu tragen, war mir stets ein Anliegen.

Hat der DOSB, der seit 2007 dein Arbeitgeber ist, dieses Anliegen stets mitgetragen? Wie war deine Arbeit im Dachverband angesehen?

Da gab es tatsächlich Unterschiede, nicht jede Führung hatte das Thema Europa/Internationales hoch auf der Agenda. Ich habe großes Verständnis dafür, dass der DOSB täglich mit vielen nationalen Themen konfrontiert ist, die selbstverständlich Priorität haben. Aber das Nationale funktioniert nicht ohne das Internationale, und bei der aktuellen Führung habe ich, nicht zuletzt auch dank der Bewerbungspläne für Olympische und Paralympische Spiele, den deutlichen Eindruck, dass das Internationale wieder stärker gewichtet wird und viel Verständnis für unsere Arbeit herrscht. Das ist sehr wichtig.

Worin lagen in deiner Anfangszeit die größten Herausforderungen?

Als ich anfing, arbeiteten vier Menschen für das EU-Büro des deutschen Sports, aber keiner kam aus Deutschland und die Anbindung an den DOSB war eher gering. Das war anfangs mein Job, das in Gang zu bringen. Dann hatten 2009 der damalige DOSB-Präsident Thomas Bach und der irische EOC-Chef Patrick Hickey die Idee, das Büro zum EOC-EU-Büro umzubauen. Aber es gab dafür keine Gebrauchsanweisung, wir mussten alles selbst entwickeln. Also haben wir uns Operational Guidelines geschrieben, die bis heute unverändert gelten. Es war eine Zeit des Aufbruchs, ich habe viel Pioniergeist verspürt. Meine wichtigste Aufgabe bestand darin, europaweit Anerkennung für das Thema zu schaffen. Zu Beginn wurde das Büro von fünf Organisationen unterstützt: dem IOC, dem EOC, dem DOSB, der Bundessportorganisation Österreichs und dem französischen Sportverband. Mir war klar: Wenn wir eine Zukunft haben wollten, mussten wir eigenes Personal einstellen und vor allem Einnahmen generieren. Dafür mussten wir Dienstleistungen entwickeln, die für Partner aus Nationalen Olympischen Komitees und Sportverbänden interessant sein könnten.

Wie ist das gelungen?

Der Lissabon-Vertrag von 2009 hat uns zum Durchbruch verholfen. Er hat eine Grundlage für ein EU-Sportprogramm geschaffen. Das Erasmus-Förderprogramm wurde für den Sport geöffnet, was einen entscheidenden Anstoß dafür gegeben hat, dass wir Mittel generieren konnten. Unser Ziel war, vor allem an die Sportverbände heranzutreten, die häufig von EU-Rechtsprechung betroffen sind. Dazu mussten wir uns breiter aufstellen. Über die Jahre sind wir von fünf unterstützenden Organisationen auf 38 Partner gewachsen, mit dem Europaverband im Rudern kommt Nummer 39 hoffentlich bald dazu. Das hat unsere Reputation in Brüssel und in der EU erheblich verbessert. Die Dazunahme des paralympischen Sports 2024 hat das Ganze abgerundet. Mir war es immer sehr wichtig, dass wir das komplette Paket bespielen und mitdenken. Wir verstehen uns ja als Vertretung der olympischen Komitees, wir sprechen für die olympische Bewegung. Aber wir wollten immer auch über unseren Tellerrand hinausschauen.

Wenn wir auf die Dienstleistungen schauen, die ihr anbietet: Gibt es Projekte, die dir besonders am Herzen liegen, die du als dein Vermächtnis bezeichnen würdest?

Ach, Vermächtnis ist ein großes Wort. Die Legacy hat eine kurze Halbwertzeit, ich erwarte jedenfalls nicht, dass man mir hier ein Denkmal baut. Aber es gibt schon einige außergewöhnliche Projekte wie zum Beispiel Ocean oder Safe Harbour, das mittlerweile von 31 NOKs unterstützt wird, mit denen wir einen Nerv getroffen haben. Darüber bin ich sehr froh. Dazu kommt das Corporation Agreement, das die gegenseitige Zusammenarbeit und Unterstützung zwischen der EU-Kommission und dem EOC regelt, das wir vor fünf Jahren verhandelt haben und das nun bereits in der zweiten Fassung vorliegt. Das bildet eine sehr stabile Grundlage für die Zukunft. Dass wir mittlerweile außerhalb von Erasmus eine spezielle Förderung dafür bekommen, um Erfahrungen aus Projekten an Akteure weiterzugeben, die nicht Teil dieser Projekte waren, aber von den Ergebnissen profitieren könnten, unterstreicht die Qualität der Arbeit, die wir leisten.

Alfons Hölzl spricht für die Spitzenverbände im DOSB

Der Präsident des Deutschen Turner-Bundes, Alfons Hölzl ist am Samstag (28. März) in Potsdam von der Konferenz der Spitzenverbände einstimmig zum Vorsitzenden der Sprechergruppe der Spitzenverbände gewählt worden. Der 57-jährige Anwalt aus Bayern folgt Andreas Michelmann (Deutscher Handball-Bund), der das Sprecheramt seit 2022 innehatte.

„Ich freue mich sehr auf die bevorstehende Aufgabe und danke den Spitzenverbänden herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen“, sagte Hölzl nach seiner Wahl.“ „Gerade im Kontext der Olympiabewerbung und des Sportfördergesetzes gilt es nun, gemeinsam entschlossen voranzugehen.“

Alfons Hölzl ist seit 2016 Präsident des Deutschen Turner-Bundes. Zuvor war er neun Jahre lang Präsident des Bayerischen Turnverbandes.

Weitere Mitglieder der Sprecher*innengruppe sind Mona Küppers, Jörg Brokamp, Dr. Julia Walter und Dr. Andre Sander. Neu in der Gruppe sind außerdem Gerd Kohlhofer und Michael Hölz. Weitere Mitglieder werden erst am Jahresende gewählt bzw. bestätigt.

„Ich finde, dass der DOSB öfter eine Mittlerposition übernehmen könnte“

Als Aktiver konnte er im Rettungsschwimmen mehrere Einzel-Goldmedaillen bei Europameisterschaften gewinnen und wurde zum Ende seiner Karriere Weltmeister. Seit 2020 ist Kai Schirmer Sportdirektor der Leistungssportsparte in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), und in dieser Eigenschaft bringt sich der 38-Jährige, der aus Bielefeld stammt, in verschiedenen Bereichen ein. Die Anfrage, ob er im Rahmen unserer Serie „20 Jahre DOSB“, in der wir wöchentlich bis zum Jubiläum am 20. Mai Themen aus dem Kosmos des organisierten Sports beleuchten, die Außensicht einer Mitgliedsorganisation auf den DOSB schildern könne, nahm er gern an. „Für mich ist wichtig, dass wir den Austausch gegenseitig mit Leben erfüllen, um gemeinsam alles dafür zu tun, dass der Sport in Deutschland den Stellenwert erhält, den er verdient“, sagt er.

DOSB: Kai, du kennst die Strukturen des deutschen Sports seit vielen Jahren aus verschiedenen Blickwinkeln. Wann hast du erstmals Kontakt mit dem DOSB gehabt und wie hat sich dieser über die Jahre entwickelt?

Kai Schirmer: Die Entwicklung kann ich mit der Zeit vergleichen, als ich selbst noch aktiver Athlet war. Die Zusammenarbeit mit dem DOSB hat sich über die Jahre intensiv professionalisiert. Meinen ersten Kontakt als Funktionär in der DLRG hatte ich 2017 in der Vorbereitung auf die World Games in Polen, da war ich Assistent der Bundestrainerin und wusste noch nicht viel über die Strukturen des DOSB. Damals hatte ich erstmals Kontakt zum „Games Management“. Die World Games spielten dort 2017 noch eine untergeordnete Rolle. Die Wertschätzung für unsere Athletinnen und Athleten, aber auch für das gesamte Thema hat sich enorm erhöht. Wenn ich sehe, wie professionell die Einkleidung, die Vorbereitung und die Durchführung der World Games in China im vergangenen Jahr waren, definiere ich das auch als Anerkennung unserer Arbeit, über die wir uns sehr freuen.

Der DOSB führt den Bezug zu Olympia im Namen. Ist es deines Gefühls nach innerhalb, aber vor allem auch außerhalb der Sportblase bekannt, dass auch der nicht-olympische Sport unter unserem Dach organisiert ist?

Mein Gefühl ist, dass wir uns auf einem guten Weg befinden, aber noch lange nicht da sind, wo wir gemeinsam hinwollen. Gerade im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland muss ich immer wieder erklären, warum wir mit der DLRG Teil des Nationalen Olympischen Komitees sind. Ich werde aber nicht müde, das Thema voranzutreiben. Und für mich persönlich ist das überhaupt kein Problem, dass der DOSB so heißt, wie er heißt, denn wir fühlen uns im Dachverband durchaus gesehen und wertgeschätzt. Einen Kritikpunkt habe ich aber.

Welchen?

Wir hätten uns als Gemeinschaft der nicht-olympischen Verbände gewünscht, dass auf der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr der Veränderung der Präsidiumsstruktur zugestimmt worden wäre, damit hätte einer Person aus unserem Bereich garantiert ein Platz im Präsidium zugestanden werden können. Für die Sichtbarkeit innerhalb des DOSB wäre das ein wichtiger Schritt gewesen.

Worin siehst du die wichtigsten Aufgaben, die der DOSB zu erfüllen hat?

Er ist für mich das Bindeglied zwischen Breiten- und Leistungssport und dafür zuständig, dass beide Bereiche auskömmlich finanziert werden und sich stetig weiterentwickeln können. Und er ist die Stimme des Sports gegenüber der Politik.

Wie erfüllen wir diese Aufgaben?

Grundsätzlich zufriedenstellend, aber es gibt schon ein paar Dinge, die verbesserungswürdig sind. Ich glaube, dass der DOSB noch stärker in die Rolle des Koordinatoren gehen könnte. Es ist wegen der Verbandsautonomie selbstverständlich schwierig, in die Hoheit der Fachverbände einzugreifen. Aber ich finde, dass der DOSB öfter eine Mittlerposition übernehmen könnte. Im gegenseitigen Austausch zwischen den Verbänden können wir auch besser werden, zum Beispiel in dem Bereich, Sportlerinnen und Sportlern den Wechsel zwischen Verbänden zu vereinfachen. Wenn ein Sprinter aus der Leichtathletik als Anschieber zum Bobsport wechseln möchte, oder wenn eine Schwimmerin merkt, dass sie die olympischen Anforderungen nicht erfüllt, aber im Rettungsschwimmen die Chance hätte, bei den World Games Medaillen zu holen: Da könnte die Vernetzung noch besser funktionieren. Außerdem ist offensichtlich, dass die Sportförderung zielgerichteter werden muss. Unser Sport ist in Australien sehr beliebt, deshalb ist mir deren Fördersystem sehr geläufig, und ich muss sagen: Da könnten wir uns einiges abschauen! Wir brauchen im gesamten System Ideen, um unsere besten Trainerinnen und Trainer bei uns zu halten oder sogar internationales Spitzenpersonal nach Deutschland zu holen. Auch da sehe ich den DOSB im Lead.